Whoever closes his eyes to the past is blind to the present.
Richard von Weizsäcker

Demografie
Auf deutschem Gebiet leben um 1800 vierundzwanzig Millionen Menschen. Um 1850 sind es schon knapp 34 Millionen, das sind 65 Menschen pro Quatratkilometer.
Die Säuglingssterblichkeit ist weiterhin hoch. Ende des 19. Jahrhunderts stirbt fast die Hälfte der Kinder noch vor dem fünften Geburtstag. Das senkt die durchschnittliche Lebenserwartung auf 36 Jahre.

Lebensbedingungen
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts leben 65 Prozent der Bevölkerung auf dem Land. Die Arbeiter schuften bis zu 17 Stunden in den fabriken, Kinder bis zu 12 Stunden. 70 Prozent des Lohnes gehen für Grundnahrungsmittel drauf. Die Zahl der Arbeitslosen wächst. Das Massenelend entschärft sich erst Ende der sechziger Jahre, als immer mehr Menschen auswandern. Die Lebenssphären trennen sich, die Menschen wohnen und arbeiten nun an unterschiedlichen Orten. Mietwohnungen setzen sich durch und neue machtpositionen entstehen, die der Hausherren und Hausmeister.
Die Schlösser werden schlichter, stattdessen entstehen Theater, Museen, Konzertsäle und Akademien, ab Mitte des Jahrhunderts auch Bahnhöfe, Parlamente und Parlamente in repräsentativer gewaltigkeit. Das unterdrückte Nationalgefühl eird im Bau von Denkmälern ausgelebt.
Die Kultur des Bürgertums prägt die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Man schließt sich in Vereinen zusammen, turnt oder singt. Studentenverbindungen setzen sich für politische Freiheit und Einigkeit Deutschlands ein. Aus politischen Vereinen eintstehen in den 1860er Jahren die ersten Parteien.

Landwirtschaft
Die Industrialisierung erfasst auch die Landwirtschaft. 1860 ist man in der Lage Kunstdünger in großem Stil zu produzieren. Pflüge greifen jetzt tiefer, die Sense ersetzt die Sichel, es setzen sich Dresch und Mähmaschinen durch. Der Fleischkonsum steigt, wenn auch mit billigem Schweinefleich. Die bürgerliche Küche - Schnitzel, Kottlett und Gulasch - kommt jetzt auch bei breiteren Bevölkerungsschichten auf den Tisch. Reis wird vom Luxusgut zum Massenprodukt, Honig wird vom Zucker verdrängt. Mit Liebigs Fleichextrakt und ersten Wurstfabriken beginnt die Industrialisierung der Lebensmittelproduktion.
Die Unterschichten leben von Grütze, Hülsenfrüchten Kartoffeln, Kohl, manchmal ein wenig Kochfleich. Billiger Kartoffelschnaps wird zum neuen Volksgetränk, Alkoholismus zum Problem.

Industrie und Handel
1837 sind in Preußen 423 Dampfmaschinen im Einsatz, 1852 schon 2832. Wichtiger Motor für die Entwicklung ist der Abbau von Zollschranken zwischen den deutschen Ländern, der durch den Zollverein seit 1834 ebenso betrieben wird wie eine Vereinheitlichung der Zahlungsmittel. Auch Eisenbahn, Dampfschiffe und Fernstraßen tragen zum Aufschwung bei. Deutsche Maschinen sind im Ausland gefragt. Ende der 1860er Jahre übersteigt der Export den Import. Die ersten Großunternehmen und Großbanken entstehen.

Wissenschaft
Deutsche Erfinder machen englischen den Rang streitig. 1810 - erste mechanische Druckmaschine, 1817 das hölzerne Fahrrad, 1838 der Elektromotor, 1854 die erste Gühbirne, 1861 das Telefon.

Bildung
Die Schulpflicht wird eingeführt. Das dreigliedrige Schulsystem mit Volks- Realschulen und Gymnasien bilet sich heraus. Ab 1812 gab es das standardisierte Abitur.
Es entstehen lehrstühle für deutsche Sprache und Literatur. Gelehrte befassen sich mit alten Handschriften, Mythen und historischer Grammatik. Wörterbücher und Liedersammlungen erscheinen - die Geburt der Germanistik.

Militär
Standartwaffe des Militärs ist noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts das Steinschlossgewehr, Feuerstein erzeugt die Zündfunken. Taktik in der Schlacht - Scharmützel der Vorhut, Mann gegen Mann, Schrapnellfeuer aus großkalibrigen Geschützen der Truppe auf dem Schlachtfeld und schließlich Sturmangriff der Infantrie mit aufgepflanzten Bajonetten. Im Laufe des Jahrhunderts setzt sich das Zündnadelgewehr durch.

Minderheitenpolitik
Österreich ist ein Vielvölkerstaat. Zwar gehören seine polnischen, ungarischen und italienischen Gebiete nicht zum Deutschen Bund, wohl aber Böhmen, Mähren, Krain, Triest und Tirol bis südlich von Trient. Zu Preußen gehören Schlesien und - ebenfalls außerhalb des Deutschen Bundes - Ost- und Westpreußen und Posen. In der Nationalversammlung sitzen tschechische Abgeornete, Italiener und ein Pole. Sie beschließen eine Schutzerklärung für die nichtdeutschen Minderheiten.


Quelle:

1. Fiedler, Teja und Goergen, Marc: "Die Geschichte der Deutschen. Teil 5 - Das neue Deutschland-Gefühl: schwarz-rot-gold": In: Stern, Heft 49 (2006), S.

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