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Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Blog ancestry24 - Familienforschung Schweiker & Eberle

Willkommen auf unserem Familien-Blog. Hier veröffentlichen wir mehr oder weniger regelmäßig Beiträge zu unsereren Erfahrungen aus der Familien-Forschung, z.B. Ergebnisse unserer Suchen oder auch kleine Familiengeschichten und Ereignisse im Leben unserer Vorfahren. Die meisten der Blogbeiträge sind in Deutsch, nur einige Beiträge wurden und werden auch in Englisch angeboten.

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Die ersten Aussiedlungen Sudetendeutscher waren noch kriegsbedingt. Die deutschen Behörden begannen, da sich die Rote Armee unaufhaltsam näherte, mit der Evakuierung der Deutschen. Zum Teil flüchteten Deutsche in den Kriegswirren aber auch unorganisiert, da man sich nach dem Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion vor Racheaktionen fürchtete.

Mit Beginn des Maiaufstandes des tschechischen Volkes am 5. Mai 1945, noch vor der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai und somit noch vor der Befreiung durch alliierte Truppen, gelang es der tschechischen Bevölkerung, in Teilen des Landes die Kontrolle zu erringen. Dort kam es dann bereits zu ersten als „spontane Vertreibungen“ bezeichneten gewaltsamen Maßnahmen der tschechischen Bevölkerung gegen noch anwesende Volksdeutsche.

Die öffentlichen Ansprachen Beneš’ am 12. und 16. Mai, in denen er die Entfernung der Deutschen als absolute Notwendigkeit erklärte, bildeten sodann den entscheidenden Impuls zur Intensivierung der „wilden Vertreibungen“, bei der es zu brutalen Exzessen und mörderischen Angriffen gegen Deutsche kam. Zwischen Kriegsende und der praktischen Umsetzung des Potsdamer Kommuniqués wurden durch diese sogenannten wilden Vertreibungen bereits an die 800.000 Deutsche – viele mussten nach Österreich – ihrer Heimat beraubt. Aufgrund des Beneš-Dekretes 108 wurde das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen der deutschen Einwohner konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt.


Freiwillig die Tschechei verließ meine Oma im November 1945, da mein Opa nach seiner Gefangenschaft nicht wieder nach Tschechien einreisen wollte. Er schickte seiner familie eine nachricht, daß sie über Deutscheinsiedel nach Sachsen kommen sollen.

Name Geburtsdatum Wohnort vor Aussiedlung
Anton Richter 28. Jul. 1914 Brüx
Klara Hildegard Richter 30. Dez. 1915 Brüx
Annelise Richter 24. Nov. 1936 Brüx

Die Familie siedelte nach Sondershausen in Thüringen über.


Die offizielle Abschiebung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei begann im Januar 1946. Während dieses Jahres wurden rund 2.256.000 Menschen ausgesiedelt, großteils nach Deutschland, zu einem kleinen Teil auch nach Österreich.

Die Transportdokumente der tschechischen Behörden wurden in geordneter Form und in sechsfacher Ausfertigung erstellt. Dem deutschen Grenzkommissar für das Flüchtlingswesen wurden 2 Kopien vom tschechischen Begleitpersonal übergeben. Kopien findet man auch in den Staatlichen Bezirksarchiven der ehemaligen Bezirksstädte der Tschechischen Republik und wahrscheinlich auch im Prager Archiv des Innenministeriums. Die Grenzabwicklung lag in den Händen der ehemaligen Bayerischen Grenzpolizei. Die Betreuung übernahm das Bayerische Rote Kreuz.
In der Regel bestand ein Transportzug aus 40 gedeckten Güterwagen mit je 30 Personen. Kleinere Personenzahlen erscheinen bei geteilten Transporten und weisen auch auf Antifa-Transporte hin. Sogenannte Antifaschisten konnten den gesamten Hausrat mitführen. Die Betreuung lag bei anti-faschistischen Komitees.
Für die amerikanische Besatzungszone bestanden die drei Grenzdurchgangslager in Furth im Wald, Wiesau und Hof. Hier erfolgte ein mehrstündiger Aufenthalt mit Registrierung, Gesundheitsuntersuchung, Entlausung und Verpflegung. In der Regel erreichten die Züge nach ein bis zwei Tagen den Zielort. Aus Hof wurden einige Transporte in die sowjetische Besatzungszone (SBZ) weitergeleitet, weshalb hier Hof auch als Herkunftsort für Transporte aus der Tschechischen Republik erscheint.Folgende Personen aus meiner Familie sind aus dem Sudentengau vertrieben worden.


Die meisten Familienmitglieder, alle aus der Familie meiner Mutter Anneliese, verließen mit den offiziellen Transporten die Tschechei.

