Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

In ganz Europa tobte der Dreißigjährige Krieg zwischen Katholiken und Protestanten. Kaiserliche Truppen plünderten vom 7. bis 12. September 1634 das ganze Land Württemberg. Am 8. September fielen die kaiserlichen Reiter auch in den Schönbuch ein und erschossen und erschlugen viele Protestanten. Der Schwedenkönig Gustav Adolf kam mit seinem siegreichen Heer den süddeutschen Protestanten zu Hilfe. Sie begrüßten ihn als ihren Retter und verbündeten sich mit ihm.

Die Nördlinger Schlacht am 26. August 1634 nimmt einen unglücklichen Ausgang für die protestantische Bevölkerung. Daran erinnert heute das zwischen den Wurzeln einer mächtigen Buche stehende Schwedenkreuz am Langen-Rücken-Sträßle im Schönbuch bei Walddorf.

Walddorf und die umliegenden Orte werden 1635 von einer Pestepidemie heimgesucht. In Dörnach, Gniebel, Häslach und Walddorf fallen in diesem Jahr 611 Personen der Seuche zum Opfer, allein für den 13. Oktober sind 13 Todesfälle registriert. Der Begräbnisplatz um die Walddorfer Kirche reicht nicht mehr aus. Im September wird südlich des Ortes ein neuer Friedhof "beim Schützenhaus in der Bainde" eingeweiht.

Der 30jährige Krieg führt zu zahlreichen Überfällen. Auch das Tauf- und Ehebuch der Kirchengemeinde werden zerstört. Im neunen Buch beklagt Pfarrer Jacob Abel Stammurgroßvater (Urgroßvater in 10. Generation) "Nach dem In Anno 1638 daß Ehebuch sampt dem Tauff Buch durch die Soldaten, In leydigem Grundverderblichen Kriegswesen, zerrissen und gänzlich verbrannt worden, ist selbigen Jahres dieses aufgerichtet worden..." Die Registratur der bürgerlichen Gemeinde geht fast vollständig verloren.
Nach Beendigung des 30jährigen Krieges 1648 liegen in Walddorf 63 Höfe in Schutt und Asche.

1689 wird Johannes Majer Pfarrer (bis 1711) in Walddorf. Er zählt zu den bedeutendsten Geodäten und Geographen Württembergs. Seine 1710 gedruckte Landkarte von Württemberg "Ducatus Würtembergici cum locis limitaneis nova delineatio" gilt nahezu 100 Jahre lang als unübertrefflich.

1693 erhält die Walddorfer Kirche eine Orgel, die bis 1753 genutz wird.

Mit Hilfe von Pfarrer Majer versuchen sich Dörnach und Walddorf 1694 aus dem Mühlbann zu lösen. Der Herog lehnt das Gesuch ab und die Bauern müssen ihr Korn weiterhin in der Neckarburgmühle in Neckartenzlingen mahlen lassen.

Das Kirchengeläut erhält 1695 eine von Glockengiesser Johannes Rosier gegossene große F-Glocke mit der Inschrift in lateinisch "Selig sind die das Wort Gottes hören und bewahren" Lukas 11. Die Glocke geht 1942 verloren.

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