Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Blog ancestry24 - Familienforschung Schweiker & Eberle

Willkommen auf unserem Familien-Blog. Hier veröffentlichen wir mehr oder weniger regelmäßig Beiträge zu unsereren Erfahrungen aus der Familien-Forschung, z.B. Ergebnisse unserer Suchen oder auch kleine Familiengeschichten und Ereignisse im Leben unserer Vorfahren. Die meisten der Blogbeiträge sind in Deutsch, nur einige Beiträge wurden und werden auch in Englisch angeboten.

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Klara Seufer wurde am 23.02.1897 in Pforzheim Brötzingen als älteste Tochter des Steinschleifers Ernst Gottfried Seufer und der Emilie Vetter geboren.
Der Vater, geboren am 02.11.1869 in Birkenfeld heiratete die Mutter Emilie, geboren am 25.10.1873 als Tochter des Cyrill Vetter und der Katharina Kühn, am 02.11.1896 in Brötzingen. Am 14.02.1898 wurde ihre Schwester Emilie Sophie in Brötzingen geboren. Es folgte 1902 eine weitere Schwester und 1905 ein Bruder.
Aufgewachsen ist Klara mit ihrer Familie und ihren Geschwistern in Brötzingen. Über ihre Kindheit ist leider bisher nichts Näheres bekannt.

Im Jahr 1918 ereilte die Familie ein schwerer Schicksalsschlag. Die Mutter Emilie brachte sich am 23.02.1918, dem 21. Geburtstag ihrer Tochter Klara, um. Sie wurde keine 45 Jahre alt und hinterließ die sicherlich geschockte Klara und 3 weitere noch weitgehend minderjährige Kinder sowie ihren Ehemann. Die zwei jüngeren Töchter waren 17 und 15 Jahre alt, der Sohn gerade mal 13. Klara versorgte sicherlich danach den Haushalt und die Geschwister.

Irgend wann in ihrem jungen Leben ist sie dann wohl dem ebenfalls aus Brötzingen stammenden Hermann Christoph Eberle, geb. am 05.04.1895 in Brötzingen als Sohn des Christof Friedrich Eberle und der Maria Antonia Günter, begegnet. Am 12.08.1920 heirateten Klara und Christoph in Brötzingen. Ein gutes Jahr später wurden ihnen am 30.10.1921 Sohn Bernhard geboren. Bernhard sollte das einzige Kind dieser Verbindung bleiben. Ursache dafür war sicherlich die auftretende psychiche Erkrankung von Klara. Am 23.10.1922 wurde sie stationär in der Psychatrischen Klinik in Heidelberg aufgenommen. Dort verblieb sie bis zum 21.01.1923, wo sie auf Wunsch ihres Ehemannes Hermann nach Hause entlassen wurde.

Hermann Christoph Eberle war von Beruf Goldschmied und Juwelier, wie viele in und um Pforzheim ansässige Bürger. In der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie wurden in den 20er Jahren extrem niedrige Löhne bezahlt, außerdem stiegen die Sätze der Lohnsteuer und die der Sozialabgaben ständig, so entschieden sich viele Familien, Menschen mit und ohne Arbeit, ihre Heimat zu verlassen und eine bessere Zukunft in Amerika zu suchen. Auch die Familie von Hermann Christoph Eberle. Im Jahre 1923 ist die Familie mit dem Schiff Canopic über Bremen in die USA ausgewandert. Am 18.11.1923 landeten sie in New York. Sie haben sich in New Jersey niedergelassen, denn die ermittelten Sozialversicherungsnummern sind dort ausgestellt. Dort kauften Sie sich ein Haus.

Im Census 1930 wird die Familie jedoch nicht registriert. Ursache dafür ist, daß sie in diesem Jahr eine Reise in die alte Heimat unternommen haben. Grund der Reise war der sich extrem verschlechternde psychische Zusand von Klara. Sie litt zunehmend unter Verfolgungswahn und hörte Stimmen. Am 28.05.1930 wurde sie von ihrem Mann erneut in die Psychatrische Klinik in Heidelberg eingewiesen.
Hermann Christoph Eberle fuhr gemeinsam mit dem 8 Jahre alten Sohn zurück nach New Jersey. Sie kamen am 12.06.1930 wieder in New York an. Nach einiger zeit ließ er sich von seiner in Deutschland verbliebenen Frau scheiden. Er heiratete um 1939 ein weiteres mal in den USA. Er bekam mit seiner zweiten Ehefrau noch eine 1939 geborene Tochter namens Rosemarie.

Der Todesschuppen in Grafeneck

Klara verbrachte den Rest ihres Lebens in der Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch, in die sie am 15.09.1930 verlegt worden war. Sie erscheint dann auf einer Transportliste der Abgabe-Anstalt Wiesloch vom 20.11.1940. In Ihrer Krankenakte von Wiesloch ist nur vermerkt - Abgang 20.11.40, wohin = ? . Der Transport ging nach Grafeneck. Damit war sie wohl eine der Letzten Euthanasieopfer in Grafeneck. Unter den über 9.000 Namen, die heute als Ermordete in Grafeneck bekannt sind, findet sich auch der Name Klara Eberle, geb. Seufer. Der 20. November oder der Tag danach ist mit großer Sicherheit auch der Tag ihrer Ermordung.

Klara war geisteskrank. Sie hat 10 Jahre in der Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch verbracht und wurde dann 1940 im Rahmen des T4-Programmes der Nazis selektiert und in Grafeneck vergast. Sie wurde nur 43 Jahre alt.

Die Krankenakte der Klara Seufer kann von freigeschalteten Mitgliedern der Ahnengemeinschaft im Bereich Familienarchiv eingesehen werden.

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Clair Sch.
Autor: Clair Sch.Website: http://www.ancestry24.deE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Webmaster, Genealoge und Blogger
Ahnenforscherin seit 2003, blogge ich seit 2012 über meine Familie, meine Forschung und die Genealogie. Ich betreibe mehrere Webprojekte, die im Zusammenhang mit Familienforschung und Geschichte stehen.

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