Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

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Der Dreißigjährige Krieg

Kaiser Ferdinand war das Haupt der Gegenreformation der Katholiken. 1618 kam es zum Zweiten Prager Fenstersturz. Anlaß war die Verletzung des Majestätsbriefes in Klostergrab und Braunau. Am 13. Mai 1618 warfen die Protestanten auf der Prager Burg die Statthalter des Kaisers, Martinic und Slawara, aus dem Fenster der Burg in den Burggraben. Dieser böhmische Aufstand entwickelte sich allmählich zum Dreißigjährigen Krieg zwischen der katholischen Liga und der evangelischen Union. Im Jahre 1619 kam es in Böhmen zur Ausrufung eines Wahlreiches. Die Stände wählten Friedrich, Kurfürst von der Pfalz, zum König.

Am 8. November 1620 kam es zur Schlacht am Weißen Berg. Gegner waren die protestantischen Stände und das katholische Lager. Die Schlacht war kurz. Friedrich floh aus Prag. 1621 kam es unter Fürst Karl von Liechtenstein zu einem Blutgericht gegen die Aufständischen. 27 Aufrührer, Tschechen und Deutsche wurden auf dem Altstädter Ring hingerichtet. Ihre Güter und die ihrer Anhänger wurden eingezogen. Die evangelischen Pfarrer und rund 150.000 Protestanten mußten das Land verlassen.

Der bekannteste Feldherr des Dreißigjährigen Krieges war Albrecht von Wallenstein, Herzog von Friedland und Mecklenburg. Bei der erwähnten Konfiszierung erwarb er große Güter, u.a. das Herzogtum Friedland. 1630 wurde er als Kommandiernder entlassen, aber 1632 wieder berufen. Als Verräter wurde Wallenstein danach vom Kaiser abgesetzt und am 25. Feber 1634 in Eger ermordet.

Den Oberbefehl übernahm fortan Ferdinand III., König von Böhmen und Kaiser. Der Westfälische Friede von 1648 beendete den Krieg, der auf Böhmen verheerende Auswirkung hatte. Ganze Landstriche waren entvölkert. Auch die Pest hatte viele dahin gerafft. Sinnlose Zerstörungswut hatte zahlreiche Werke der Kunst vernichtet.

Barockzeit

Auf Ferdinand III. folgte sein Sohn Leopold I., 1658 auch zum Kaiser gewählt. Unter ihm wurde das Habsburgerreich zur Großmacht. Die Barockkunst erreichte ihr größte Blüte. Kirche und Adel beriefen die besten Künstler und ließen einmalige Bauten errichten. Der Jesuitenorden tat sich in seinen Kirchen besonders hervor. Diese Kleinodien hatten zumeist die Kirche "Il Gesu" in Rom zum Vorbild und waren dem hl. Ignatius geweiht.

Auch in der Bildhauerei entstand Großartiges. Genannt seien nur die Namen von Vater und Sohn Dientzenhofer, Johann Bernhard Fischer, Peter Brandl, Wenzel Hollar, Daniel Gran, Raphael Donner und Johann Brokoff und für Franken Ferdinand Tietz, geboren auf Schloß Eisenberg in Nordböhmen. Aus Eger stammte Balthasar Neumann, welcher sich in Franken mit zahlreichen Kirchen und Profanbauten verewigte.

Kirchengeschichtlich war die Gründung des Bistums Königgrätz und Leitmeritz von Bedeutung.

Unter Karl VI. wurden die Bemühungen um die Entwicklung von Gewerbe und Handel intensiviert. Man baute Straßen, machte Elbe und Moldau durch Schiffe befahrbar. Die Textil- und Glasindustrie wurde gefördert.

Maria Theresia, Joseph II.

Auf Karl VI. folgte dessen Tochter Maria Theresia, 1643 in Prag gekrönt. Friedrich der Große beanspruchte Schlesisches Gebiet. Deshalb begann er den Ersten Schlesischen Krieg (1740- 1742) In Zweiten Schlesischen Krieg (1744-1745) besetzte Friedrich II. vorübergehend Prag, Tabor, Budweis und Frauenburg. Den Dritten Schlesischen Krieg (1756- 1763), den Siebenjährigen, führte Maria Theresia, um die besetzten Gebiete zurückzugewinnen. Die Niederlage Friedrichs bei Kolin zwang ihm, die besetzten Gebiete aufzugeben. Im Hubertusburger Frieden mußte Maria Theresia Schlesien abtreten.

Das Jahr 1763 hatte für Böhmen besondere Bedeutung. Damals wurde bei der Prager Universität erstmals eine Vorlesung in deutscher Sprache gehalten; die lateinische Sprache wurde schrittweise dort und auch an Gymnasien von der deutschen Sprache abgelöst. Die Kaiserin führte viele Reformen ein, im Rechtswesen, der Verwaltung und im Wirtschaftswesen. Für das Volk war wohl die Schulreform am bedeutsamsten.

Noch größer waren die Reformen Josephs II.(1780- 1790), seit dem Tode von Franz I. Mitregent der Kaiserin und deutscher Kaiser. Wichtige Entscheidungen Josephs waren das Toleranzpatent für die Protestanten und die Erlasse der Bauernbefreiung (Aufhebung der Leibeigenschaft) von 1781/ 1782. Was Friedrich der Große in Preußen tat, machte er in Böhmen. Joseph II.befahl den Bauern die Kartoffel anzubauen. Die Bevölkerung hatte mehr zu essen und Hungersnöte waren seltener. Man setzte ihm zum Dank in Böhmen zahlreiche Denkmale. Viel tat der Kaiser zur Integration der Juden. Er beseitgte Ghettos, zwang die Juden, ihre bisherigen Namen abzulegen, ließ sie beliebige Berufe ergreifen und studieren. In seine Regierungszeit fielen die Gründung vieler Fabriken insbesondere der Textilfabrikation, Spinnereien, Flachs- und Baumwollweber. In Prag begründete Graf Nostiz Rieneck 1783 das deutsche Nationaltheater. Vier Jahre danach wurde hier Mozarts "Don Giovanni" uraufgeführt.

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