Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

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19. Jahrhundert

Kaiser Franz II: erhob 1804 seinen Machtbesitz zum Kaisertum Österreich. Alle Fürstentümer und Provinzen behielten aber ihre bisherigen Namen, Vorrechte und Titel bei.

Die Regierung Franz II.(1792- 1835) war gekennzeichnet durch die napoleonischen Kriege. 1805 fiel Napoleon I. in Böhmen und Mähren ein. Bei der Schlacht bei Austerlitz (Dreikaiserschlacht) blieb er Sieger. Prag wurde Asylort für die führenden Männer Kleist, Stein, Gentz und Gneisenau. Höhepunkt war die Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813.

1806 wurde das Polytechnikum in Prag eröffnet, die erste technische Hochschule im deutschen Sprachbereich. Den größten Anteil am Entstehen hatte Franz Joseph Gerstner aus Komotau. Von ihm stammte auch die Idee, eine Eisenbahn von Budweis nach Linz, die dann zwischen 1825 und 1832 als Pferde- Eisenbahn gebaut wurde. Bis zur Jahrhundertmitte wurden dann Dampf- Eisenbahnen gebaut.

1833 kam es zur Gründung der Gesellschaft zur Förderung der Industrie in Böhmen.

1861 richtete der Böhmische Landtag eine Adresse an den Kaiser, sich zum König von Böhmen und Mähren krönen zu lassen. Dies war die letzte gemeinsame Aktion von Deutschen und Tschechen. Im Deutschen Krieg zwischen Preußen und Österreich kam es 1861 zur Entscheidungsschlacht bei Königgrätz, welche zum Nachteil Österreichs ausging.

Im Jahre 1884 wurde der Deutsche Böhmerwaldbund, 1886 der Bund der Deutschen Nordmährens, 1894 der Bund der Deutschen Böhmens gegründet. 1890 scheiterte der Ausgleich zwischen Deutschen und Tschechen (Böhmischer Ausgleich) am Widerstand der Jungtschechen, welche die Auflösung der Monarchie anstrebten. Ministerpräsident Badeni erlies eine Verordnung, der die Amtsführung in beiden Sprachen vorsah. Der seit 1898 vorbereitete "Mährische Ausgleich" wurde 1905 angenommen. Für Böhmen gab es keinen Ausgleich.

Über den Kontinent wütete von 1914 bis 1918 der Erste Weltkrieg.

Von 1918 bis 1945

Nach dem 1. Weltkrieg und damit auch dem Zusammenbruch der Österreich Ungarischen Monarchie, sollte Europa neu geordnet werden. Oberstes Prinzip: Das Selbstbestimmungsrecht der Völker (US Präsident Wilson).

Die Wurzel der sudetendeutschen Tragödie liegt, einmal abgesehen von über Jahrhunderte schwelenden Nationalitäten- Problemen in der alten Donau- Monarchie, im Ergebnis der sogenannten Pariser Vorort- Verträge von 1919. Die Siegermächte stimmten dort der Gründung eines Staates zu, den es bisher noch nicht gegeben hatte. Der Kunststaat hieß Tschechoslowakei. In ihn sollten auch die Sudetendeutschen hineingepreßt werden.

Obwohl sich schon am 29. Oktober 1918 die Deutsch-Böhmen (Sudetendeutschen) zu einer Provinz Deutsch-Österreich nahezu einmütig bekannt hatten, beschied der erste Präsident der jungen Tschechoslowakei, Masaryk, am 23. Dezember 1918: "Die von den Deutschen bewohnten Gebiete sind und bleiben unser!" Wohl wissend, daß die Tschechoslowakei ohne die hochindustrialisierten deutschen Gebiete mit 3,5 Mill. Einwohnern (ein Drittel des Staatsvolkes) gar nicht lebensfähig gewesen wäre. Dazu kam, daß Prag, die neue Regierung der Weltöffentlichkeit versprochen hatte, die Tschechoslowakei als eine Art Schweiz zu gestalten. Das erwies sich als Täuschung. Denn: Prag setzte von Anfang an auf das Prinzip der nationalen Alleinherrschaft. Die Tschechen schufen, allen Protesten zum Trotz, vollendete Tatsachen. Tschechisches Militär besetzte die sudetendeutschen Gebiete noch vor der Pariser "Friedenskonferenz" im Jahre 1918. Als in mehreren sudetendeutschen Städten die Sudetendeutschen dagegen friedlich demonstrierten, schoß das tschechische Militär mit verbotenen Dum- Dum- Geschossen wahllos in die Menge. Es gab Tote und Verletzte, darunter Frauen und Kinder (4. März 1919). Die Rechte der Minderheiten, allen voran die Sudetendeutschen, wurden beschnitten, die Deutschen zu Bürgern 2. Klasse gemacht.

