Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

ist ein Ortsteil der Gemeinde Kalek in Tschechien. Er liegt 19 km von Chomutov direkt an der Grenze zu Sachsen. Gegenüber liegt Rübenau. Beide Dörfer bildeten ab 1887 eine Gemeinde. Natschung war mit einem Kranz von Wäldern umgeben und von der Umwelt weit abgeschnitten, bis zur Bahnlinie Reizenhain waren es 4,5 km. Die Gemeinde bestand aus einem Areal von 1401 ha, davon 165 ha Äcker, Felder und Wiesen und 1236 ha Wald.Dessen Besitzer waren die Fürsten Hohenlohe Langenburg der Domäne Rothenhaus. Natschung bestand aus den Ortsteilen Klein- Natschung, Hüttenhäuser, Am Berg und Im Grund. Bäche gab es den Natschungbach, der gleichzeitig Grenze zu Sachsen war, den Mühlbach, Keil- Teich und Rother Teich, welcher zum Forstbereich Kienhaid gehörte. Zu Natschung gehört noch das entvölkerte Gabrielahütten (Gabrielina Hu?) und Kienhaid. Bei dem Ort entspringt der Natzschung-Fluss (Na?etínský potok), im Oberlauf auch Keilbach genannt, der in seinem weiteren Verlauf die natürliche Staatsgrenze bildet.

Natschung liegt am Kamm des Erzgebirges. Die Witterung war rauh. Im Winter starker Frost und im Sommer kalt. Einkommen fanden die Einwohner als Gewerbetreibende, Waldarbeiter, Köhler, Holindustrie, Blechwarenerzeugung und Posamenten. Landwirtschaft gab es wenig. Anfang des 19. Jahrhunderts war die Blüte der Nagelproduktion, die in Heimarbeit gefertigt wurden. Die ärztliche Versorgung erfolgte von Platten. Natschung besaß ein Zollamt bis 1836, das später nach Kallich verlegt wurde. Später bestand nur noch eine Finanzwache.

Erwähnt wurde der Ort Wnaczke nad Kalkem erstmals 1555. Berichtet wird von einem Bach, der mehrere Mühlen im Ort antrieb. Deutsch hieß der Ort zu Beginn Netzung (wohl abgeleitet vom benetzt, Feuchtgebiet). Der Ort gehörte in den Herrschaftsbereich von Komotau (Chomutov). 1605 wurde er Rothenhaus zugeschlagen. Im Ort wurde unter rauen Bedingungen Landwirtschaft betrieben, aber auch der Abbau von Gold, Silber und Zinn. Während des Dreißigjährigen Krieges musste die Bevölkerung öfters in die Wälder flüchten und wurde ausgeraubt. 1685 erbaute man ein Eisenwerk mit Hochofen, das aber 1744 nach Kallich verlegt wurde.

Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts begann man mit der Herstellung von Schindeln, Holzspielwaren, Küchengerätschaften, Zigarrenspitzen und Baumaterial aus Holz. Ende des nächsten Jahrhunderts kam die Herstellung von Nägeln hinzu. 1813 zogen zweimal preußische und österreichische Armeen im Kampf gegen Napoleon durch das Dorf und verwüsteten es. 1846 standen in Natzschung 53 Häuser mit 543 Einwohnern. 1850 wurde der Ort eigenständiges Dorf. Bis 1851 gingen die Kinder nach Kallich in die Schule, 1861 wurde eine Schule gebaut. Am 19. Juli 1891 kam es zu einer Überschwemmung, die alles mit sich riss, was sich ihr in den Weg stellte. Natschung bestand im Jahre 1898 aus 73 Häusern mit 661 Einwohnern. Seit 1898 bestand eine Post, ab 1907 ein Telgrafenanschluß. Außerdem wurde in diesem Jahr eine Kapelle gebaut und der "Gottesmutter" geweiht. 1921 Gründung einer Bücherei. 1923 Einweihung des Kriegerdenkmals. 1927 wurde im Ort, in dem nur 5 tschechische Familien lebten, eine tschechische Schule eröffnet, die auch von Schülern aus Heinrichsdorf (Jind?ichova Ves), Kallich (Kalek) und Kienhaid besucht wurde. 1931 Eröffnung zweier Omnibuslinien. 1940 war die Elektrifizierung fertig. 1945/46 wurden 3 Männer von tschechischen Partisanen erschossen (Reinhold Hüttisch, Anton Reichenauer, Franz Weinelt.) Natschung hatte 15 Vereine und 5 politische Parteien. Im August 1946 war der erste Abtransport der deutschen Bevölkerung, der letzte war am 8.10.1948. 5 Landsleute blieben in der Heimat zurück.

Bei der letzten Volkszählung waren es 81 Häuser mit nur 460 Einwohnern. Dies war ein Folge der Abwanderung in die Städte. Die Bevölkerung war überwiegend deutsch und katholisch. 1960 erfolgte die Eingemeindung nach Kalek. 1991 hatte der Ort 11 Einwohner. Im Jahre 2001 bestand das Dorf aus 16 Wohnhäusern, in denen 37 Menschen lebten.

Bevölkerungsentwicklung:

Jahr Einwohner Häuser
1846 543 53
1898 661 73
1939 742  
  460 81
1991 11  
2001 37 16
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