Whoever closes his eyes to the past is blind to the present.
Richard von Weizsäcker

Die Pest war zu allen Zeiten gefürchtet. Die ersten Fälle von Pest traten im Altertum auf. In den Jahren 600 v. Chr. - 531 v. Chr. starben mehr als 50% der Bevölkerung des Römischen Reiches. Unter den Pestopfern war Perikles. 300 n. Chr. wütete die Pest in ägypten und Syrien.

PestDie erste große Pestwelle beginnt im Jahre 541 nach Christus. Nach der Ansicht von Zeitgenossen wurde sie aus Äthiopien eingeschleppt, griff aber schnell auf das Nildelta über und verseuchte Alexandrien. Dann wälzte sie sich über Syrien und Antiochia und erreicht schließlich 542 Konstantinopel, wo seinerzeit Justianus herrschte. Davon kommt auch die Bezeichnung „Pest des Justianus" oder „justianische Pest", die man dieser Epidemie des Frühen Mittelalters gab. Konstantinopel verlor 1000 Menschen pro Tag. Drei Jahre später, also im Jahre 545, war die Seuche soweit abgeklungen, dass Justianus sogar ihr Ende proklamierte. Leider war das nur eine Atempause, denn schon 557 brach die Pest erneut in Antiochia und dann wieder in Konstantinopel aus.

Gallien und Germanien war 545/546 vom schwarzen Tod betroffen. Von da an wütete sie bis zum 8. Jahrhundert im Abstand von 12 Jahren, grassierte zwei oder drei Jahre lang in einem bestimmten Gebiet und schwächte sich dann wieder ab, ohne dass man eine Erklärung für den eigenartigen Rhythmus finden konnte. Der Volksmund spricht nicht umsonst „vom Unglück, das selten allein kommt", denn durch die Pest wurden die Nahrungsmittel dezimiert und die Transportwege brachen zusammen, so dass Hungersnöte der Seuche stets folgten und das Leid der Menschheit noch verschlimmerten. Historischen Aufzeichnungen zufolge manifestierte sich die Seuche zum letzten Mal 750 in Palästina und 767 in Neapel.

Die zweite große Pestwelle sollte die Menschheit 1347 bis 1532 heimsuchen, und raffte jeden dritten Bürger Europas dahin, (geschätzte 25 Millionen Todesopfer)
Heute wird meist der Pesterreger Yersinia pestis dafür verantwortlich gemacht. Daneben werden andere Krankheiten wie etwa Milzbrand als Auslöser des Massensterbens diskutiert; vieles, wie z. B. die Ausbreitungsgeschwindigkeit und der Infektionsweg sprechen allerdings für ein hämorrhagisches Fieber als Auslöser. Siehe dazu auch Wikipedia - Schwarzer Tod.

Sie beginnt an einem sonnigen Herbsttag in Kaffa auf der Krim. Nach jahrelanger Belagerung durch den Feind, machten die Einwohner der Stadt eine schreckliche Entdeckung. Die Belagerer hatten tote Pestopfer über die Stadtmauern katapultiert. Sofort grassierte die Seuche in der ganzen Stadt und viele Menschen suchten die Flucht. Viele flohen übers Meer, um der Pest zu entkommen und nahmen so die Krankheit mit auf die Schiffe. Die Galeeren, die mit Kranken überhäuft waren, liefen den Hafen von Messina an. Die Einwohner erkannten das Übel zu spät, das die Hilfesuchenden im Schlepptau hatten. Binnen weniger Wochen hatte sich die Pest in ganz Sizilien ausgebreitet. Bis zum Dezember hatte sie ganz Italien und Südfrankreich befallen. In Venedig starben täglich 600 Menschen, Florenz musste die Seuche mit der Hälfte der Bevölkerung bezahlen.

Obwohl die Alpen im Norden für eine Zeit lang als natürliche Barriere dienten, hatte die Pest nach einem Jahr weite Teile Europas und Nordafrikas erreicht, und war per Schiff bis nach Großbritannien und Irland vorgedrungen. 1350 griff sie nach Skandinavien über und drang im Osten tiefer nach Russland vor. Nach 6 Jahren des Wütens erreichte sie wieder ihren Ausgangsort Kaffa auf der Krim. Deutschland wurde in den Jahren 1349 und 1350 von der Seuche erfasst. Besonders hart traf es Norddeutschland.

Für die Ursachen der Pest wurden einmal verdorbene Winde, ein anderes Mal eine schlechte Sternenkonstellation verantwortlich gemacht. Das berühmte Pariser Gutachten von 1348 erklärte das Auftreten der Sterne damit, dass am 20. März des Jahres 1345 die drei oberen Planeten im Hause des Wassermanns zusammentraten, um eine besonders feuchte und gefährliche Ausdünstung auszustrahlen, die sich in der Lunge zu einer giftigen Materie zusammenballte, die die Pest erzeugen sollte. Andere Mediziner glaubten, dass die Pest wüte, weil es „Frösche und andere Reptilien" geregnet habe.

