Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Nach der bedingungslosen Kapitulation am 8./5. Mai 1945 verlor Deutschland anders als das Deutsche Reich nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg (1918) vollständig seine Souveränität. Entscheidende Weichenstellungen für die Zukunft Deutschlands wurden von den "Großen Drei" (US-Präsident Truman, der sowjetische Staats- und Parteichef Stalin, der britische Premier Attlee) am 2. August 1945 durch das "Potsdamer Abkommen" festgeschrieben. Kernpunkte waren vor allem die angestrebte Demokratisierung, Dezentralisierung, Entmilitarisierung und Entnazifizierung Deutschlands. Die nach 1937 annektierten Gebiete (Österreich, Sudentengebiet, Warthegau, etc.) wurden abgetrennt. Pommern, Süd-Ostpreußen und Schlesien fielen an Polen, die Sowjetunion verleibte sich Nord-Ostpreußen ein. Die deutsche Bevölkerung in diesen von der Roten Armee eroberten Gebieten war vertrieben worden oder geflohen. Das restliche Reichsgebiet wurde von den vier Haupt-Siegermächten USA, UdSSR, Großbritannien und Frankreich, zunächst unter der Oberaufsicht des "Alliierten Kontrollrats", in vier Besatzungszonen verwaltet. Das von der sowjetischen Besatzungszone ("Ostzone") umgebende Berlin wurde ebenfalls in vier Besatzungszonen (Sektoren) aufgeteilt.

1945 - 1949

Das Leben in den teils zerbombten Städten mangels Wohnraum sowie wegen Nahrungsmittelknappheit, zerstörter Infrastruktur, fehlender Stromversorgung und Brennstoffknappheit sehr schwierig. Weil viele Männer in Kriegsgefangenschaft waren, beseitigten Trümmerfrauen die Trümmer in den Städten. Stadtbewohner fuhren massenhaft bei so genannten Hamsterfahrten aufs Land, um gegen Sachgüter Lebensmittel einzutauschen. Die Reichsmark als amtliche Währung hatte wegen der weitgehenden Zwangsbewirtschaftung keinen realen Wert mehr, der Schwarzmarkt und der Handel mit Sachgütern blühte, US-amerikanische Zigaretten wurden zu einer Ersatzwährung. Wegen des Brennstoffmangels wurden zahlreiche Bäume abgeholzt und Kohlenzüge geplündert. Lebensmittel waren nur über Lebensmittelmarken erhältlich oder wurden aus eigenem Anbau gewonnen.

Das deutsche Wirtschaftsgebiet blieb als Ganzes erhalten. Allerdings mussten in Rahmen erheblicher Reparationsverpflichtungen große Teile der Industrie- und Verkehrsanlagen demontiert und abgegeben werden. Die Versorgungslage der deutschen Bevölkerung war in den ersten Besatzungsjahren unzureichend.

nach 1949

Über vierzig Jahre lang ist Deutschland zwischen 1949 und 1989/90 in zwei Staaten geteilt: die demokratische Bundesrepublik Deutschland im Westen und die kommunistische Diktatur der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Osten. Sie gehören im Ost-West-Konflikt sich feindlich gegenüberstehenden "Blöcken" an. West- und Ostdeutsche leben in politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich grundverschiedenen Systemen. Konkurrenz, Abgrenzung, Annäherung und Verbundenheit der Menschen in Ost und West zueinander kennzeichnen das Verhältnis beider Staaten.

Gründerjahre

Die Zeit zwischen 1949 und 1961 sind Gründerjahre für die Demokratie in Westdeutschland und die kommunistische Diktatur in Ostdeutschland. Im Westen verfolgt Bundeskanzler Konrad Adenauer einen Weg der Westintegration. Ihm gelingt es, die Bundesrepublik politisch, wirtschaftlich und militärisch in den Westen einzugliedern und so nach dem Zweiten Weltkrieg Souveränitätsrechte zurückzugewinnen. Die Bundesrepublik wird NATO-Mitglied, erreicht die Wiederbewaffnung und nimmt als Partner an der wirtschaftlichen Integration Europas Teil. Die Soziale Marktwirtschaft und ein enormer wirtschaftlicher Aufschwung (“Wirtschaftswunder“) prägen die westdeutsche Gesellschaft. Im Osten errichtet die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) eine von der Sowjetunion abhängige kommunistische Diktatur. Ziel des SED-Regimes ist der Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft mit Zentralplanwirtschaft. Die DDR wird Mitglied der von der Sowjetunion bestimmten Militärallianz Warschauer Pakt sowie des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe.

