Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Anton Richter, geb. 28.07.1914 in Brüx, damals K.K. Monarchie Österreich-Ungarn, heute Tschechien, Kreis Aussig.

Mit 25 Jahren wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Das war noch vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges im Rahmen der allgemeinen Mobilmachung der Reservisten im Juli und August 1939. Mit dem Polenfeldzug vom 1. September bis zum 6. Oktober 1939 begann dann der 2. Weltkrieg. Der genaue Tag, an dem Anton Richter eingezogen wurde, ist nicht bekannt.

Anton Richter war bei de Fliegern und lt. Erzählungen Fahrer. Wen oder was genau er fuhr, ist nicht bekannt. Er war laut Überlieferung an vielen Orten stioniert, so z.B. in Warschau, in Frankreich, in den Niederlanden und eine Zeit lang auch in Nellingen bei Stuttgart.

Laut Auskunft der WAST lautete seine Erkennungsmarke auf Lw.Baukp.47/XII [Luftwaffen-Baukompanie 47/12] - Die Luftwaffen Bau-Kompanien wurden zu Bauarbeiten bei Anlagen der Luftwaffe eingesetzt (Feldflugplätze, Bunker etc.)

Zum 18.01.1940 wird er als Angehöriger der Luftwaffen-Baukompanie 47/XII mit Standort Kassel-Wolfsanger benannt. Die Lw. Bau-Kp 47/XII wurde mit der Mobilmachung durch den Luftgau XII aufgestellt. Es ist wahrscheinlich dass das in Kassel-Wolfsanger Flakkaserne Hasenhecke war. Die Lw. Bau-Kompanien hatte zwei Funktionen. Einmal militärische Grundausbildung und dann Arbeitseinsatz da wo viele Hände gebraucht wurden. In der Regel wurden die Soldaten zum Jahreswechsel 1939/40 zu andern Einheiten zur Spezialausbildung weiter versetzt.
Zum Standort Kassel wird zu dieser Zeit überliefert "Als die Kasseler Truppen am Nachmittag des 23. Oktober 1939 nach dem Polenfeldzug und viertägigem Marsch wieder in die Garnison einzogen, waren ca. 100.000 Menschen da, um den Truppen von Bettenhausen her einen herzlichen Empfang zu bereiten. Vor dem Rathaus nahm der stellvertretende Kommandierende General, General der Infanterie z.V. Schniewindt, den Vorbeimarsch ab. Die aktiven Einheiten verblieben nun bis zum 29. Januar 1940 wieder im Standort. Bei grimmiger Kälte verließen sie dann die Stadt, um in der Lahngegend im Raum Limburg ihr Quartier zu beziehen." 

Wenn man jetzt die Indizien nimmt kommt man unwillkürlich zu einer Verwendung bei einer Lw.-Bodeneinheit für See-Flieger in Frankreich.

Im Mai 1940 gibt es in Frankreich Gerüchte von Plünderungen, Brandschatzungen, Vergewaltigungen und Mord. Mindestens an Plünderungen in Frankreich muss Anton Richter auch beteiligt gewesen sein, denn er hat nachweislich Beutegut nach Hause geschickt. Am 10.05.1940 beginnt der Westfeldzug. Deutsche Soldaten jubeln über den Beginn des deutschen Angriffs auf Belgien, Luxemburg, Holland und Frankreich. An diesem Westfeldzug muß Anton Richter beteiligt gewesen sein, da er immer angab, auch in Holland gewesen zu sein.

Am 01.04.1941 ist Anton Richter verzeichnet als Angehöriger der Flieger-Horst-Kompanie 23/XI, diese unterstand dem Luftgau IX = Hamburg. [lt. Tessin, Georg, Verbände und Truppen der dteutschen Wehrmacht und Waffen-SS im 2. Weltkrieg 1939-45, Osnabrück, 1973 ff.] - Fliegerhorstkompanien waren für das technische Umfeld auf dem Fliegerhorst verantwortlich. Anton Richter war zu diesem Zeitpunkt Gefreiter.
Anton Richter befand sich vom 01.04.1941 - 15.04.1941 im Feldlazarett (motorisiert) 196 Mezierns [wahrscheinlich Mézières in den Ardennen in Frankreich] mit Blindarmentzündung. Er wurde dann innendienstfähig zur Truppe entlassen.

Vom 03.02.1942 - 10.02.1942 war er im Reserve Kriegslazarett Warschau mit Gehirnerschütterung - Zugang vom Luftwaffen-Orts-Lazarett Orscha. Die Gehirnerschütterung rührte wohl lt. Erzählungen von einem Unfall mit einem LKW voller Munitionskisten her. Anton Richter wurde dabei laut seinen Angaben mit dem Kopf zwischen Kisten eingeklemmt.

Die Gegend um Orscha in Weißrussland war ein wichtiger Standort der Luftwaffe. Orscha am Dnjepr ist eine wichtige Station an der Straße von Minsk nach Moskau. Diese kreuzt hier die alte Route von St. Petersburg nach Kiew. Außerdem beherrscht Orscha das „Tor von Smolensk“, die Landbrücke zwischen Dnjepr und Düna. Nach der Niederlage in der Kesselschlacht bei Białystok und Minsk, in der drei sowjetische Armeen der Westfront zerschlagen worden waren, baute die Rote Armee Anfang Juli 1941 in der Gegend um Smolensk mit insgesamt 42 Divisionen eine neue Verteidigungslinie auf. Vier bisher in Reserve befindliche Armeen, die 19. bis 22., sollten einen Übergang der Heeresgruppe Mitte über die Flüsse Dnepr und Westliche Dwina sowie die „Landbrücke“ zwischen Witebsk, Orscha und Smolensk verhindern.

Später, Sommer 1942 oder Sommer 1943 hat er sich im Fliegerhorst Nellingen aufgehalten. - 1937 wurde west-nordwestlich von Nellingen mit dem Bau eines Fliegerhorstes begonnen, der zum 1. Oktober 1938 in Betrieb genommen werden konnte. Auf dem Platz lagen nach Kriegsbeginn vor allem Schul- und Ersatzeinheiten, erst 1944 wurde der Platz von Fronteinheiten belegt.

Zum Ende des Krieges desertierte er von der Truppe und fuhr zusammen mit anderen versprengten Wehrmachtssoldaten mit einem LKW Richtung Heimat. Der LKW kam unter Beschuß und wurde getroffen. Mit viel Glück überlebte Anton Richter, der im Führerhaus gesessen hatte. Die Überlebenden flüchteten in einen Bombenkrater und aus lauter Verzweiflung wollte sich Anton Richter umbringen. Ein russicher Soldat hinderte ihn daran und er kam in russische Gefangenschaft und wurde in das Lager Elsterhorst bei Hoyerswerda verbracht, wo er wohl bis zur Auflösung des Lagers verblieb.

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Clair Sch.
Autor: Clair Sch.Website: http://www.ancestry24.deE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Webmaster, Genealoge und Blogger
Ahnenforscherin seit 2003, blogge ich seit 2012 über meine Familie, meine Forschung und die Genealogie. Ich betreibe mehrere Webprojekte, die im Zusammenhang mit Familienforschung und Geschichte stehen.

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