Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

ist ein aufgelassener Ort im heutigen Tschechien.

Auf dem Weg von Brandov (Brandau) entlang der Staatsgrenze, die Natzschung (Načetínský potok) flussaufwärts, befindet sich nach 4 Kilometern an der Einmündung des Tölzschbaches (Telčský potok) eine Lichtung. Anhand der touristischen Zeichen wird erkennbar, dass sich an dieser Stelle in von 585 Meter ü.M. früher das Industriedorf Gabrielahütten befand.

Gabrielahütten wurde von Heinrich Franz von Rottenhan, Eigentümer von Rothenhaus, 1779 gegründet, der hier eine neue Eisenhütte erstellte. Zu Ehren seiner Tochter Gabriela benannte er nicht nur die Hütte sondern auch das Dorf. In einigen verstreuten Häusern lebten hier zuvor Köhler und Waldarbeiter. Ab 1869 war das Dorf Ortsteil von Kallich; nach 1938 kam es zu Brandau.

Grund für den Bau der Hütte war das hohe Vorkommen von Holz. 1749 wurde wegen Wassermangels in Kallich das dortige Werk teilweiese hierher verlegt. Das Erz wurde von den Bergwerken aus dem nordwestlichen Teil Komotaus antransportiert. Das hiesige Werk hatte lange Zeit nur einen Hammer für die Eisenbearbeitung. 1809 kam es zu großen Veränderungen. Gabriela heiratete Georg Franz August von Buquoy. Dies war ein sehr gebildeter Mann, der in seinem Herrschaftsbereich die Entwicklung der Industrie förderte. Das Werk wurde erweitert und damit auch die Kapazitäten. Im Werk integriert war auch eine Aufbereitungsanlage zur Verarbeitung von Farbabfällen.

Gabrielina Huť hatte einen Hochofen, der 1817 in einen Stahlschmelzofen umgebaut wurde, eine Erzpresse, drei Stangenhämmer, Blechschere und Zinnerei. 1835 wurde ein Blechwalzwerk gebaut, das 1842 um ein Zinnwerk zur Herstellung von englischen Blankblechen erweitert wurde. Angetrieben wurden die Maschinen mit Dampf- und Wasserkraft. 1857 kam ein Dampfkraftwerk mit einem Siemens-Generator hinzu. 1858 wurde eine Maschine zur Herstellung von Schindeln installiert.

1864 übernahm Gräfin Isabella Trauttmannsdorf, geborene Buquoy die Werke. Durch die Konkurrenz der Stahlwerke in Kladno und Mährisch Ostrau kam es um 1860 zum Preisverfall der Stahlprodukte. Hinzu kam die Knappheit an Steinkohle. Auch die Verkehrsinfrastruktur bereitete immer größere Sorgen. Die Produktion sank ständig. 1867 wurde im Werk Gabrielahütten die Produktion eingestellt, ein Jahr später auch in Kallich.

Die Gräfin verkaufte 1871 beide Werke den Eisenwerken in Komotau. Aber auch diese Eisenwerke wurden 1874 liquidiert und damit auch die Werke Kallich und Gabrielahütten. Neue Eigner versuchten später, den Betrieb wieder aufzunehmen. Es wurde auch sechs Jahre betrieben, aber dann 1882 definitiv eingestellt und die Fabrik wurde demontiert und verkauft. 1876 errichtete Karl Engelhart aus Rübenau eine Fabrik zur Herstellung grauer Wellpappe. Ein weiterer Unternehmer stellte Holzteile für Kindergewehre her. Das im Dorf befindliche Papierwerk brannte 1894 ab.

Gabrielahütten war nie ein großes Dorf, es hatte weder eine Kirche noch einen Friedhof. 1838 wurde eine Einklassenschule eingerichtet, die 1883 aufgelöst wurde. Im Dorf gab es zwei Gastwirtschaften, deren Inhaber auch eine Metzgerei und ein Handelsgeschäft betrieben. Im Sommer lohnte sich der Betrieb. Das Dorf war bei Touristen begehrt. Im Winter war das Dorf jedoch völlig von der Außenwelt abgeschnitten.

Nach der Beendigung der industriellen Produktion bleiben nur noch einige Waldarbeiter im Dorf. Die meisten siedelten nach Kallich bei Brandau um. 1945 wurde das Dorf nach der Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung und der Zwangsumsiedelung der dort lebenden Tschechen nicht mehr besiedelt. Die Bauten wurden 1959 abgerissen. Die meisten Einwohner hatte das Dorf mit 275 im Jahr 1847. Die Zahl sank bis 1938 auf 122 Deutsche.

alte Bilder aus Gabrielahütten:

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Die Bewohnung des Ortes:

Das Forsthaus bewohnte Oberförster Anton Reichenauer.

