Whoever closes his eyes to the past is blind to the present.
Richard von Weizsäcker

Südamerika spielte für die Emigranten erst ab den 1820er Jahren und in viel geringerem Maße als die USA eine Rolle. Die Zahlen für die deutsche Auswanderung nach Mittel- und Südamerika reichten nie an die für die USA heran. In das wichtigste Aufnahmeland im Süden, Brasilien, wanderten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nie mehr als 5.000-10.000 Menschen pro Jahr ein. Zu einer Massenauswanderung kam es hier erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts mit insgesamt 55.000 Emigranten. Weitere 45.000 Menschen gingen in diesem Jahrzehnt nach Argentinien. Für die anderen Länder sind die Zahlen im 19. Jahrhundert noch wesentlich niedriger.

In Brasilien war bereits 1818 ein Dekret erlassen worden, daß die deutsche Einwanderung fördern sollte, aber noch auf Katholiken beschränkt war. In den folgenden Jahrzehnten entstanden mit Nova Friburgo, Leopoldinia, São Leopoldo sowie Siedlungen in Rio Grande do Sul und St. Catharina (darunter Blumenau) eine ganze Reihe kleinbäuerlich geprägter deutscher Kolonien, die teilweise unmittelbar als Regierungskolonien, teilweise als Privatkolonien mit staatlichen Garantien gegründet worden waren. Dazu trug die ständig schwankende brasilianische Einwanderungspolitik bei: Waren 1830 per Gesetz Ausgaben für die Einwanderung abgelehnt worden, bemühte man sich 1847-55 wieder besonders intensiv um die Gewinnung neuer Arbeitskräfte. Dekrete von 1867 und 1890 stellten den Reedern sogar Prämien und den Immigranten freie Überfahrt in Aussicht, während 1895 die Übertragung der Fürsorge auf die (armen) Bundesstaaten faktisch das Ende jeder Förderung bedeutete. Eine 1897 eingesetzte "Verifikationskommission" enteignete Einwanderer aufgrund angeblich unrechtmäßig erworbener Besitztitel. Darauf folgte 1907 wieder ein liberales Einwanderungsgesetz, und auch nach dem Ersten Weltkrieg wurde im Gegensatz zu den Alliierten die Einwanderung Deutscher nicht beschränkt. Allerdings schloß man 1919 erstmals bestimmte ("unproduktive" oder gefährliche) Personen aus, forderte ab 1924 den Nachweis von Mitteln zur Selbsterhaltung und führte 1934 ein Quotensystem sowie das Verbot geschlossener fremdsprachiger Ansiedlungen ein.


Quellen:

1. Strupp, Christoph: "Von der alten in die neue Heimat - Deutsche Auswanderer auf dem Weg nach Lateinamerika": URL: http://www.matices.de/15/15sstrup.htm [Stand: 10.05.2012]

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