Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Demografie
Durch die Toten des Ersten Weltkrieges und die Gebietsverlsute hat das Deutsche Reich 1921 nur noch rund 59 Millionen Einwohner. Erst 1933 ist wieder der Vorkriegszustand von rund 65 Millionen erreicht.
Die Säuglingssterblichkeit geht dramatisch zurück. Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt in zehn Jahren von 56 (Männer) und 59 Jahren (Frauen) auf 60 und 63 Jahre.

Lebensbedingungen
Für das Gros der Bevölkerung sind die Zwanziger alles andere als golden. Nach kurzen Erholungsphasen kommt es immer wieder zu Wirtschaftskriesen und 1923 zu einer verheerenden Inflation. 1925 gibt es 600.000 Arbeistlose. 1929 folgt die Weltwirtschaftskriese, die Zahl der Arbeitslosen steigt bis 1932 auf sechs Millionen. Wer Geld hat, amüsiert sich in Varietés, in der Oper und auf Partys. Der Reallohn der Arbeiter erreicht gerade mal den Stand von 1914. Hitler wirbt ab 1933 für das nationalsozialistische Wirtschaftsprogramm, investiert Milliarden in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und "Wehrhaftmachung". Im Vergleich zum westlichen Ausland ist der Lebensstandart der Deutschen gering.
Berlin wird 1920 durch Eingemeindung von 7 Städten, 56 Landgemeinden und 29 Gutsbezirken mit über 4 Millionen Einwohnern drittgößte Stadt der Welt. Vom 1919 eröffneten Staatlichen Bauhaus Weimar (ab 1925 Standort Dessau) gehen unter der Leitung von Walter Gropius Impulse für eine neue nüchterne Architektur aus. 1933 wird das bauhaus aufgelöst. Hitler bevorzugt monumentale Großbauten.
Die Zwanziger sind eine Zeit der Umbrüche und Blüte in allen Bereichen der Kultur. Frei von Zensur wird in Literatur, Musik, Lyrik, Malerei und Theater mit neuen Stilen und Darstellungsformen experimentiert.

Landwirtschaft und Ernährung
"Autarkie" ist das Zauberwort. Ziel der Nazis ist ein blokadesicherer Großwirtschaftsraum, in dem die Ernährung ohne Importe gewährleistet ist. Durch Kunstdüngereinsatz und Mechanisierung steigt der Grad der Selbstversorgung im Zeitraum 1928 - 1939 von 68 auf 83 Prozent.

Industrie und Handel
Die hälfte der Staatsausgeben fließt 1938 in Rüstung und Kriegsvorbereitung. Ersatzstoffe wie Kustfasern statt Baumwolle und sythetisches Benzin aus Kohle statt Öl, sollen Importe unnötig machen.

Sprache
Die Nationalsozialisten setzen Sprache gezielt als Propagandamittel ein. Wörter wie "Rasse", "Volk", "Held" und "Reich" hämmern sie den Menschen ein. Wortneuschöpfungen wie "Rassenschande", "Überfremdung" oder "Blitzkrieg" transportieren ihre Weltanschauung ebenso wie umgewertete oder verschleiernde Begriffe wie "Hass" oder "Erlösung". Alte Wörter wie "Scholle" oder "Gau" kommen wieder. Begriffe der Sakralsprache, z.B. "heilig", "ewig", "unsterblich") werden politisch besetzt.

Militär
Mit modernen Panzern erringt die Wehrmacht schnelle Anfangserfolge - "Blitzkrieg". 1944 setzen die Deutschen die V2 rakete - "Vergeltungswaffe" ein. 5.000 km/h schnell erreicht sie London in nur 320 Sekunden. 12.000 Häftlinge sterben beim Bau der "Wunderwaffe".

Minderheitenpolitik
Der Anbtisemitismus nimmt in der Weimarer Republik stark zu. An die Stelle religiöser Voruteile treten pseudobiologische von der "minderwertigen Rasse". Ab 1933 beginnt die amtliche Diskriminierung. Juden dürfen nicht mehr wählen oder Nichtjuden heiraten, 1939 müssen sie ihre Rundfunkgeräte und Wertgegenstände abliefern und ab 1941 einen gelben Stern tragen. Von den 562.000 Juden fliehen bis 1938 220.000 ins Exil, bis 1941 weitere 100.000. Im Jahre 1942 beschließt die Wannseekonferenz die "Endlösung der Judenfrage", die tötung aller Juden in den besetzten Gebieten. 5,6 Millionen sterben in den Vernichtungslagern (165.000 aus Deutschalnd, 3 Millionen aus Polen, 1 Million aus der Sowjetunion) sowie 250.000 Sinti und Roma. Auch Homosexuelle, Zeugen Jehovas und kranke Menschen werden Opfer der Mordmaschinerie.


Quelle:

1. Fiedler, Teja und Goergen, Marc: "Die Geschichte der Deutschen. Teil 7 - Von der gedemütigten Nation zum "Dritten Reich" ": In: Stern, Heft 51 (2006), S.

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