Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Demografie
Die deutsche Bevölkerung wächst zwischen 1890 und 1913 um rund ein Drittel von 49 auf 67 Millionen.
Due durchschnittliche Lebenserwartung liegt 1910 für Frauen bei 48,3 und für Männer bei 44,8 Jahren, fast 10 Jahre Höher als 1871. Die Säuglingssterblichkeit sinkt auf 25 Prozent.

Lebensbedingungen
Die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln ist gesichert, der Reallohn wächst jährlich um ein Prozent. Spätestens ab 40 droht Arbeitern die Altersarmut, sie sind verbraucht. Frauen müssen mitverdienen, nähen oft in Heimarbeit gegen Akkordlohn. Familien nehmen Untermieter oder Schlafgänger, die nur zum Übernachten kommen, auf.
Monumentale Prachtbauten in historisierendem Stil entstehen.

MaggiLandwirtschaft und Ernährung
Der Kunstdüngerverbrauch steigt auf fast sechs Millionen Tonnen jährlich. Zwischen 1882 und 1907 kann der Ertrag damit beinahe verdoppelt werden. Der Verbrauch von Zucker, ehemals ein Luxusgut, steigt von gut vier auf fast 18 Kilo pro Kopf und Jahr. Die Industrie bringt Trockensuppen, Nudeln und Grieß auf den Markt. Maggi wird zum Verkaufsschlager. Im Krieg werden die Lebensmittel knapp. 1916 liegt der Nährwert der Tagesration bei nur noch 1.000 Kalorien. Bis Kriegsende verhungern in Deutschland 800.000 Menschen.

Industrie und Handel
Seit der "Gründerzeit" entwickelt sich Deutschland vom Agrarstaat zur größten Industrienation Europas. Bis 1914 wächst die Produktion um das Sechs- der Export um das Vierfache. Der Hamburger Hafen wird "Tor zur Welt", Krupp zum größten Industriekonzern. Von 1914 bis 1918 verliert die Mark fast die Hälfte ihres Kaufwertes.

Bildung
Die staatliche Rechtschreibkonferenz legt 1901 erstmals verbindliche Regeln fest. Grundlage ist stets das Wörterbuch von Konrad Duden. Während des Krieges gelten fremdsprachige Begriffe als antinational. Sogar Zigarettenhersteller ändern ihre Markennamen.

Militär
Flugzeuge und U-Boote kommen zum Einsatz. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges gibt es auf deutscher Seite auch den Prototyp eines "Sturmpanzerwagens". Verheerend ist die schwere Artellerie. Zum ersten Mal in der Geschichte wird Giftgas eingesetzt.

Minderheitenpolitik
1,5 Millionen Elsässer und Lothringer und drei Millionen Polen mit deutscher Staatsangehörigkeit werden mit "Germanisierungsbemühungen" überzogen. 1885 werden 48.000 Polen mit ungeklärter Staatsbürgerschaft aus den preußischen Ostprovinzen ausgewiesen. Gleichzeitig holen Anweber junge polnische Männer ins Reich. Die Zahl der Ausländer wächst von 207.000 auf 1.2 Millionen. Die Gleichberechtigung der Juden ist in der Reichsverfassung von 1871 verankert. Dennoch nimmt der Antisemitismus zu.


Quelle:

1. Fiedler, Teja und Goergen, Marc: "Die Geschichte der Deutschen. Teil 6 - Bismarcks kleindeutsche Großmacht": In: Stern, Heft 50 (2006), S.

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