Das SED-Regime errichtet am 13. August 1961 die Berliner Mauer – dies ist der Höhepunkt des Ost-West-Konflikts. Die Mauer trennt Ost und West jahrzehntelang und wird zum Symbol der deutschen Teilung.

Stabilisierung und Modernisierung

Die Jahre zwischen 1961 und 1973 sind für West- und Ostdeutschland eine Zeit der Stabilisierung und Modernisierung. In Westdeutschland erfolgt 1963 die deutsch-französischen Aussöhnung. Die Wirtschaft benötigt für weiteres Wachstum ausländische Gastarbeiter. Eine breite Mehrheit der Menschen lebt im Wohlstand, der Konsum, Freizeit und Reisen ermöglicht. Zugleich befindet sich der Westen im politischen und gesellschaftlichen Wandel. Besonders Studenten und Intellektuelle stellen die herrschenden Traditionen und Werte in Staat und Gesellschaft in Frage. In Demonstrationen fordern sie ab Mitte der 1960er Jahre bessere Bildungschancen sowie eine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Sie protestieren gegen die Politik der Großen Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und den Vietnam-Krieg. Die sozial-liberale Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt setzt ab 1969 innenpolitische Reformen um und ergänzt außenpolitisch mit ihrer neuen Ostpolitik die Westintegration.

Im Osten stabilisiert sich durch den Mauerbau die Lage. Das SED-Regime unter Walter Ulbricht wagt begrenzte Reformversuche in Planwirtschaft und Gesellschaft. Zugleich baut es seinen Unterdrückungsapparat aus. Das SED-Regime grenzt sich vom Westen ab, verstärkt die deutsch-deutsche Grenze und militarisiert die Gesellschaft. Reformen des Kommunismus wie im „Prager Frühling“ in der Tschechoslowakei 1968 lehnt es hingegen ab. Den Alltag der Menschen bestimmen mangelnde Versorgung mit Waren und Wohnungen sowie fehlende Freiheiten. Erich Honecker löst 1972 Ulbricht als SED-Parteichef ab und verspricht mit der „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ den Lebensstandard zu verbessern.

Mit dem Grundlagenvertrag, der 1973 In-Kraft tritt, „normalisieren“ Ost- und Westdeutschland völkerrechtlich ihre Beziehungen.

Krisenzeiten

Die Jahre zwischen 1973 und 1989 sind für beide deutsche Staaten eine Zeit des Krisenmanagements. Die Bundesrepublik befindet sich im politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruch. Der erste Ölpreisschock und der Zusammenbruch des internationalen Währungssystems leiten 1973 die Weltwirtschaftskrise ein. Die Arbeitswelt im Westen befindet sich, auch durch weltweite Vernetzungen, im Wandel. Die Arbeitslosigkeit steigt erheblich. Zugleich muss die Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Schmidt den Terror der linksextremen Roten-Armee-Fraktion bekämpfen. Bürgerbewegungen protestieren in den 1970er und 1980er für mehr Umweltschutz und gegen die Atomenergie. Frauen fordern Gleichberechtigung, die Friedensbewegung lehnt die internationale Aufrüstung im Rahmen des Ost-West-Konfliktes ab. Die Grünen entstehen 1983 als neue politische Partei. Gemeinsam mit Frankreich setzt Bundeskanzler Helmut Kohl mit der Einheitlich Europäischen Akte 1986 einen weiteren Schritt der europäischen Integration durch.

Im Osten befindet sich die DDR im Niedergang. Das SED-Regime unter Erich Honecker verspricht einen „Konsumsozialismus“ und fördert den Wohnungsbau. Der Alltag der Menschen ist jedoch gezeichnet von Mangelwirtschaft. Auf vielfältigen Wegen bemüht sich das SED-Regime um die Beschaffung von Devisen, um den wirtschaftlichen Zusammenbruch zu verhindern. Die Ausbürgerung des kritischen Sängers Wolf Biermann 1976 empört viele Menschen. Nach Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte 1975 fordern immer mehr Ostdeutsche die Einhaltung von Menschenrechten, Reise- und Informationsfreiheit. Die Zahl der Ausreiseanträge steigt bis Mitte der 1980er Jahre sprunghaft an. Wie in anderen kommunistisch regierten Staaten in Osteuropa, bilden sich auch in der DDR Bürgerrechtsgruppen, die Umweltzerstörungen kritisieren, Militarisierung ablehnen und Freiheiten fordern.


Quellen:

I. Geschichte-Lexikon, historisches Allgemeinwissen; URL: http://www.geschichte-lexikon.de [Stand 25.02.2019]

II. Würz, Markus: Geteiltes Deutschland, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, URL: http://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland.html [Stand 25.02.2019]

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