Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Kehren wir dem Häusermeer von Komotau oder Görkau den Rücken und wandern wir hinauf zum Kamm des Erzgebirges. Wenn wir von Görkau aus, den Buttersteig benützend, durch Göttersdorf gegen die Höhen des Erzgebirges wandern, steigt vor uns die dunkle Waldkulisse des Gebirges auf und wir erkennen schon von ferne den Nadelholzbestand der Bergkette des Beerhübels (914 m), der höchsten Erhebung des Komotauer Bezirkes. Nach dreistündigem Marsch lichtet sich der träumerische Wald und vor uns liegt im weiten Acker- und Wiesenplan Kallich – mit den umliegenden Ortschaften eine Welt für sich. Geographisch uralter Gneisboden, landschaftlich zwischen Waldleiten im saftiggrünen von forellenreichen Bächlein durchzogenem Talgrund liegend, ein volkreiches Dörfchen.

Weithin sichtbar, auf einem Bergrücken erbaut, grüßt uns die dem „Heiligen St. Wenzel" geweihte Kirche. Der die Kirche umgebende Friedhof mahnt uns, die kostbare Zeit unseres Erdendaseins zu nützen. Das Schloß links liegen lassend, vorbei am Ortsteil Schützengrund geht der Blick vom Klößberg aus über den Nordteil des Dorfes. Wir sehen vorne das Mitteldorf, am linken Bildrand das Gasthaus „Anker", darüber den Krehwinkel, am rechten Bildrand den Ortsteil Eisenwerk, geprägt vom Herrenhaus" direkt neben der Straße und ganz rechts das Wohnhaus der Familie Fraz Fritsch. In der Bildmitte oben am Gasthaus „Einigkeit" des Karl Schwarz beginnt den Ortsteil Neukallich, im Volksmund die „Neiheiser". Ganz oben rechts sind die weit verstreuten Häuser des Nachbarortes Rübenau auf sächsischer Seite zu erkennen.

  Wir stehen auf der Eisenwerkstraße in der Nähe des Wohnhauses „Essigufen", diese Bezeichnung stammt noch aus der Zeit des Eisenwerkes als in dem Gebäude der zum Beizen des Weißbleches benötigte Holzessig hergestellt wurde. Der Blick geht zurück auf das Mitteldorf. Ganz rechts das Gasthaus „Adler", im Volksmund die „Pfütz" genannt, hinter dem Transformatorenhaus die Giebelansichten des Ardelt-Kaufladens und links des Gröschl-Bäckers, ganz links die Frontseite des Reichmann-Spenglers, darunter die Wohnhäuser Richter Ida und Körner Martha. Oben links steht das Schloß in dem die Revierförsterei war. Und stets prägt die weithin sichtbare, auf einem Porphyrkegel erbaute Kirche das Ortsbild.
Wenn wir unseren Blick nach links wenden dann liegt vor uns der „Höllengrund". Von rechts das Gasthaus Richter, dann das tschechische Zollamt, die Gebäude der Bäckerei und Landwirtschaft Brünler, der Roscher Schuster und das Wohnhaus Fritsch. Am linken Bildrand steht schon das deutsche Zollamt. Der Essigsteig, der sich durch die Wiese schlängelt verläuft direkt am Grenzbach entlang.Der ganze Ortsteil und die Fabrik des E. Fritsch existiert nicht mehr.  

  Wir lenken unsere Schritte in die "Neiheiser". Nach Südosten hin erscheint in unserem Blickfeld das Oberdorf. Und wieder steht die Kirche im Mittelpunkt. Links dahinter ist der Ortsteil Schützengrund sichtbar. Leider sind der rechts vom Oberdorf über dem Mühlberg erreichbare idyllisch gelegene Ortsteil "Weißbach" und die "Drehhäuser" nicht einzusehen. Im Vordergrund steht der "Wiesen Neubert" und rechts davon die Häuser vom Reichl (Alex) Alfred und Seifert (Simon) Anton im "Krehwinkel". Rechts der Kirche das Schul- und das Pfarrhaus, um nur einige Gebäude zu nennen. Das ganze Oberdorf ab dem Pfarrhaus gibt es nicht mehr.
Wir sind am Ortsende in Richtung Natschung angekommen. Beim Patzelt-Haus führt der Weg nach links zum „Bachmannteich". Romantisch mitten im Wald gelegen diente er als Wasserspeicher für die mit Wasserkraft betriebenen Fritsch-Fabrik, Ihl-Tischler und Nagelschmiede Seifert. Für Sonntagsspaziergänger oder Sommerfrischler war er auf dem Weg am Hammergraben entlang ein lohnendes Ausflugsziel. Im Besonderen aber war es unser Kallicher Freibad. Nur bedurfte es einer Reihe sehr warmer Sommertage um die Wassertemperatur für ein erträgliches Badevergnügen zu bringen. Ohne Badebetrieb herrschte hier eine himmlische Ruhe, geschaffen für Erholung suchende Menschen.  

 
links: Die letzten Häuser in diesem Ortsteil. Links der Vorsteher (Langjähriger Bürgermeister) Josef Reichl, rechts der Brückner Anton und in der Mitte beim Wolf.   rechts: Forsthaus Kalkofen an der Straße nach Komotau gelegen. Den Namen hat es von den in unmittelbarer Nähe befindlichen Kalkvorkommen und das in Kalköfen gebrannt wurde, bekommen. Der letzte Heger Josef Magauczek ist im KZ Glashütte umgekommen.

    

Der „Gasthof Anker"

Er war verwaltungsmäßig und gesellschaftlich der Mittelpunkt des Ortes. Im Erdgeschoß befand sich die Gemeindeverwaltung, die Poststelle und die Gastwirtschaft. Der Saal im 1.Geschoß war Turnsaal und Veranstaltungsraum für Tanzvergnügen, im besonderen für Vereinsbälle, Theateraufführungen oder sonstiger Festveranstaltungen und Feierlichkeiten.

 

Das Gasthaus „Einigkeit"

Unter acht Gasthäusern und einer Weinstube des Ortes war wohl dieses Haus der Familie Schwarz ob seiner guten Gastronomie und Fremdenzimmer weit und breit bekannt. Dadurch kamen viele Feriengäste im Sommer wie im Winter in unser Dorf um Ruhe und Erholung in würziger Erzgebirgsluft zu genießen. Auch andere Vermieter hatten Nutzen vom Aufschwung im Fremdenverkehr.

    

In Kallich soll schon im 17. Jh. eine Schule bestanden haben, bis 1846 in wechselnden Gebäuden. 1845 wurde der Grundstein zum heutigen Schulhaus gelegt. 1846 bereits war die Fertigstellung, zunächst mit 2 Klassen. 1874  wurde eine 3. Klasse eingerichtet.

 

 

 

Zum Kirchspiel gehörten die Nachbarorte Gabrielahütten, Heinrichsdorf, Natschung und Kienhaid. 1702 ließ Graf Ferdinand Maximilian Hrzan von Harras eine Kirche bauen, die zu Ehren des „Heiligen Wenzel" geweiht wurde. 1753 baute Fürst Heinrich von Auersberg die jetzige Kirche. In den Jahren 1821/22 wurde sie erweitert und der Turm mit 3 Glocken errichtet. Der Hochaltar stammt aus dem Jahre 1702, 1865 kamen die beiden Seitenaltäre hinzu. 1702 wurde auch um die Kirche der Friedhof angelegt und 1885 vergrößert.

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