Whoever closes his eyes to the past is blind to the present.
Richard von Weizsäcker

Der erste württembergische König Friedrich I. "von Napoleons Gnaden" muss 1812 dem Franzosenkaiser 15000 Soldaten zusammenführen. Sie begleiten die "Grande Armee" nach Russland. Dort fallen 40 Soldaten aus dem Walddorfer Pfarrsprengel.

Christian Friedrich Wittich ist 1814-1818 Walddorfer Pfarrer. Wittich hat sich in besonderem Maße um das Württembergische Volksschulwesen verdient gemacht.

Am 21. August 1814 ereignete sich Folgendes: Catharina Heim, die hübsche 19-jährige Tochter des Ochsenwirts, saß gerade in der Stube des Bauern H. J. Schäfern, als Carl Schweller mit einem Gewehr in der Hand hereinstürmte. Er scheuchte alle Leute aus dem Zimmer, nur Catharina blieb zurück. Dann richtete er seine Flinte auf die junge Frau und erschoss sie. Nach der grausamen Tat schoss er sich selbst eine Kugel durch den Kopf. Heute erinnert mitten im Schönbuch, unterhalb der Fuchsklinge im Schaichtal, der einsam und verlassen stehende der Schwellerstein an die fast vergessene Verzweiflungstat des unglücklichen Selbstmörders. Der Stein ist an einem ungewöhnlichen Ort, genauso ungewöhnlich wie der Tod von Carl Schweller. Er war Unterförster im Walddorfer Schönbuch und wurde zum Mörder - aus Eifersucht oder aus Zurückweisung durch seine Geliebte?
Was war das Motiv? Catharina Heim hatte Monate vorher ein Kind von Schweller bekommen. Die kleine Marie Catharina wurde allerdings nur neun Tage alt. Danach geriet die Beziehung in eine Krise.
Eine andere Geschichte, die man sich erzählt ist die, dass Carl Schweller Catharina einen Heiratsantrag gemacht habe. Mit Rücksicht auf ihre Eltern habe sie diesen jedoch abgelehnt, weil Carl nicht standesgemäß gewesen sei. Daraufhin habe er sie erschossen.

Königlicher Amtmann in der Zeit von 1815 - 1824 ist Carl Christian Friedrich Elwert.

1815 muss die alte Wehrmauer um den Kirchhof wegen einer kleinen Beschädigung auf oberamtlichen Befehl abgebrochen werden.

Am 5. Juni 1817 wandern rund 20 Familien in Richtung Kaukasus aus.

1820 - ein Salzverschließer gibt am Dienstag und am Samstag Salz frei. Die Dienst- und Ämterbesetzung nennt zu dieser Zeit auch einen Bettelvogt, Brodbesorger, Bronnenmeister, Maulwurffänger, Feldschützen, Nachtwächter, Kühhirt, Ochsenhirt, Flekenschäfer, Gänsehirt, Flekenschütz, Wildpettschützen, Fleischschäzer und Viehschauer.

Am 27. Juni 1821 verweigern Gemeiderat und Bürgerausschuß dem königlichen Forstamt Bebenhausen den Gehorsam und wollen zur Ablösung der Schönbuchgerechtigkeiten Walddorfs keine "billige Übereinkunft" treffen. Dieser Streit dauert an bis 1831.

1826 wird Walddorf Sitz eines Notars. Erster königlicher Amtsnotar im Ort ist Christian Friedrich Schnell.

Für die ungeheure Summe von 40.000 Gulden erwarben die Dörfer Walddorf, Pliezhausen, Altenriet, Schlaitdorf und Dörnach schließlich im Januar 1832 die Neckarmühle in Neckartenzlingen und verkauften diese, ohne die Bannrechte, umgehend wieder an einen Privatmann. Der Mühlbann für Walddorf und die Nachbarorte war damit aufgehoben, der Bevölkerung stand nun frei, in welche Mühle sie ihr Mahlgut brachte. Die Walddorfer Landwirte fuhren ihr Getreide nun vorzugsweise zum Müller nach Mittelstadt.

