Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Lage


Brötzingen lieg im Schwemmland der Enz westlich von Pforzheim. Die Höhenlage der Markung Brötzingen reicht von 260 m bis 380 m über N.N.

Geschichte


Die erste urkundliche Erwähnung fand Brötzingen etwa um 1100, als es unter dem Namen Brotzingen als Schenkung an das Kloster Hirsau kam.

Als Dorfgründer ist ein germanischer Sippenältester mit dem Namen Brozzo bekannt. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass der Name Brötzingen bei den Angehörigen des Brozzo heißt.

In dem Bauerndorf Brötzingen wurde vom 15. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert, vor allem an den Hängen des Wallbergs, viel Weinbau betrieben. Davon zeugen heute noch einige alte Weinkeller. Sehr fruchtbare Ackerböden und eine große Gemarkung machten Brötzingen zum reichen Bauerndorf.

1824 und 1851 gab es in Brötzingen nach der Schneeschmelze große Hochwasser.

1868 und zwischen 1900 und 1912 gab es in Brötzingen einige Großbrände. Dadurch entstand ein Wandel der Bebauung von Bauernhöfen zu städtischen Wohnhäusern. Die Verstädterung nahm ihren Lauf vor allem durch die vielen Beschäftigungsmöglichkeiten in der Schmuck- und Uhrenindustrie wodurch sich die Landwirtschaft immer mehr zur Feierabend Nebenerwerbstätigkeit wandelte. Nach 1900 war die Hauptstraße schon eine Ladenstraße, durch die eine Kleinbahn fuhr.

Anschluss an die weite Welt fand das Dorf Brötzingen 1868 mit der Eröffnung der Enztalbahn nach Wildbad. Die Nagoldtalbahn nach Calw folgte 1874. Während der Bauzeit wohnten damals 150 italienische Bahnbauarbeiter in Brötzingen. 1901 erhielt Brötzingen noch einen Bahnanschluss nach Ittersbach, eine dampfbetriebene Schmalspurbahn. Diese Bahn fuhr später dann bis zum Leopoldsplatz. Nachdem 1968 beim Tornado die Oberleitungen der 1931 elektrifizierten Bahn abgerissen und stark zerstört wurden, ist eine Busverbindung als Ersatz geschaffen.

Seit 1905 ist das Dorf Brötzingen, im Westen Pforzheims gelegen, eingemeindet. Pforzheim gewann dadurch etwa ein Drittel seiner ursprünglichen Gebietsfläche hinzu und wuchs um nahezu 6.000 Einwohner an.

Nach der Eingemeindung gab es eine große Stadtteilsanierung. Das Wasserleitungsnetz wurde erneuert und die Straßenbeleuchtung ausgebaut. 1911 fuhr dann die Straßenbahn von Pforzheim. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg sind viele Pforzheimer in Brötzingen untergeschlüpft.

1973 begannen die Arbeiten des großen Sanierungsplans des Stadtteils, bei dem ein großes Teilstück des Straßenzugs der Westlichen Karl-Friedrich-Straße abgerissen wurde. Heute ist das die modern gestaltete Fußgängerzone. Die Vollendung des ersten Bauabschnitts wurde 1978 groß gefeiert.

Kirchen


ehemalige Pfarrkirche St. Martin in Brötzingen

Die ältesten Bauteile sind der spätgotische Chor und die Sakristei von circa 1500. 1765-1767 wurde dann der Turm und 1770 das Langhaus anstelle des abgerissenen Vorgängerbaus erstellt. Die Kirche wurde 1938 profaniert und diente anschließend als Werkstatt.

Vom Vorgängerbau wurde vor dem Abriss eine Zeichnung angefertigt. Demnach stand dort eine romanische Basilika, die vermutlich vor 1200 entstand. Fundamente dieser Basilika wurden 1938 bei Ausgrabungen im Kircheninneren gefunden. Noch erhalten ist ein Teil der ursprünglichen Fresken, die kurz nach 1500 entstanden sein müssen. Vermutlich wurden sie schon 1550-1560 zur Reformationszeit übertüncht. 1966 wurden die Freskenreste freigelegt und restauriert.

Aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammt der noch erhaltene Taufstein. Das ebenfalls erhaltene spätgotische Altarkruzifix ist 1912 in die Christuskirche gebracht worden. Im Innenraum ist gibt es eine dreiseitig umlaufende Empore.

Seit 1974 ist die Kirche ein Bestandteil des Stadtmuseums.

