Whoever closes his eyes to the past is blind to the present.
Richard von Weizsäcker

Demografie
Es dauert 3 Generationen, bis die Verluste des Dreißigjährigen Krieges einigermaßen ausgeglichen sind. Erst um 1750 erreicht die Bevölkerungszahl auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands den Vorkriegszustand von etwa 16 Millionen (30 Menschen pro Quatratkilometer) und steigt bis Ende des 18. Jahrhunderts auf 23 Millionen.
Die Kindersterblichkeit ist immer noch immens. Jedes dritte Kind stirbt im ersten, jedes siebte in den folgen drei Lebenjahren. Bis zum 20. Geburtstag iat ein Jahrgang durch Hunger, Krankheiten, Kriege und Seuchen um die Hälfte dezimiert. Wer bis dahin überlebt hat, wird etwa so alt, wie die Menschen heute.

Migration
Die absolutistischen Fürsten betreiben Einwanderungspolitik, um die Wirtschaftskraft ihrer Länder zu erhöhen. Brandenburg nimmt 20.000 aus Frankreich vertriebene Hugenotten auf. Einige Fürsten siedeln gezielt Juden an.

Lebensbedingungen
Der Glanz der höfischen Kultur und die kirschlichen und profanen Bauwerke des Barok werden mit Armut erkauft. Ende des 18. Jahrunderts haben etwa zwei Drittel der Landbevölkerung nicht genug zu essen. Weder auf dem Land noch in der Stadt gibt es genug Arbeit. Selbst jene, die in den Manufakturen bis zu 17 Stunden täglich schuften, können davon ihre Familien kaum ernähren.
Die Prunksucht des Adels prägt die Architektur der Zeit. Beeindruckendde Bauten des Barock und des Rokoko entstehen. Fürsten beschäftigen Luxushandwerker und Architekten, holen Künstler, Komponisten und Musiker an ihre Höfe, die zur Bühne glänzender Machtentfaltung werden. Die Oper als neue Kunstgattung setzt sich durch. Öffentliche Konzerthäuser, Theater, Leihbibliotheken und Kunsthandlungen entstehen.
Die Untertanen waren weiterhin überwiegend Analphabeten. Ihre wichtigste Informationsquelle bestand in der Sonntagspredigt des Pfarrers der ihnen die Unterwürfigkeit gegenüber Gott, dem Landes- und dem Hausvater eintrichterte. Für den gemeinen Bürger war das ausschweifende Leben des Adels eine Selbstverständlichkeit.
An Stelle der Religion als höchster Wahrheit tritt nun langsam die Wissenschaft. Der Mensch zählt als Persönlichkeit, Bildung ermöglicht sozialen Aufstieg.

KartoffelLandwirtschaft
Nach dem Dreißigjährigen Krieg sind die Äcker verwüstet und die Viehbestände dezimiert. Weil die Zugtiere fehlen, spannen sich die Menschen oft selbst vor die Pflüge. Etwa ab 1740 werden neue Flächen urbar gemacht, neue Methoden der Düngung entdeckt. Der Anbau von Klee reichert die Böden mit Stickstoff an und liefert zugleich Viehfutter. Ende des 18. Jahrhunderts setzt sich die Kartoffel durch. Sie liefert auf der gleichen Fläche dreimal so viel Nährwert wie Getreide.

Industrie
In der Metallgewinnung wird Eisenerz mit Steinkohlekoks verhüttet. Die Gebläse von Hochöfen werden mit Dampf angetrieben.

PorzellanWissenschaft
Um 1650 erfindet Otto von Guericke die Luftpumpe und entdeckt die Elektrolumineszenz. 1672 konstruiert Gottfried Wilhelm Leibnitz eine mechanische Rechenmaschine. Johann Friedrich Böttger veröffentlicht die Formel zur Herstellung des europäischen Porzellans - in Meißen wird 1710 die erste europäische Porzellanmanufaktur gegründet. 1799 bricht Alexander von Humbold zu seiner Forschungsreise nach Südamerika auf.
Forscher entschlüsseln viele Gesetzmäßigkeiten der natur, ihre Wahrheit steht nun gleichberechtigt neben der religiösen. Ab 1766 isolieren Wissenschaftler die ersten chemischen Elemente und Verbindungen.

Bildung
Die Schulpflicht wurde 1649 in Württemberg und 1774 in den österreichischen Erblanden eingeführt. In Bayern wurde sie 1659, 1682, 1738, 1770, 1771, 1795 proclamiert und 1802 durchgesetzt, in Preußen 1717 proclamiert und 1736 für das 5. - 12. Lebensjahr für ganz Preußen festgelegt.

Militär
Ab Mitte des 17. Jahrhunderts kann sich ein Schütze mit dem Bajonett verteidigen, bis er nachgeladen hat. Die etwa 30 Zentimeter lange Stichwaffe wird auf den Gewehrlauf "aufgepflanzt". Erst im 18. Jahrhundert kommen mehrläufige Schnellfeuerwaffen mit Magazinen auf, die pro Minute neun Schuß abgeben. Zuvor schafften selbst geübte Schützen höchstens einen Schuß in zwei Minuten.


Quelle:

1. Fiedler, Teja und Goergen, Marc: "Die Geschichte der Deutschen. Teil 4 - Preußens Aufstieg und die Kulturnation Deutschland": In: Stern, Heft 48 (2006), S.

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