In der Neujahrsnacht 1833/1834 bricht ein Sturm den Hauptbalken des Kirchturmdaches.

Gustav Werner wirkt 1834-1840 als Vikar in Walddorf. 1837 gründet er einen Kindergarten und eine Industrieschule.

1839 errichtet die Gemeinde auf dem Kirchhof ein Gemeindebackhaus

1842-1862 wandern Rund 120 Walddorfer/innen nach Nordamerika aus.

Nachdem 1844 das alte, 1559 errichtete, Rathaus abgebrochen ist, wird 1845 an "althergebrachter" Stelle, bei der Denkendorfer Zehntscheuer, ein neues Rathaus erbaut.

Walddorf beteiligt sich nach genauer Erwägung der Vorteile 1859/60 an der neu projektierten Straße über Gniebel an Rübgarten vorbei ins Neckartal.

Als der Kreis Tübingen im Jahr 1861 endlich an das württembergische Eisenbahnnetz angeschlossen werden sollte, unternahm man auch in Walddorf den Versuch, an der neuen Mobilität teilhaben zu dürfen. Durch die Einrichtung einer Postkutschenverbindung erhoffte man sich der Isolierung, die die schlechte Verkehrsanbindung unserer Gegend mit sich brachte, entfliehen zu können. Daher versammelte sich im Oktober 1861 die Gemeinderäte von Walddorf, Gniebel, Rübgarten, Pliezhausen, Dörnach, Häslach, Schlaitdorf und Altenriet (damalige Gesamtbevölkerung dieser acht Gemeinden 5.938 Einwohner) in Schlaitorf um einen Brief an die "Königlich Württembergische Post-Direction" zu verfassen, mit der "unterthänigsten" Bitte, im Einzugsgebiet eine "Postanstalt" zu errichten, beziehungsweise eine Postverbindung über Walddorf und Pliezhausen zur Bahnstation Kirchentellinsfurt zu schaffen.

Bei Straßenbauarbeiten werden Im Jahre 1866 an der Westseite der Kirche drei merowingerzeitliche Totenbäume gefunden. Die Vermutung, daß Walddorf als Siedlung bereits im 7./8. Jahrhundert entstanden ist, gewinnt damit an Wahrscheinlichkeit.

1870 wird an Stelle der alten Schulscheuer ein neues Schulhaus erbaut.

1870/71 aus dem Krieg gegen Frankriech kehrt ein Walddorfer nicht zurück.

1877 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr.

1886 schaffen die vier Dörfer Dörnach, Gniebel, Häslach und Walddorf eine Stelle für einen praktischen Arzt. Es wird vertraglich festgelegt, dass der Arzt seinen Wohnsitz in Walddorf haben muss.

Am 2. Juni 1889 erhielt Walddorf die Nachricht, dass "Seine Königliche Majestät" die Errichtung einer Postagentur "in dem Pfarrdorfe Walddorf verfügt habe". Damit war der Ort nach 28 jährigem Bemühen endlich zu seiner Postagentur gekommen. Die Postverbindung wurde zwar nicht, wie ursprünglich gewünscht, von Neckartailfingen über Walddorf nach Kirchentellinsfurt eingerichtet, dafür aber von Walddorf nach Kirchentellinsfurt (Bahnhof). Ab dem 1. August 1889 kursierte auf dieser Strecke zweimal täglich eine Postkutsche.

Die Gemeinde lässt 1892 in der Haidlinsgasse eine Apotheke errichten, diese wird vom Neckartailfinger Apotheker zunächst als Filialapotheke betrieben. Später wird sie mit der Übernahme durch Apotheker Michel zur Vollapotheke.

Die Gründung der Molkereigenossenschaft und der Bau der Dampfmolkerei zur besseren Verwertung der Milch erfolgte 1893. Die Walddorfer Butter wird selbst im königlichen Jagdschloß Bebenhausen geschätzt.

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