Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Die Französische Revolution von 1789 mit ihren Forderungen nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit droht die monarchisch - absolutistische und ständische Grundordnung in den europäischen Staaten zu erschüttern. Preußen und Österreich, vertreten durch König Friedrich Wilhelm II. (1786 - 1797) und Kaiser Leopold II. (1790 - 1792), stellen angesichts dieser gemeinsamen Bedrohung von außen ihre Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zurück und finden sich 1791 gegen das revolutionäre Frankreich und zur Verteidigung der Monarchie in Europa in der Pillnitzer Konvention zusammen.
Diese provoziert 1792 die Kriegserklärung Frankreichs an Österreich. Die ersten drei Koalitionskriege (1792 - 1797, 1799 - 1802 und 1805) unter wechselnden europäischen Koalitionen gegen das revolutionäre Frankreich führen schließlich zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

NapoleonFast ununterbrochen toben von 1792 - 1815 Kriege in Europa, die im Englischen gewöhnlich, wenn auch nicht ganz richtig, als Napoleonische Kriege bezeichnet werden. Sie stellen die längste Kriegsperiode dar, die Europa seit dem frühen 18. Jahrhundert erlebt. Die europäischen Mächte kämpfen gegen die Verbreitung revolutionärer Ideen und die Expansion der französischen Republik, die seit 1799 von Napoleon Bonaparte geführt wird.

Diese Kriege verändern das politische Gleichgewicht zugunsten einer französischen Hegemonie auf dem europäischen Kontinent. Sie wecken zugleich den nationalen Widerstand der europäischen Völker und deren Bereitschaft zu Reformen, die den Grundstein zu modernen Staatswesen legen.

Der Revolutionierung der deutschen Landkarte folgte die Revolutionierung der inneren Ordnung jener Staaten im Sinne der Ideen von 1789. Verfassungen wurden erlassen, die Staatsverwaltungen nach französischem Vorbild modernisiert, der Code Napoléon, das neue französische Zivilgesetzbuch, wurde übernommen, der die Feudalverfassung nicht mehr kannte und den bürgerlichen Staat der nachrevolutionären Ära in rechtliche Normen fasste. Bürgerliche Rechte, Abschaffung der Adelsprivilegien, Befreiung der Bauern - dieser Teil Deutschlands hatte seine Unabhängigkeit verloren, aber im Innern war er freier und fortschrittlicher als das übrige Deutschland. Nach der Niederlage Preußens bei Jena und Auerstedt 1806 war auch hier die Zeit für das Neue gekommen; Namen wie die des Freiherrn vom und zum Stein und des Fürsten Hardenberg stehen für eine Epoche durchgreifender Reformen und kühner Hoffnungen.

Aber die Herrschaft Napoleons in Deutschland bedeutete auch Ausbeutung im Dienst des Französischen Kaiserreichs. Napoleons Große Armee, die 1812 in Russland einmarschierte, bestand überwiegend aus Soldaten der unterworfenen Nationen. Die Niederlage Napoleons in Russland war das Signal zu den "Befreiungskriegen" (1813-1815), in denen sich die Deutschen über die Staatsgrenzen hinweg als Nation empfanden.

Die Koalitionskriege, die durch kurze Friedenszeiten unterbrochen waren, kennzeichnen nahezu 23 Jahre lang die kriegerischen Auseinandersetzungen von 1792-1815 zwischen Frankreich und den verschiedensten Monarchien Europas. Die auf die Befreiungskriege folgende Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress, ließ die durch die Befreiungskriege genährte Hoffnung der Deutschen auf nationale Einheit unerfüllt.


Quellen:

1. Wolf, Martin: (1999), "Das Napoleonische System - Kennzeichen der französischen Hegemonie in Europa", München, GRIN Verlag GmbH, http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/8503.html

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