Christuskirche

Die unter Denkmalschutz stehende Christuskirche gilt als Wahrzeichen von Brötzingen. Die gesamte Anlage, bestehend aus Kirche, Pfarrhaus und dem Garten, wurden 1909-1912 vom Karlsruher Architekten Heinrich Henz für die evangelische Kirchengemeinde Brötzingen gebaut.

Der Turm ist seitlich an den kreuzförmigen Zentralbau angefügt. Außen wurde bei der Christuskirche fast vollständig auf künstlerische Schmuckelemente verzichtet. Am Turmfuß ist eine Christusplastik, die neben dem Hauptportal, die einzigen Verzierungen des Baus sind.

1917 wurden die Glocken vom Turm geholt, um das Metall für die Rüstungsproduktion zu verwenden.

Am 2. Mai 1946 predigte Pastor Martin Niemöller, eine führende Persönlichkeit der "Bekennenden Kirche" und von 1937 bis 1945 im Konzentrationslager, in der völlig überfüllten Christuskirche über die Aufgaben der Kirche in der Gegenwart.

1985-1987 wurde die Kirche innen nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten restauriert. Im Inneren finden cirka 1300 Gottesdienstbesucher Platz. Die Ausstattung stammt von, beziehungsweise folgt dem Konzept des Karlsruher Jugendstilkünstlers Hans Schrödter. Die Ausmalung von Hans Schrödter wurde bei einer Renovierung 1951 übermalt, ist aber heute wieder hergestellt. Aus der ehemaligen Pfarrkirche St. Martin stammt noch das geschnitzte spätgotische Altarkrutzifix. Die Orgel der Kirche wurde 1986-1987 erneuert.

Das vierstimmige Glockengeläut stammt von 1952.

unsere Namen


Augenstein, Bechthold, Bürck, Eberle, Eberlin, Endholzer, Heinz, Hochmuth, Höckele, Ihlin, Jehlin, Klittich, Mohr, Mössner, Staib, Waldhauer

Kirchenbücher


Verfilmung Landeskirchliches Archiv Karlsruhe:

Pforzheim-Brötzingen / 75 (1707 - 1849)

  • Mischbuch: Series pastorum 1588 - 1961, Taufen 1706 - 1759, Trauungen 1708 - 1759, Beerdigungen 1707 - 1759
  • Mischbuch: Taufen 1760 - 1794, Trauungen 1760 - 1794, Beerdigungen 1760 - 1794
  • Mischbuch: Taufen 1795 - 1823, Trauungen 1795 - 1823, Beerdigungen 1795 - 1823
  • Mischbuch: Taufen 1824 - März 1834 mit Jahresregister (ab 1832), Trauungen 1824 - Sept. 1837 mit Jahresregister (ab 1832), Beerdigungen 1824 - 1836 mit Jahresregister (ab 1832)
  • Taufen 1834 - 1849 mit Register

Pforzheim-Brötzingen / 76 (1837 - 1896)

  • Taufen Juli 1839 - 1849 mit Register [Wdh. von F 75]
  • Trauungen Dez. 1837 - 1896 mit Register
  • Beerdigungen 1837 - 1860 mit Register
  • Taufen 1850 - 1867 [Register auf F 77]

Pforzheim-Brötzingen / 77 (1861 - 1929)

  • Register Taufen 1850 - 1867
  • Taufen 1868 - 1884 mit Register
  • Taufen 1885 - 1902 mit Register
  • Trauungen 1897 - 1929 mit Register
  • Beerdigungen 1861 - 1867 [Fortsetzung und Register auf F 78

Pforzheim-Brötzingen / 78 (1867 - 1945)

  • Beerdigungen 1867 - 1900 mit Register (1861 - 1900)
  • Beerdigungen 1901 - 1945 mit Register

Pforzheim-Brötzingen / 101 (1903 - 1909)

  • Taufen 1903 - März 1909 [Fortsetzung und Register auf F 102]

Pforzheim-Brötzingen / 102 (1909 - 1924)

  • Taufen Febr. 1909 - 1924 mit Register (1903 - 1924)

Genealogische Bibliografie:

Verkartung, ev, 1706-1870; Bearbeiter: Ruth Schneider; Auskunft: dieselbe, Lameystraße 39, 75173 Pforzheim

Hermann Huber, Konstantin Huber: Die Erbhuldigungsliste für Stadt und Amt Pforzheim aus dem Jahre 1677 - erschienen in Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde, Band 31 (2013) S. 215–242

Literatur


  • Die Geschichte des Dorfes Brötzingen von Karl Ehmann, Herausgegeben von der Stadt Pforzheim 1980
  • ein Ortsfamilienbuch Pforzheim (Brötzingen) existiert nicht [Stand: 07/2014]

 

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