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Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Blog ancestry24 - Familienforschung Schweiker & Eberle

Willkommen auf unserem Familien-Blog. Hier veröffentlichen wir mehr oder weniger regelmäßig Beiträge zu unsereren Erfahrungen aus der Familien-Forschung, z.B. Ergebnisse unserer Suchen oder auch kleine Familiengeschichten und Ereignisse im Leben unserer Vorfahren. Die meisten der Blogbeiträge sind in Deutsch, nur einige Beiträge wurden und werden auch in Englisch angeboten.

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Heute berichte ich Euch, warum unser Markgraf Karl Friedrich eher unfreiwillig eine Menge Geld in die Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie gesteckt hat. Außerdem stelle ich Euch das Schlitzohr Autran vor.

Der Franzose Autran hielt sich schon seit mehreren Jahren in der Schweiz als Uhrenfabrikant und Händler auf. Er war der Typ Vertreter, der Dir eine Melkmaschine aufschwätzen kann, obwohl Du gar keine Kühe hast. Er war von seinen Ideen begeistert und steckte damit seine Gesprächspartner an. Damit hatte er bei den eher trockenen Schweizern in Genf und Bern jedoch wenig Erfolg. Doch dann fiel sein Auge auf die deutsche Stadt Lörrach! Hier stand schon lange ein Schulgebäude leer. Sofort eilte er zum badischen Obervogt und berichtete dem über seine euphorischen Pläne, eine Uhrenfabrik in Lörrach zu gründen.

Der Obervogt war begeistert und versicherte Autran, er könne für zwölf Jahre mietfrei einziehen. Weitere Forderungen wie Steuerbefreiung und Betriebskapital müsse er jedoch direkt mit der markgräflichen Regierung in Karlsruhe aushandeln. Das war Autran vorläufig egal. Mit der Zusage des Obervogtes marschierte er zum Lörracher Stadtrat und behauptete rotzfrech, er solle im Auftrag des Markgrafen in Lörrach eine Uhrenfabrik gründen und dadurch jede Menge Arbeitsplätze schaffen. Allerdings müsste Lörrach das Kapital für die Werkzeuge und Maschinen bereitstellen. Auch der Stadtrat war begeistert und stellte das Geld ohne größeren Fragen zur Verfügung. Froh gelaunt fuhr unser Autran nun nach Karlsruhe. Die markgräfliche Regierung war über seinen Plan äußerst erfreut und versprach ihm alle Vergünstigungen, rückte jedoch kein Geld heraus. Das Kapital müsse er schon selbst beschaffen, schließlich sei er der Unternehmer. Also schob er das Geldproblem erstmal beiseite und machte sich Gedanken, wo er genügend Facharbeiter herbekommen könnte. Da fiel ihm sein alter Spezi Preponnier ein. Der leitete im schweizerischen Thun eine Schmuckfabrik. Der sollte bei ihm mit einsteigen und gleich seine Facharbeiter mitbringen. Es gab da nur ein Problem. Das leidige Geld! Preponnier hatte nämlich bei der Schweizer Firma, die er leitete 20.000 Pfund Schulden! Dazu kämen noch für die neue Fabrikeinrichtung 800 Loisdor und noch 3000 bis 4000 Gulden als Vorschuss für die neuen Schweizer Arbeiter. Aber ein Unmöglich gab es für einen Mann wie Autran nicht. Das Schicksal kam ihm zur Hilfe. Er hörte nämlich von dem Problem mit dem Pforzheimer Waisenhaus. Also ließ er Lörrach sausen und beschloss seine Fabrik in Pforzheim zu gründen. Er ließ sich einen Termin bei der Markgräfin Karoline Louise geben und sülzte dieser die Ohren voll. Er schleimte den ganzen Nachmittag und appellierte an ihr soziales Gewissen. Schließlich erklärte sich die Markgräfin bereit, seinen Plan zu unterstützen und ihm das nötige Geld zur Verfügung zu stellen. Der Weg war frei. Jetzt musste er nur noch die Beamten der Regierung überzeugen. Das war einfach. Sein Hauptargument " Genf ernährt durch seine Uhrmacherei 20.000 Menschen. Das ist auch in Pforzheim mit seinen knapp 5000 Einwohnern möglich. Gewerbefördernde Maßnahmen betreibe auch der König von Preußen und die Zarin von Russland!" Da wollten die biederen Beamten natürlich nicht zurückstehen und gaben Autran grünes Licht.

Natürlich gab es Hindernisse zu überwinden. Zum Beispiel ist sein Kumpel Prepponier nie in Pforzheim aufgetaucht. Nachdem er freigekauft war, verschwand er irgendwo in Frankreich und machte sich mit dem Handgeld von siebenundzwanzig Gold-Louisdor einen lockeren Lenz. Aber das Wichtigste waren ja so wieso die Facharbeiter und außerdem kam das Geld ja aus der markgräflichen Privatschatulle. Der Markgraf hatte ihm auch jährlich 50 Louisdor zugesichert, aber erst bei Produktionsbeginn. Dazu brauchte er aber Werkzeuge. Und da fielen ihm wieder die einhundertzehn Louisdor ein, die er von den Lörrachern erhalten hatte. Juhuuu. Der Werkzeugeinkauf war gerettet. Seht Ihr! So macht man Geschäfte! Übrigens hat der Markgraf zu einem späteren Zeitpunkt Autrans Lörracher Schulden beglichen.
Eines hat Autran unwiderlegbar erreicht. Er hat schon 1771 274 Arbeitsplätze geschaffen und damit die Keimzelle für die Pforzheimer Schmuckindustrie und den rasanten Bevölkerungszuwachs gelegt.

niedergeschrieben von Eduard Meyer

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