Whoever closes his eyes to the past is blind to the present.
Richard von Weizsäcker

Der Dreißigjährige Krieg, der von 1618 bis 1648 in Deutschland wütete, erfasste Süddeutschland in vollem Ausmaß zwar erst nach dem Sieg der kaiserlichen Heere in der Schlacht bei Nördlingen am 06.09.1634. Gerade hier führte er die Bevölkerung und die Wirtschaft in die Katastrophe, Das gilt auch für Walddorf. Vom 08. bis 10. September, so berichtet Pfarrer M. Philbert Brunn, hatten Walddorf und die Nachbardörfer besonders viel zu leiden. Etliche Personen seien damals "übel von Soldaten tractiert" worden und einige seien auch an den Folgen der Misshandlungen gestorben.
In der folgenden Zeit ist immer wieder von Einquartierungen die Rede. So trafen z.B. am Abend des 04.02.1635 "uff 40 mehrteils kranke und schadhaffte Soldaten" in Walddorf ein. Sie nahmen dort Nachtquartier und zigen am anderen Morgen weiter. Einer jedoch hatte die Nacht nicht überlebt und wurde auf dem Walddorfer Friedhof begraben.

Es war abernicht nur die Brennende, raubende und mordende Soldateska, die, gleich ob in kaiserlichen oder schwedischen Diesnten stehend, den Menschen Elend und Tod brachte. Hunger und Krankheit dezimierten die Bevölkerung noch mehr. Im Walddorfer Pfarrsprengel, zu dem auch noch Gniebel und Rübgarten sowie zwei Drittel von Häslach gehörten, brach im Sommer 1635 die Pest aus und forderte bis zum Jahresende 611 Menschenleben. Auch der Pfarrer, der die vielen Pesttoten beerdigt hatte, fand damal den Tod.

Sein Nachfolger M. Jacob Abel, mein Stammurgroßvater (Urgroßvater in 10. Generation), der schon am 19.11.1635 in Walddorf aufzog, überlebte samt seiner Familie den Krieg und war bis 1659 im Amt. Insgesamt sollen fast zwei Drittel der Einwohner während des Krieges umgekommen sein. 1598 hatte man in Walddorf 133 Bürger oder steuerzahlende Haushalte gezählt. was auf eine Bevölkerung von rund 1550 bis 650 Personen schließen lässt, wenn man eine Haushaltsgröße von vier bis fünf Personen für jeden Haushalt annimmt. 1652 wird berichtet, dem Dorf fehlten gegenüber der Vorkriegszeit 112 Männer und außerdem seien 63 Häuser und Scheunen zerstört. Zwei Jahre später, sechs Jahre nach dem Westfälischen Frieden, bewohnten 418 Personen das Dorf: 236 Erwachsene, 110 Jugendliche und 72 Kinder. Der Anteil der Erwachsenen machte also nur etwas mehr als die Hälfte aus.

Quelle: Festschrift zu 800 Jahrfeier der Gemeinde Walddorf

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