Whoever closes his eyes to the past is blind to the present.
Richard von Weizsäcker

oder, wenn alle Brünnlein fließen ...

Die Zeiten, als fließend kaltes und warmes Wasser in jedem Haushalt noch keine Selbstverständlichkeit waren, liegen noch nicht sehr weit zurück. Die Trinkwasserversorgung ist und war zu jeder Zeit und für jede Siedlung von existenzieller Bedeutung. In Walddorf wurde sie über Jahrhunderte durch zahlreiche Zieh-, Pump- und Schöpfbrunnen gewährleistet. Mit der Entstehung der Hauswasseranschlüsse 1928 wurden die öffentlichen Brunnen überflüssig und manch alter Brunnentrog musste weichen, da er der Verkehrsplanung im Weg stand.

Einer der ältesten Walddorfer Brunnen war der sogenannte Fel- oder Fählbrunnen, der schon in einer Urkunde aus dem Jahr 1522 erwähnt wird. Dir genaue Lage des felbrunnens ist nicht mehr bekannt. Den Überlieferungen zufolge dürfte er einst im heutigen Talbrunnenweg angelegt gewesen sein.

Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Walddorf drei laufende, neun Pump- und 18 Ziehbrunnen. Bei den drei laufenden Brunnen handelte es sich um den Talbrunnen, den Giegel- oder Nagelbrunnen sowie den Weiher- oder Rathausbrunnen.

Den Talbrunnen gibt es auch heute noch im Talbrunnenweg. Jedoch stand der alte Talbrunnen einige Meter weiter südwestlich. Als man 1939 den Ausbau des Talbrunnenweges plante, brach man den steinernen Brunnenstock und die beiden Tröge ab, denn sie lagen genau im Verlauf der geplanten Straße. Der Brunnen wurde in einen der angrenzenden Gärten verlegt, den die Gemeinde zuvor eingetauscht hatte.

Der Giegelbrunnen, der in späteren Akten auch unter der Bezeichnung Nagelbrunnen zu finden ist, stand einst in der Brühlstraße, etwa an der Stelle, an der sich heute der Zierbrunnen bei der Bushaltestelle Ortsmitte befindet. Auch der Brunnenstock des Giegelbrunnens war aus Sandstein. Das Wasser wurde in drei Trögen gesammelt. Der Giegelbrunnen wurde 1957 entfernt.

Unmittelbar am südlichen Rathaussockel standen früher die drei, teilweise auch vier, Brunnentröge des Weiherbrunnens, wegen seines Standortes auch Rathausbrunnen genannt. Bis auf einen wurden die Brunnentröge 1964 wegen Frostschäden entfernt, den letzten Trog und den Brunnen verlegte man dann 1980 an die Ostseite des Rathauses.

Auf Grund immer wiederkehrender Wasserknappheit beschloß der Gemeinderat im Mai 1901 im Gewann Bühl zwei Quellen zu fassen und "auf dem Lederberg" ein Hochreservoir zu erstellen. Schon ein jahr später war es erforderlich, eine weitere Quele im Nonnenhäule zu fassen. Nachdem auch in den folgenden Jahren immer wieder Wassermangel herrschte, mussten stetig neuen Quellen gefasst und dem Reservoir zugeführt werden, so z.B. 1906 eine weitere im Nonnenhäule.
Früher hatte man das Wasser durch hölzerne Deucheln von den Brunnenstuben zu den Brunnen geführt, nun wurde es über eiserne Rohre vom Reservoir in den Ort geleitet, um die Versorgung der drei laufenden Brunnen auch in trockenen Zeiten zu gewährleisten.

In das Jahr 1906 fällt auch die erstmalige Errichtung der "zentralen Wasserleitung". Jetzt erhalten alle Wohngebaude Anschlussleitungen, die das Trinkwasser "frei Haus" liefern. Im November 1908 heißt es daraufhin, die Gemeinde sei vollauf mit Wasser versorgt. 1919 war es dann mit dem ausreichenden Wasser schon wieder vorbei, erneut musste eine Quelle im unteren Nonnenhäule gefasst werden. 1921 war die Trockenheit so stark, daß die Brunnen versiegten und die Wasserleitung mit Feuerwehrschläuchen angezapft werden musste um Wasser in den Trog des Rathausbrunnens zu pumpen.

Für die Reinigung und Instandhaltung der öffentlichen Brunnen wurde vom Gemeinderat ein Brunnenmeister gewählt, der von der Gemeinde für diesen Dienst eine Bezahlung erhielt. Später kam auch noch die Wartung der Wasserleitung zu dessen Aufgaben hinzu. Mit der Errichtung der Hausanschlüsse wurde diese Stelle nach und nach Überflüssig und wurde 1933 aufgehoben. Letzter Walddorfer Brunnenmeister war von 1921 bis 1933 Schlossermeister David Wezel.

Die Entwässerung übernahmen zu großen Teilen wohl seit ältester Zeit der Mühlbach und der Weiherwiesenbach. Auf einer Länge von etwa 1 km durchfloss der Mühlbach Walddorf einst offen von Westen nach Osten. Der Weiherwiesenbach hatte seinen Ursprung in den Weiherwiesen und schlängelte sich einst durch die Bachstrasse, er mündete bei der "Bachbruck" schließlich in den Mühlbach. Wiederholte schwere Hochwasser ließen die Bäche zu einem Sorgenkind der Walddorfer werden. Jahrelang war man darum bemüht, Mühl- und Weiherwiesenbach aus dem Ortsbild verschwinden zu lassen, 1950 wurden beide schließlich verdohlt. Mit den Bächen verschwanden aber auch die idyllische Steinbrücke in der Rathausgasse beim Gasthof zum Ochsen und die "Bachbruck" beim Gasthaus zur Linde.

Quelle: Festschrift zu 800 Jahrfeier der Gemeinde Walddorf

Kanalisation 1951 - 1952 (und später)

  • 1951 Der Muehlbach wird eingedolt
  • 1951 Friedhofstrasse
  • 1951 Sturzbach Muehlbach
  • 1951_52_Kanalisation_01
  • 1951_52_Kanalisation_03
  • 1951_52_Kanalisation_04
  • 1951_52_Kanalisation_05
  • 1951_52_Kanalisation_06
  • 1951_52_Kanalisation_07
  • 1951_52_Kanalisation_08
  • 1951_52_Kanalisation_09
  • 1951_52_Kanalisation_10
  • 1951_Schweizer_Rohre_Saargebiet
  • 1965 Kanalisation in der Kirchgasse
  • Neue Rohre fuer Walddorf 1951 - 1952
  • Walddorf 1951 Als die Roehren kamen I
  • Walddorf 1951 Als die Roehren kamen II
  • Walddorf 1951 Als die Roehren kamen III
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