Insgesamt scheint Europa in der Pestpandemie von 1347 bis 1351 ein gutes Drittel seiner Bevölkerung verloren zu haben. Nach 1356 brach die Seuche erneut in etlichen französischen Städten aus, und bis 1670 gab es nicht ein Jahr, in dem nicht mehrere Orte Frankreichs von der Krankheit heimgesucht worden wären. Manche Gebiete blieben ganz verschont, andere entrichteten der Pest periodisch ihren Tribut.

Im 15. Jahrhundert zeigt sich die Pest auch in Deutschland noch nicht auf dem Rückzug. Sie durchzog in immer wiederkehrenden Wellen das Land: 1449 bis 1453, in den Jahren 1463/64, zwischen 1480 und 1486, von 1494 bis 1499 und im 16. Jahrhundert setzten sich diese Bewegungen fort. Während des Sommer 1665 wurde die Stadt London von der Pest ergriffen. Auch der damals erst 5-jährige Daniel Defoe war Augenzeuge des großen Sterbens. 1772 erschien dann sein Buch „A Journal of the Plague Year (Die Pest zu London).Das ganze öffentliche Leben lag danieder und die Stadt verlor während diesem Angriff rund 70000 Menschen.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts begann man in Italien richtige Pestlazarette einzurichten, die aber erst um 1500 auch diesen Namen erhielten. Venedig war die erst Stadt, die im Jahre 1423 ein eigenes Spital speziell für Pestkranke errichtete, um die Kranken zu isolieren und sie bis zu Ihrer Genesung oder ihrem Tod zu versorgen. Leider war öfters das Zweite der Fall, denn in den Spitälern konnte sich der Erreger ungehindert ausbreiten, und so kam fast niemand lebend aus solchen Einrichtungen wieder hinaus.

Im selben Jahrhundert beginnt man auch in Deutschland die Pest als eine regelmäßig wiederkehrende Erscheinung zu betrachten und die Städte beginnen sich zur Wehr zu setzten. Die Stadt Basel erlässt gegen 1400 zum Beispiel ein Seuchengesetz, das allen von Beulenpest, Lungenschwindsucht, Epilepsie, Krätze, Antoniusfeuer, Milzbrand und Aussatz befallenen Personen verbietet, ihren Mitbürgern Nahrungsmittel anzubieten. Zuwiderhandeln wird mit Ausweisung bedroht. 1678/79 flackert die Pest erneut in Wien auf, und zwar in den Teilen der Leopoldstadt, die häufig von Hochwasser überflutet wurden. Als man am Ende des Jahres Bilanz zog, da bemerkte man, dass Wien niemals mehr Menschen verloren hatte. Auch das alte Volkslied vom lieben Augustin entstand übrigens während dieser Pest („Oh, du lieber Augustin, alles ist hin")

In England gab es nach der Pest zu London von 1667 keine Epidemie mehr, in Skandinavien mordete der schwarze Tod noch einmal 1712 in Malmö und in Mitteleuropa tauchte er zuletzt 1716 in Österreich auf. Frankreich hatte 1720 und 1786 ein letztes Mal mit der Pest zu kämpfen, und zwar beide Male in Marseille. Die Bedrohung durch die Krankheit aber hielt an. Im Orient grassierte die Seuche weiterhin und die Menschen wussten, dass sie von dort aus wieder nach Europa übergreifen konnte. Und das tat sie dann auch: 1816 schlug sie in Bai, 1819 in Mallorca und 1828 in Odessa zu.

1851 wurde dann endlich in Paris eine Internationale Gesundheitskonferenz abgehalten, bei der man sich auf ein Abkommen zur Verhütung epidemischer Fieber einigte. Mit nur wenigen Staaten begonnen, kamen zu der Konferenz bald Teilnehmer aus allen fünf Kontinenten. Das einzige Ziel der Konferenz war die gegenseitige Angleichung der Quarantänebestimmungen. Ausgedehnte internationale Handelsbedingungen sorgten gegen Ende des 19. Jahrhunderts für die Ausbreitung der Pest in der ganzen Welt. 1896 tauchte die Krankheit in Bombay auf, 1897 dann in Suez, 1899 in Südafrika, 1900 in San Francisco und 1920 gab es Tote in Paris und Marseille, obwohl es in Frankreich zu keiner Epidemie kam.

Auch heute ist die Pest nicht ausgerottet und es Besteht immer noch ein immenses Pestreservoir in den Bauen der Nagetiere Zentralasiens, und seit einigen Jahren sind auch die Muridae (mausartige Nagetiere) des amerikanischen Kontinents infiziert. Dennoch kann die Pest in unserer heutigen Zeit nicht mehr solchen Schaden anrichten wie im Mittelalter, denn ein internationales Informationsnetz, Gesundheitsbestimmungen in der Luft- und Seefahrt, Isolierungs- und Quarantänemöglichkeiten an allen wichtigen Knotenpunkten zu Wasser und zu Land und eine umfassende Entrattung der Schiffe verhindern eine erneute Pestepidemie.


Quellen:

1. Bayer, Helena: "Die großen Seuchen Pest und Pocken - Beschreibung der Erreger, Krankheitsverlauf, Geschichte der Krankheiten": Biologie- Jahresarbeit (Leistungskurs 13): URL: http://www.scheffel.og.bw.schule.de/faecher/science/biologie/seuchen/seuchen.htm [Stand: 27.03.2012]

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