Name Geburtsdatum Wohnort zur Aussiedlung Ansiedlung in Transport nach Transport am
Johannes Baptist Richtrer 07. Jan. 1873 Brüx SBZ Kirchhasel oder Rudelstadt
 
 
Maria Albine Richter 25. Mär. 1874 Brüx SBZ  
           
Franz Josef Wagner 02. Aug. 1898 Brüx Bayern Hammerau 14.06.1946
Anna Wagner 28. Dez. 1902 Brüx Bayern Hammerau 14.06.1946
Anni Wagner 31. Aug. 1922 Brüx Bayern Hammerau 14.06.1946
           
Karl Richter 21. Dez. 1905 Brüx Bayern Hammerau 14.06.1946
Franziska Emilie Richter 31. MÄR. 1894 Brüx Bayern Hammerau 14.06.1946
Kurt Richter   Brüx Bayern Hammerau 14.06.1946
           
Anton Brei 18. Mai. 1905 Brüx Bayern Hammerau 14.06.1946
Amalie Brei 7. Okt. 1907 Brüx Bayern Hammerau 14.06.1946
Anton Brei 5. Apr. 1930 Brüx Bayern Hammerau 14.06.1946
           
Josef Jebautzky 23. Jan. 1910 Brüx Bayern    
Marie Anna Jebautzky 25. Okt. 1909 Brüx Bayern    
Horst Jebautzky 10. Mrz. 1940 Brüx Bayern    
           
Emil Richter 22. Mar. 1911 Brüx      
Frieda Richter 11. Jun. 1911 Brüx      
Helga Richter 10. Aug. 1940 Brüx      
           
Rosa Fanny Reichl 29. Apr. 1886 Oberleutensdorf Hessen Frankenberg 14.04.1946
           
Fanny Johanna Caroline Wenzl 7. Jun. 1909 Oberleutensdorf Hessen Frankenberg 14.04.1946
           
Rosa Elsa Kempe 16. Nov. 1910 Oberleutensdorf Hessen Frankenberg 14.04.1946
Walter Kempe 12. Jan. 1933 Oberleutensdorf   Frankenberg 14.04.1946
Berta Kempe 21. Okt. 1939 Oberleutensdorf Hessen Frankenberg 14.04.1946
           
Oskar Dömel 12. Feb. 1912 Oberleutensdorf Hessen Frankenberg 14.04.1946
Charlotte Herta Dömel 3. Dez. 1914 Oberleutensdorf Hessen Frankenberg 14.04.1946
Fritz Hein Dömel 15. Jan. 1943 Oberleutensdorf Hessen Frankenberg 14.04.1946
           
Heinz Kurt Reichl 13. Jan. 1918 Oberleutensdorf      

Ausgenommen von der Abschiebung waren lediglich Personen, die unter Zugrundelegung der als „Beneš-Dekrete“ bezeichneten Präsidialdekrete unentbehrliche Facharbeiter oder nachweislich Gegner und Verfolgte des Nationalsozialismus gewesen waren, wie z. B. sozialdemokratische oder kommunistische Widerstandskämpfer. Rund 250.000 Deutsche durften mit begrenzten Bürgerrechten bleiben. 1947 und 1948 wurden aber viele von ihnen zwangsweise in das Landesinnere umgesiedelt. Die offizielle Begründung lautete: „Umsiedlung im Rahmen der Zerstreuung der Bürger deutscher Nationalität“


Zu denen, die bleiben durften gehörte meine Großtante Gertrud mit Mann und Kindern. Alfred Martin war bei der Feuerwehr und galt wohl auch als unentbehrlicher Facharbeiter. Sie verließ Tschechien erst nach 1963. Ihr Mann war 1954 verstorben und sie wollte zu ihrer Familie nach Deutschland

Name Geburtsdatum Wohnort vor Aussiedlung
Gertrud Irma Martin, geb. Reichl 9. Aug. 1913 Oberleutensdorf
Christa Martin 9. Aug. 1943 Oberleutensdorf
Elfriede Dufek, geb. Martin 18. Jun. 1945 Oberleutensdorf
Franz Dufek 28. Nov. 1940 Oberleutensdorf
Roman Dufek 27. Jun. 1963 Oberleutensdorf

Sie zogen nach Fürth in Bayern, wo die nachkommen noch heute leben.

Ebenso blieben bis ca. 1961. Sie lebten später in Würzburg.

Name Geburtsdatum Wohnort vor Aussiedluing
Alfred Richter 24. Sep. 1899 Brüx
Marie Richter ?  
1 Tochter ? ?  

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Cordula Eberle
Autor: Cordula EberleWebsite: http://www.ancestry24.deE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Webmaster, Genealoge und Blogger
Ahnenforscherin seit 2003, blogge ich seit 2012 über meine Familie, meine Forschung und die Genealogie. Ich betreibe mehrere Webprojekte, die im Zusammenhang mit Familienforschung und Geschichte stehen.

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