Es wird behauptet, Hitler hat das Tor zur Vertreibung der Sudetendeutschen aufgestoßen. Sie sei eine Folge des Nazi Regimes gewesen. In Wirklichkeit war die Vertreibung von den Tschechen eigentlich schon geplant, als es noch keine Nazis gab. Die Abschiebung war von den Tschechen bereits ein Plan seit der Gründung der Tschechoslowakei in den Jahren 1918/19. So hieß es bereits am 26. Oktober 1918 in Bohemia: " Die Deutschen sollen hierzulande auf ihrem eigenen Boden nur solange geduldet werden, als sie parieren. Sonst mögen sie ihren Grund verkaufen, ihr Bündel schnüren und gehen." Die Zeitung Zlata Praha drückte es 1919 noch drastischer aus: "Die Deutschen müßten mit der Peitsche über die Grenzen hinaus getrieben werden." Tomas Masaryk, der erste Tschechoslowakische Präsident, sagte bereits am 10. Januar 1919 in einem Interview mit der französischen Zeitung " Le Matin" über eine rasche "Entgermanisierung" des Sudetenlandes. Edvard Benes Initiator der berüchtigten, nach ihm benannten Benesdekrete, tat am 29. Oktober 1920 kund, "daß den Deutschen kein Selbstbestimmungsrecht gegeben werden darf, daß sie sich besser an Galgen und Kandelabern aufhängen mögen." In einer Rede in Tabor am 3.6.1945 sagte er: "Werft die Deutschen aus ihren Wohnungen und macht den Unsrigen Platz. Alle Deutschen müssen verschwinden. Was wir im Jahre 1918 schon durchführen wollten, erledigen wir jetzt."

Über diese Entwicklungen gibt es zahlreiche Dokumente. Eines davon: Die Denkschrift der Deutschen Sozialdemokratischen Partei in der Tschechoslowakei an den Sozialistenkongreß in Hamburg, Datum 21. Mai 1923.

Wirtschaftliche Not, hohe Arbeitslosigkeit, von der besonders die deutschen Siedlungsgebiete betroffen waren, Austausch aller deutschen Staatsbeamten gegen tschechische, eine gegen die Deutschen gerichtete Schulpolitik- das alles und mehr trug dazu bei, daß Sudetendeutsche und Tschechen nicht gerade Freunde wurden. Scharfmacher auf beiden Seiten hatten ein leichtes Spiel. Die Sudetendeutschen in der Mehrzahl wollten nur eines: Raus aus diesem Staat.

Da kam Hitler und versprach "Heimholung ins Reich". Die Westmächte, ihre Demokraten, die sich noch zu gut erinnerten, daß sie 1918/19 das von US Präsident Wilson heilig versprochene Selbstbestimmungsrecht der Völker, was die Sudetendeutschen u.a. betraf, kaltschnäuzig ignorierten, besserten im Münchner Abkommen nach. Sie erkannten nicht , daß Hitler auf brutale Okkupation aus war und die Sudetendeutschen nur Bauern im Spiel.

Und die Sudetendeutschen? Sie jubelten ihm und seinen Soldaten zu, sie waren "heimgeholt", vom Nationalsozialismus hatten die wenigsten eine Ahnung. Vermutlich hätten sie auch einem Buddhisten zugejubelt, wenn er sie nur vereint hätte mit einem Land ihrer Sprache.

An den Verbrechen der Nazis, verübt seit dem im März 1939 besetzten Protektorat, waren am wenigsten Sudetendeutsche beteiligt. Und: Eine überwältigende Zahl von Tschechen lebten sehr gut mit den Deutschen (keine Wehrpflicht, genug zu essen, gut bezahlte Arbeit). Wer sich allerdings gegen die Besatzer stellte, mußte es büßen. Der Widerstand gegen die Deutschen hielt sich, anders als in Frankreich, sehr in Grenzen. Benesch, im Londoner Exil, war verzweifelt. Die Attentäter, die auf SS- Heydrich angesetzt waren, mußten aus England eingeflogen werden (!) Daß die Deutschen mit einem Masakker auf den Tod ihres Statthalters reagieren würden, war von Benesch kalkuliert und gewünscht. Lidice wurde zum Guernica der Tschechen.

Der Haß gegen die Deutschen, gegen alle Deutschen im Land, wurde in den letzten Kriegsmonaten auch von London aus angestachelt. "Schlagt sie, tötet sie...., laßt ihnen nichts, als ein Taschentuch zum Weinen...."
Die Wirkung ist bekannt. Die brutalsten Vertreibungen, die Massaker ereigneten sich schon in den letzten Kriegstagen und in den Monaten kurz nach Kriegsende. Ehe die Potsdamer Konferenz ihren Segen für eine" humane Umsiedlung" gab. Etwa 220. 000 Vertreibungstote sind zu beklagen: Erschossen, zu Tode gefoltert, umgekommen in sog. Arbeitslagern.

Die Deutschen wurden vertrieben, weil sie Deutsche waren, wie die Juden vertrieben und vernichtet wurden, weil sie Juden waren. Beide büßten für eine Schuld, die ihnen keiner erklären konnte.
In Böhmen haben Abneigung, Mißtrauen und Haß gegen die Deutschen, die einst böhmische Könige ins Land holten, eine lange Geschichte. Nach Zeiten friedlichen Zusammenlebens mündete der Haß manchmal in Orgien der Verfolgung und Blut (Hussitenkriege).

In der Donaumonarchie fühlten sich die Tschechen als ein Volk von Dienstboten und Schuhputzern abgestempelt. Ihr übersteigertes Nationalbewußtsein verlangte nach einem Staat, in dem sie allein das Sagen hatten. 1918 wurde ihr Traum Wirklichkeit. Die Tschechen verfielen in einen nahezu krankhaften Nationalismus. Es gab längst vage Pläne, die Deutschen mal aus dem Land zu werfen.
In seinem Londoner Exil (1939-1945) arbeitete Benesch dafür konkrete Pläne aus und gewann dafür auch die Alliierten. Zurückgekehrt nach Prag, ließ er sie an den Sudetendeutschen vollstrecken. Als Vorwand diente die Behauptung, die Sudetendeutschen seien die "Fünfte Kolonne" Hitlers gewesen und schuld an der Zerstörung der Tschechoslowakei, die Hitler 1939 zum "Protektorat Böhmen und Mähren" machte.

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