Whoever closes his eyes to the past is blind to the present.
Richard von Weizsäcker

In einer Urkunde Friedrichs von Schwaben aus dem Jahr 1187 wurde erstmals ein "cenobium Bebinhusen" erwähnt. Dem damals zwar schon bestehenden, aber noch im Bau befindlichen Kloster wurde darin das Recht des Holzschlagens für Gebäude eingeräumt. Das Kloster wurde in den Jahren 1180 bis 1183 von Pfalzgraf Rudolf I. von Tübingen als Familiengrablege gegründet. (Die Kirche in Bebenhausen, welche nebst einem Teil des umliegenden Grund und Bodens dem Bistum Speier gehörte, erwarb der Stifter erst im Jahr 1188 durch Tausch.)

BebenhausenDas Kloster Bebenhausen liegt nördlich von Tübingen, am Südhang des Brombergs auf einem seit dem Mittelalter künstlich erweiterten Plateau oberhalb der Talsohle zweier dort zusammenfließender Bäche, am Rande des Schönbuchs, des großen mittelalterlichen Reichswaldes. Das Grundwort des Ortsnamens -hausen mag auf die Alemannen und damit auf das 8./9. Jahrhundert zurückgehen, das Bestimmungswort Bebo- auf einen Mann dieses Namens, der sagenhafter Überlieferung zufolge je nachdem Herzog, Mönch oder Einsiedler gewesen sein soll. Archäologische Spuren, z.B. ein Friedhof, führen aber in der Tat ins frühe Mittelalter. Auch die Existenz einer Pfarrkirche als Dorfkirche verweist auf die vorklösterliche Zeit.
Zudem wurde auf dem Südhang des Brombergs und damit in exponierter Lage ein Herrenhof der Tübinger Pfalzgrafen entdeckt, der Ausgangspunkt des Klosters Bebenhausen war.

Wenn wir Grundherrschaft als ein Wirtschaftssystem definieren, das dem Grundherrn – hier: dem Kloster – Einkünfte sicherte und dadurch Mönchen und Kloster die Existenz, so besaß die Mönchsgemeinschaft in Bebenhausen eine umfangreiche wirtschaftliche Grundlage aus Gütern und Rechten, die vom Zabergäu über den Schönbuch bis zur Schwäbischen Alb reichten. Gemäß einer „zisterziensischen Autarkie“ wurde der Landbesitz – zumindest bis ins 14. Jahrhundert hinein – in Eigenwirtschaft betrieben, d.h. die Grundherrschaft bestand aus Grangien unter der Leitung von Mönchen, die im Rahmen einer leistungsfähigen Klosterwirtschaft von Laienbrüdern unterstützt wurden.

Das Kloster Bebenhausen, wurde zunächst von Prämonstratensern und ab 1190 von Zisterziensermönchen aus Schönau bei Heidelberg bewirtschaftet. Durch zahlreiche Schenkungen und Sonderrechte (Steuerfreiheit, Holz- und Fischereirechte) wuchsen der Grundbesitz und der Reichtum des Klosters schnell an. Spätestens 1204 war das Kloster reichsunmittelbar. Ende des 13. Jahrhunderts lebten zwischen 60 und 80 Chormönchen und 130 Laienbrüder in den Klostergebäuden. Im Jahr 1301 kaufte das Kloster Stadt und Burg Tübingen. Bebenhausen war neben Maulbronn und Herrenalb das bedeutendste Kloster Württembergs. 1342 erwarb Graf Ulrich III. von Württemberg die Stadt Tübingen und nahm den Klosterbesitz in der Stadt und Umgebung unter seine "Schirmherrschaft". Um diese Zeit lebten im Kloster etwa 80 Mönche und 40 Laienbrüder. Mit der Reformation begann jedoch der Abstieg. Herzog Ulrich von Württemberg setzte 1534 lutherische Prediger in alle Pfarreien und richtete gleichzeitig in Bebenhausen eine Klosterschule ein. Ende Dezember 1534 bewohnten deshalb gerade noch 36 Mönche, von denen lediglich die Hälfte evangelisch werden wollte, das Kloster. Die Schule zur Ausbildung evangelischer Pfarrer war ab 1536 im Kloster untergebracht. 1648 verließen die letzten Mönche das Kloster, nachdem sie es zuvor erheblich beschädigt hatten.

Als Zisterzienserkloster besaß Bebenhausen gemäß der hochmittelalterlichen libertas ecclesie keinen Vogt, entbehrte also – theoretisch – des Schirms durch einen mächtigen Herrschaftsträger. Den Schutz übte für viele Zisterzienserklöster der (staufische) König aus, für Bebenhausen waren es die Tübinger Pfalzgrafen, die als Stifterfamilie den Schirm über das Kloster besaßen. Im Spätmittelalter wandelte sich Schutz in (Schutz-) Herrschaft. Auch Bebenhausen fand sich nun eingebunden in die pfalzgräfliche Landesherrschaft, die wiederum 1342 an die Grafen von Württemberg verkauft bzw. verpfändet wurde. Davon war ebenfalls die Zisterze betroffen, doch wurde Bebenhausen 1361 von Kaiser Karl IV. (1347-1378) vorübergehend ausgelöst. Auf die Dauer wichen aber Reichsbindung und relative Reichsunmittelbarkeit des Klosters der Landesherrschaft der württembergischen Grafen und Herzöge. Im Verlauf gerade der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts verstärkte sich die Landsässigkeit der Zisterze bis hin zur Landstandschaft. Bebenhausen wurde zu einem württembergischen Prälatenkloster, gehörte zu den Landständen innerhalb des Herzogtums und war seit 1498 auf den württembergischen Landtagen vertreten. Als nach einem habsburgischen Zwischenspiel (1519-1534) Herzog Ulrich I. von Württemberg (1498-1550) die Rückeroberung seines Territoriums gelungen war, führte er in seinen Prälatenklöstern die Reformation ein (1534). Auch Bebenhausen war davon betroffen, die katholische Klosterzeit neigte sich zu Ende, nachdem die Zisterze schon im Rahmen des Bauernkriegs 1525 Schaden genommen hatte.

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