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Whoever closes his eyes to the past is blind to the present.
Richard von Weizsäcker

Kallich in Böhmen

Kirchspiel KallichKallich, auf Tschechisch Kalek ist ein Kirchspiel auf der Höhe des Erzgebirgskamms in Böhmen (Nordböhmen) (gehört zu Tschechien). Kallich liegt auf etwa 700 ünn. an der tschechisch-deutschen Grenze. Das Kirchspiel besteht aus den Ortsteilen Jindřichova Ves (Heinrichsdorf), Kalek (Kallich), Načetín (Natschung). Gabrielina huť (Gabrielahütten), Načetín I (Kienhaid).

Die Teilorte Gabrielina huť (Gabrielahütten) und Načetín I (Kienhaid) sind heute aufgelassene Orte, an denen nur noch einzelne Fundamente an den einstigen Ort erinnern.

Das Dorf bestand am Anfang wohl aus einigen Köhler- und Holzfällerhäusern. Die erste nachgewiesene Besiedlung erfolgte im Zusammenhang mit der Förderung von Erzen im Jahr 1579, als hier ein Hammerwerk für die Herstellung von Blechen errichtet wurde. Die Bezeichnung Kalek (Telczpach) wird das erste Mal 1555 im Verzeichnis von Rothenhaus (Červený Hrádek) erwähnt. Ursprünglich hatte der Ort zwei Namen: Langenhart (Nachweis aus 1579; Nicolaus Lang von Langenhart war Eigentümer von Rothenhaus nach Christoph von Carlowitz) und Kallich. Kalek ist im Kaufvertrag vom 2. März 1582 zwischen Georg von Carlowitz und Bohuslav Felix von Lobkowitz und Hassenstein aufgeführt. Im 17. Jahrhundert spricht man nur noch von Kalk, das seinen Namensursprung nach den Kalkbergwerken in der Gegend erhielt.

Der größte Teil der Bevölkerung war im 16. Jahrhundert protestantisch. Im Ort gab es zu diesem Zeitpunkt keine Kirche, nur einen Friedhof sowie eine Schule. Viele Jahrhunderte gehörte Kallich zum Herrschaftsbereich von Rothenhaus (Červený Hrádek). Nachdem 1588 der Eigentümer Georg Popel von Lobkowicz, eingeschworener Gegner der Protestanten eine Zwangskatholisierung durchführte, flüchteten viele Einwohner nach Sachsen. Im Ort wurde eine Holzkapelle erbaut, in der die Messe vom Pfarrer aus Göttersdorf (Boleboř) gelesen wurde. Der Dreißigjährige Krieg traf auch Kallich. Bereits 1619 zog die Armee von Mansfeld durch das Dorf. Ein Jahr später vernichteten Bayern große Teile des Dorfes. Den Rest besorgten die Schweden.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg gibt es die ersten Überlieferungen zu Einwohnern des Kirchspiels. Aus dem Mannschaftsbuch der Herrschaft Rothenhaus von 1649 und der Bergmann'schen Exulantensammlung ist es möglich, die Familien, die zu dieser Zeit dort ansässig waren zu rekonstruieren.Außerdem gibt uns das Kallicher Gerichtsbuch von 1651 und das Kallicher Grundbuch Auskunft. So gab es kurz vor Ende des Krieges im Jahr 1654 im Ort nur noch 16 Häusler.

Politische Zugehörigkeit:

Kallich gehörte zum Königreich Böhmen uns damit seit 1526 bis 1918 zur Österreichisch Ungarischen Monarchie. Kallich gehörte bis 1867 zum damaligen Verwaltungsbezirk Leitmeritzer Kreis (Litoměřický kraj) und unterstand bis 1850 der Patrimonialgerichtsbakeit der Herrschaft Rothenhaus, ab 1850 dem Gerichtsbezirk Görkau. Im Zuge der Trennung der politischen von der judikativen Verwaltung wurden 1868 die modernen, politischen Bezirke der Habsburgermonarchie geschaffen. Kallich unterstand ab diesem Zeitpunkt dem Bezirk Komotau, der 1868 aus den Gerichtsbezirken Komotau (tschechisch: soudní okres Chomůtov), Görkau (Jirkov) und Sebastiansberg (Bastianperk) gebildet bestand.
Nach dem Ersten Weltkrieg und der Auflösug der Österreichisch Ungarischen Monarchie wurde Kallich ab 1918 Teil der Tschechoslowakei. Politischer Bezirk war nach wie vor Komotau (jetzet Chomutov).
In der Zeit vom 1. bis 10. Oktober 1938 besetzten deutsche Truppen die Tschechoslowakeit. Der politische Bezirk Chomutov trug fortan die frühere deutsch-österreichische Bezeichnung Komotau. Seit dem 20. November 1938 führte der politische Bezirk Komotau die Bezeichnung „Landkreis“. Nach dem Münchner Abkommen, war von 1938-1945 die offizielle Bezeichnung für die deutsch-ethnischen Siedlungsgebiete im Norden Reichsgau Sudetenland und sie gehörten zum Deutschen Reich. Zum 1. Mai 1939 wurde eine Neugliederung der teilweise zerschnittenen Kreise im Sudetenland verfügt. Danach blieb der Landkreis Komotau in seinen bisherigen Grenzen erhalten. Es ergab sich für Kallich jedoch folgende Änderung, durch Umgliederung von Gemeinden, der Ortsteil Gabrielahütten der Gemeinde verschob sich aus dem Landkreis Komotau in den Landkreis Brüx.
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde das Gebiet wieder in die neu auferstandene Tschechoslowakei eingegliedert und die Deutsch-Ethnische Volksgruppe 1945-1946 auch aus Kallich entschädigungslos enteignet und vertrieben.

Folgende Familien haben wohl den Dreißigjährigen Krieg in Kallich oder im Exil in und um Rübenau und anderen umliegenden Orten überdauert.

1. Reichl - Beginnend mit Johann Reichl, geb. um 1595 und seinem Sohn Niclas Reichl, geb. um 1620, der 1639 im benachbarten Rübenau Maria Baldauf heiratete und sich mit seiner Familie im Kirchspiel nieder ließ. Die Reichl lebten hauptsächlich in Kallich und Natschung und bilden die gößte Familie im Kirchspiel.

2. Seifert - Beginnend mit Elias Seifert, geb. um 1595, der 1640 im benachbarten Rübenau Anna Blum in 2. Ehe heiratete sich mit seiner Familie und den Kindern aus erster Ehe im Kirchspiel nieder ließ. Seiferts findet ma hauptsächlich in Kienhaid, Kallich und Natschung. Zweige führen auch nach Brandau.

3. Bretfeld - Beginnend mit Michael Bretfeld, geb. um 1560 und seinem Sohn Michael, geb. um 1590, der 1648 in 2. Ehe im benachbarten Rübenau Maria Uhlig heiratete. Michael Bretfeld der jüngere ließ sich mit seiner Familie und den Kindern aus erster Ehe nach dem Dreißigjärigen Kieg im Kichspiel nieder und begründete die Bretfeld Dynastie. Haupsächlich sind die Bretfelds in Kienhaid, Natschung und Kallich zu finden.

4. Matz - Beginnend mit Christoph Matz, geb. um 1595, der sich mit seiner Frau Anna in Kallich ansiedelte und Johann Mathes (Matz), der 1649 in Rübenau Rosina Morgenstern heiretet und sich ebenfalls in Kallich nieder läßt.

5. Rebentisch - Beginnend mit Johann (aka Hans) Rebentisch, geb. um 1595 möglicherweise in Deutschkatharinenberg, der mit seiner Frau Anna 1649 im Mannschaftsbuch erwähnt wird. Der Familienname wandelte sich im Kirchspiel Kallich im Laufe der Zeit in Remtisch. Ein Zusammenhang zur Familie der Erb- und Lehnrichter Rebentisch aus Königswalde/Erzg, die zu seinen Lebzeiten von René Gränz erforscht wurde, ist sehr wahrscheinlich, konnte aber durch den Tod des Familienforschers nicht mehr 100% nachgewiesen werden. Es gibt jedoch in der Ahnenliste des Rene Gränz Verbindungen der Rebentischs aus Königswalde nach Olbernhau und Kallich.

6. Führig

7. Blum

8. Helmert

9. Morgenstern

10. Neubert

11. Serrig

12. Baldauf

13. Langer

14. Weigelt

15. Uhlig

16. Weizendörfer

Zu Kallich gehören auch Drehhäuseln, Kalkofen, Weißbach, Gelbe Brettmühle und Ochsenstall

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