Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Auf dem Weg zur Weltgeltung

Die Schornsteine rauchen, die Wissenschaft feiert Erfolge. Trotz Bismarcks Sozialgesetzen kämpfen die Arbeiter gegen den autoritären Staat. Wilhelm II. rüstet für den Kampf um einen Platz an der Sonne. Deutschland taumelt in die Katastrophe des ersten Weltkrieges.

Der erste deutsche Nationalstaat ist bei der Reichsgründung 1871 den Nachbarn an Fläche, Bevölkerungszahl, Wirtschaftskraft und militärischer Stärke überlegen. Kaiser Wilhelm II. will Weltgeltung erlangen. Seine sprunghafte Außenpolitik und die massive Aufrüstung provozieren den Schulterschluss von Frankreich, England und später auch Russland. Gesellschaftliche Umwälzungen durch die Industrialisierung schaffen ein großes Konfliktpotential, das sich vor dem Hintergrund des verlorenen Krieges schließlich in der Revolution von 1918 entlädt.

Das Deutsche Reich ist eine konstitutionelle Monarchie. Der Kaiser ernennt den Reichskanzler und bestimmt die Staatssekretäre, welche die Reichsämter leiten. Die Regierung ist nur dem Kaiser verantwortlich. Das Parlament kann bei Gesetzen mitwirken und das Budget verabschieden. Wählen dürfen nur Männer über 25.

Europäische Großmächte

Das Deutsche Reich wurde 1871 nach drei Kriegen gegen Österreich, Dänemark und Frankreich unter preußischer Vormacht als konstitutionell-monarchischer Bundesstaat (Nationalstaat) gegründet. Der preußische König Wilhelm I. wurde als deutscher Kaiser zum Staatsoberhaupt. Reichskanzler Otto von Bismarck versuchte die Stellung des Reiches durch eine europäische Bündnispolitik zu sichern. Innenpolitisch strebte er an, das neue Reich durch eine autoritäre Staatsführung unter Wahrung des gesellschaftlichen Gleichgewichtes zu festigen. 1888 wurde Wilhelm II. Kaiser. Er förderte anfangs sozialpolitische Reformen, lehnte aber eine Demokratisierung des Kaiserreiches ab. Um die Jahrhundertwende erlaubte ein wirtschaftlicher Aufschwung Unternehmern und Bildungsbürgern den Aufstieg zu neuen Eliten, überdeckte jedoch große innenpolitische Konflikte. Versuche, die Arbeiterschaft und die Sozialdemokratie in den Staat einzugliedern, scheiterten am Widerstand agrarischer, industrieller und bürgerlicher Interessen. Nationalismus, wirtschaftlicher Expansionsdrang und sozialer Unfriede erzeugten ein Klima, in dem der Friede zunehmend als Einschränkung empfunden wurde. 1914 führten die machtpolitischen Gegensätze in Europa und der Rüstungswettlauf in den Ersten Weltkrieg. Die Erwartung eines schnellen Sieges wurde im Trommelfeuer des Stellungskrieges zunichte gemacht. 1918 kapitulierte Deutschland, Wilhelm II. musste abdanken. Der Krieg setzte in Deutschland und in anderen Teilen Europas neue republikanische Kräfte frei.


Quelle:

1. Fiedler, Teja und Goergen, Marc: "Die Geschichte der Deutschen. Teil 6 - Bismarcks kleindeutsche Großmacht": In: Stern, Heft 50 (2006), S.

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