 
Das erste Haus, von Brandau kommend, war die gelbe Brettmühle, auch nach dem früheren Besitzer "Steins Brettmühle" genannt. Hier wohnten die Besitzer Anton Gröschl, mit seinen Söhnen Paul Gröschl und Rudolf Gröschl sowie die Familie Ferdinand Dienelt.   Es folgte das Haus neben dem Niederen Hammer und den Familien Adolf Frank und Karl Ullmann und weiter dorfaufwärts das Gasthaus "Zur böhmischen Schweiz".

 

Gegenüber der Kolonialwarenladen mit den Familien Robert Siegert, Martin Planek und Karl Frank. Im Steigerwinkel stand das Steigerhaus, bewohnt von den Familien Hartmann Kraus und bis 1938 der tschechische Staatsbürger Wenzel Fritzsch. Es folgt das Gasthaus vom Forstgehilfen Karl Ullmann.

 
Oberhalb des ehemaligen Teiches zum Vielweghammer stand an der Straße das Haus mit den beiden Familien Josef Fischer und Ernst Fischer.




  Das Schuljahr 1940 / 41. Oberlehrer Erwin Günther, Sohn von Erzgebirgsdichter Anton Günther , hintere Reihe von links: Alice Reichenauer, Marie Pietsch, Melitta Reichenauer, Elli Kraus, Elfriede Frank. Vordere Reihe: Anna Seifert, Gertrud Siegert, Edith Knauschner, Brunhilde Uhlig, Rosa Hübler, Rita Dienelt

 
Auf der anderen Seite das Doppelhaus von Schule und Trafik mit den Familien Oberlehrer Georg Bäumel und Rudolf Knauschner mit Helene Frank mit ihrer Trafik   Marie Seifert beim Kühe hüten. Dahinter das Haus mit den Familien Josef Fischer jun. uns Karl Seifert.

Es folgte das Gemeindehaus mit den Familien Rudolf Fischer, Franz Konrad, Ernst Dienelt und dem Stellmacher Leonard Hübler. Unterhalb des Forsthauses befand sich das Haus der Familie Josef Fischer und Karl Seifert.

 

Das Forsthaus bewohnte Oberförster Anton Reichenauer.
 

 

 

Oberförster Anton Reichenauer mit seinem Hund Axel

Frau Elisabeth Reichenauer und ihre vier Töchter, Alice, Melitta, Anita und Elisabeth
Nach dem Töltschteich folgte der frühere Hoch- und Essigofen und das Haus von Josef Pietsch mit der Familie Josef Kempf. Am Waldrand stand die ehemalige Mahlmühle, bewohnt von Hildegard Kempf, Franz Reichmann, Franz Matz und Leonard Hübler. Im letzten Haus am Ortsausgang lebten die Familien Friedrich Siegert, Karl Hortig und Gustav Kraus.

 
Gasthaus zur Böhmischen Schweiz. Ansicht vom Bierkeller am Töltschberg. Links der Biergarten



  Das Gasthaus zur Böhmischen Schweiz, der Pferdestall, dahinter zu erkennen der Giebel des Schlachthauses. links der Töltschberg, der Bierkeller, dahinter das Manihäusl und das Walzwerk. Im Hintergrund das Steigerhäusl und der Zechenberg.

 
Die alte Schule am Schulberg, zuletzt Gasthaus von Karl Ullmann





  Dieses Bild ist etwa 1897 entstanden und wurde von sächsischer Seit über den Grenzbach fotografiert. Die provisorischen Gleise und die Loren dienten zum Bau der Straße zwischen Rothenthal und Rübenau. Beide Orte befinden sich auf der deutschen Seite des Grenzbaches Natschung.

Bevölkerungsentwicklung:

Jahr Einwohner Häuser
1847 275 16
1869 217 16
1880 194 15
1890 166 17
1900 184 18
1910 176 17
1921 141 16
1930 151 16
1950 0 20

Gabrielahütten früher und heute:


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Der Altvater (Urgroßvater in 2. Generation), Paul Reichl, ist am 11.05.1858 in Gabrielahütten geboren. Sein Vater Franz Eduard Reichl, Altgroßvater (Urgroßvater in 3. Generation), war Walzwerkarbeiter und Absinterer im Blechwalzwerk in Gabrielahütten und wohnte mit seiner Frau Theresia und 9 Kindern in Gabrielahütten Nr. 12. Bereits seine Eltern Franz und Clara Reichl waren nach 1822 von Kallich nach Gabrielahütten gezogen und wohnten in Gabrielahütten Nr. 7


Quelle: Broschüre "Erinnerungen an Gabrielahütten" von Josef Kempf, Wikipedia und www.komotau.de

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