Whoever closes his eyes to the past is blind to the present.
Richard von Weizsäcker

Die Niederlage im Ersten Weltkrieg bietet die Chance zu einem Neubeginn. Der Kaiser hat abgedankt. Deutschland wird eine parlamentarische Demokratie. Doch die Weimarer Republik geht nach kurzer Blüte zugrunde. Adolf Hitler wird Reichskanzler. Die zwölf dunkelsten Jahre Deutscher Geschichte beginnen.

In Russland entwickelt sich der Stalinismus, in Italien und Spanien der Faschismus, in Deutschland der Nationalsozialismus. Die totalitären Ideologien sind eine Reaktion auf die Verunsicherung durch Industrialisierung und den rapiden gesellschaftlichen Wandel. Der Erste Weltkrieg wirkt als Katalysator, scheint Gewalt als Mittel politischen Handelns zu Legimitieren und reißt zivilisatorische Schranken nieder. Auch die kurze demokratische Phase der Weimarer Republik ist in Deutschland von einer wachsenden Radikalisierung linker, vor allem aber rechter Kräfte geprägt. Diesen liefert sie sich am Ende aus.

Die Weimarer Republik ist die parlamentarische Demokratie in Deutschland. Wählen dürfen alle über 20 Jahre - erstmals auch Frauen. Ende 1932 wird die NSDAP mit 33 Prozent stärkste Partei. Reichspräsident Paul Hindenburg beruft Adolf Hitler zum Reichskanzler. Eine "Ermächtigungsgesetz" erlaubt es ihm, Gesetze ohne das Parlament zu verabschieden. Alle Parteien außer der NSDAP werden verboten oder lösen sich auf. Nach dem Tod Hindenburgs vereinigt Hitler 1934 die Ämter des Kanzlers und des Präsidenten auf seine Person, nett sich "Führer" und regiert als Diktator.

Hitlerreich

Aus den revolutionären Erschütterungen nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 ging das Deutsche Reich als parlamentarische Demokratie hervor. Die Besetzung des Ruhrgebietes, die Inflation und schwere wirtschaftliche Krisen bedrohten den Zusammenhalt der jungen Weimarer Republik. In der zerrissenen Parteienlandschaft bestanden gegensätzliche Vorstellungen von der politischen Gestaltung Deutschlands. Linke wie rechte Extremisten bekämpften die demokratische Ordnung. Während einer kurzen Phase relativer Stabilität erholte sich die Wirtschaft, und avantgardistische Formen in Kunst und Kultur erlebten eine Blütezeit. Den häufig wechselnden Reichsregierungen gelang es nicht, wirksame Mittel gegen soziale Not und Arbeitslosigkeit zu finden. In der Weltwirtschaftskrise verschärfte sich die Lage. Die politische Radikalisierung der Bevölkerung ermöglichte den Aufstieg der NSDAP zur Massenpartei mit der stärksten Fraktion im Reichstag.

Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler 1933 errichteten die Nationalsozialisten in kurzer Zeit eine Diktatur, die Deutschland durch eine radikale Umgestaltung von Staat und Gesellschaft auf einen Krieg vorbereitete. Politische Gegner verfolgte der NS-Staat mit brutaler Gewalt. Juden sowie all jene, die den rassischen Idealen der NS-Ideologie nicht entsprachen, wurden aus der "Volksgemeinschaft" ausgegrenzt. Mit dem deutschen Überfall auf Polen 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Bis 1941 besetzte die Wehrmacht Dänemark, Norwegen, die Beneluxstaaten, Frankreich, Griechenland, Jugoslawien und Teile Nordafrikas. Beim Angriff auf die Sowjetunion 1941 folgten Einsatzgruppen aus SS und Polizei der vorrückenden Wehrmacht und ermordeten Hunderttausende Juden, Sinti und Roma sowie sowjetische Funktionäre. Ab 1942 setzte der NS-Staat alle Mittel ein, um den systematischen Völkermord an den europäischen Juden in Vernichtungslagern zu organisieren und millionenfach umzusetzen. Eine von der Sowjetunion, Großbritannien und den USA geführte Kriegskoalition stellte sich den deutschen Angriffskriegen entgegen. Nach der Landung in der Normandie 1944 schlugen die alliierten Truppen die deutsche Wehrmacht an allen Fronten zurück und drangen nach Deutschland vor. Die Rote Armee startete im April 1945 den Angriff auf Berlin. Mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 waren die NS-Herrschaft und der Zweite Weltkrieg in Europa beendet, der über 50 Millionen Menschenleben gefordert hatte.


Quelle:

1. Fiedler, Teja und Goergen, Marc: "Die Geschichte der Deutschen. Teil 7 - Von der gedemütigten Nation zum "Dritten Reich" ": In: Stern, Heft 51 (2006), S.

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