Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Geschichte des Walddorfer Friedhofes

Kirche mit FriedhofUrsprünglich bestatteten die Walddorfer ihre Toten auf dem Kirchhof rund um die heutige evangelische Kirche. Dieser alte Begräbnisplatz war wahrscheinlich schon zur Zeit der Entstehung des Dorfes angelegt worden. Beim Abgraben des alten Friedhofes fand man 1866 waestlich der Kirche drei sogenannte "Totenbäume" (Baumsärge) mit menschlichen Skeletten. Bei diesen "Totenbäumen" handelte es sich um muldenartig ausghöhlte Eichenstämme mit Deckeln, wie sie zur Merowingerzeit zur Bestattung verwendet wurden. Man geht davon aus, daß diese "Totenbäume" im 8. Jahrhundert nach Christus entstanden sind. Durch diesen Fund gewinnt die Hypothese an Wahrscheinlichkeit, daß schon damals eine Ansiedlung, ein "Ur-Walddorf", existiert haben muss.

Viele Jahrhunderte war der Begräbnisplatz bei der Pfarrkirche inmitten des Dorfes völlig ausreichend. Selbst die Verstorbenen aus Gniebel, Häslach und Rübgarten fanden einst in Walddorf ihre letzte Ruhe. Ausgenommen von dieser Regelung waren lediglich höhergestellte Persönlichkeiten, wie etwa die Walddorfer Pfarrer und die einstigen Ortsherren von Rübgarten, die Familie Vol von Wildenau. deren Grablage befand sich einst in einer Krypta unter dem im Jahre 1700 abgebrochenen Chor der Walddorfer Kirche.

FriedhofIm 17. Jahrhundert änderte sich plötzlich die Situation. In großer Eile musste 1635 ein neuer Friedhof angelegt werden. War man am Anfang des Dreißigjährigen Krieges noch glimpflich davon gekommen, häuften sich jetzt die Tödesfälle feidlicher Truppen seit der Nördlinger Schlacht am 27. August 1634. Im Gefolge der Heerscharen kam auch der "Schwarze Tod". Ab der Mitte des Jahres 1635 trat die Krankheit auf und verbreitete sich auffallend rasch und führte meist innerhalb von zwei Tagen zum Tod. Das Walddorfer Totenbuch verzeichnete ab dem 06.08.1635 keinen Tag ohne Begräbnisse. Am 13.10.1635 wird mit 13 Todesfällen die höchste Zahl erreicht. Danach nehmen die Todesfälle ab.

Am 24. September hatte Pfarrer Philibert Brunn noch im Kirchenbuch vermerkt, daß der alte Kirchhof die vielen Toten nicht mehr zu fassen vermochte, am 26. September fiel er selbst der Seuche zum Opfer.
Schon im August hatte man ein Grundstück "beim Schießhaus in der Bainde" angekauft und am 20. September zu einem "Gottesacker im Rosengarten" geweiht. Der alte Friedhof um die Kirche wurde bis in das 19. Jahrhundert parallel genutzt.Hier fanden nun vornehmlich die Ortsgeistlichen und die Schultheißen ihre letzte Ruhestätte. Der Kirchhof war einst von einer Wehrmauer mit Dachstuhl umgeben. Diese wurde im Jahr 1815 auf Grund einer schadhaften Stelle durch Verfügung des Oberamtes Tübingen abgerissen und der Kirchhof im Ort nicht mehr als Begräbnisplatz genutzt.

FriedhofBis zum Jahr 1931 war der Friedhof in der Bainde ausschließlich über einen vom Dorf abgewandten Eingang an der Ostseite der Ummauerung zugänglich. Durch einen neuen Belegungsplan wurde die Möglichkeit für einen zusätzlichen Eingang vom Dorf her geschaffen. Dieser neue Eingang wurde 1935 angelegt und mit einem "Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges" versehen. Dieses Denkmal wurde nach dem zweiten Weltkrieg erweitert und am Totensonntag 1954 erfolgte die Wiedereinweihung.

Eine erste größere Friedhofserweiterung erfolgt 1966. Ein Teil der Ummauerung mit samt dem alten Rundbogentor wurde abgebrochen An der Südostecke entstand eine Aussegnungshalle. Damit entfiel das traditionelle Aufbahren der Verstorbenen im Sterbehaus und der Trauerzug durch den Ort.

Quelle: Festschrift zu 800 Jahrfeier der Gemeinde Walddorf

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