Whoever closes his eyes to the past is blind to the present.
Richard von Weizsäcker

Wer hat die schönsten Schäfchen?

Die aus dem Mittelalter stammende herrschaftliche Schäferei "zu Waltdorf" hatte Weiderechte auf den Gemarkungen Walddorf, Häslach, Altenriet, Dörnach, Pliezhausen, Rübgarten und Schlaitdorf. Die Landesherrschaft hatte sich das Privileg der Schafhaltung im Laufe des Mittelalters durch "Triftgerechtigkeit" (Triebrechte) gesichert. Die Weiderechte wurden überwiegend von Kammerschäfern ausgeübt, die unter herrschaftlichem Schutz standen. Über das ganze Land verteilt gab es Schafhöfe, von denen aus die Herden auf die Weiden zogen.

SchafeZur Walddorfer Schäferei gehörte 1522 das "Schafhaus" und die Schafscheuer mit Hof und Garten. Jener Schafhof lag, wie es in mehreren Quellen heißt, in der "Deutschen Gasse". Früher galt diese Bezeichnung für alle Gassen im Westen von Walddorf. Wie sich schließlich herausstellte, lag der einstige Schafhof ursprünglich in der heutigen Bachstraße (Bachstraße 25), die Ende des 18. Jahrhunderts dementsprechend Schafhofgasse hieß.

Um einen "ewigen Weidzins" von 30 Gulden verlieh 1523 die Regierung Herzog Ferdinands von Österreich, die zu dieser Zeit Württemberg verwaltete, die Schäferei an die acht genannten Gemeinden. Der Weidezins wurde nach Markungsgröße aufgeteilt. Der Walddorfer Anteil betrug neun Gulden, zahlbar jährlich auf "Sanct Martin, des Hayligen Bischoffs Tag". Damit hatten die Gemeinden das Recht erworben, daß ihre Weiden frei von herrschaftlichen Schäfern blieben. Der vereinbarte Weidezins musste zwar nicht ewig, aber immerhin rund 300 Jahre bis ins 19. Jahrhundert bezahlt werden. Auch die Schafherde, die damals aus 114 "Hämmeln", 239 tragenden Schafen, 98 Kälbern, Lämmern und "Einjährigen" bestand, ging 1523 um 230 Gulden in den Besitz der Gemeinden über.
Das "Schafhaus" von 10 Gulden jährlich an zwei Walddorfer Familien verliehen. Durch die Bezahlung einer Ablösesumme (20-facher Zins) ging das Haus jedoch später in privates Eigentum über. Die eine Hälfte des Hauses erwarb 1527 Marx Ruoffen Wittib um 100 Gulden, die andere Hälfte 1534 Melchior Schneiders Wittib ebenfalls um 100 Gulden.

Etwa um das Jahr 1765 ließ die Gemeinde im Außenbereich des Dorfes, in der "Untergaß", eine neue Schafstallung errichten.

Zum Hüten der Schafe hatte die Gemeinde einen Schäfer angestellt: Den Fleckenschäfer. Am 04. Januar 1834 wurde diese Aufgabe dem Schäfer "Jung" Ludwig Müller übertragen. Von der Gemeinde erhielt er für seinen Dienst eine Bezahlung von 40 Gulden jährlich, zuzuüglich 10 Gulden für Reparaturen an den Hurten und des Karrens sowie 4 Gulden als beitrag zu den Pferch-"Stotzen". Müller gehörte einer Familie an, die seit mehreren Generationen die Walddorfer Feckenschäfer stellte. Die Familie stammte aus Mägerkingen und hatte sich um 1716 in Walddorf niedergelassen. Vor dieser Zeit trugen mehrere Walddorfer Schäfer den Familiennamen Brodbeck.

Von den Ortsbürgern, die ihre Schafe in die Obhut des "Fleckenschäfers" gaben, zog der Bürgermeister (Kämmerer) um 1819 je Stück 6 Kreuzer Weidegld ein. Besondere Rechte genoss nur der jeweilige Walddorfer Pfarrer, dem stand es nämlich zu, 25 Schafe "frey auf der Weid laufen zu lassen".

Am 22. Dezember 1834 wurde die Schafweide dann erstmals in öffentlichem "Aufstreich" verliehen. Den Zuschlag erhielt damals der "Fleckenschäfer" Ludwig Müller. Gegen eine Pacht von 153 Gulden wurden dem Weidepächter neben den Weiderechten die beiden Schäferkarren sowie die vorhandenen Hurten (tragbare "Zäune" für den Pferch) zur pfleglichen Benutzung überlassen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Schafweide dann zumeist an Mitglieder der Walddorfer Ehrbarkeit. Der ehemalige Fleckenschäfer konnte sich gegen so finanzkräftige Gegner, wie beispielsweise Ochsenwirt Heim, nicht behaupten. Müller verdiente sich sein täglich Brot dann als Schäfer im Dienst des Ochsenwirts.

Ab etwa 1910 war die Schafhaltung in Walddorf dann kaum noch von Bedeutung. Die Schafscheuer wurde 1915 abgebrochen, die Schafweide zumeist an auswärtige Schäfer verpachtet.

Quelle: Festschrift zu 800 Jahrfeier der Gemeinde Walddorf

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