Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

.. ist das Land zwischen den Flüssen Pruth und Dnjestr am nordwestlichen Ufer des Schwarzen Meeres. Von 1814 bis 1940 siedelten dort auch Deutsche. Heute gehört Bessarabien zu Moldawien und zur Ukraine.

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Wappen von Bessarabien (1878 - 1917).Historische Landschaft (rumänisch Basarabia) zwischen Pruth/Prut, Dnjestr/Nistru, Donau/Dunarea und Schwarzem Meer; gehörte bis zum Mongoleneinfall von 1241 zur Kiewer Rus, danach der Süden zum Khanat der Goldenen Horde, der größte Teil seit dem 14. Jahrhundert zum Fürstentum Moldau, das Ende des 15. Jahrhunderts in türkische Abhängigkeit geriet. Nach einer 350jährigen Türkenherrschaft kam das viel umstrittene Land Bessarabien durch den Frieden von Bukarest am 16. Mai 1812 zu Russland. Die Türken wanderten darauf nach der Dobrudscha und der Türkei aus. Die weite Steppe Bessarabiens war unbebaut und nach dem Abzug der Türken unbewohnt; überhaupt bot das Land ein Bild der Verheerung und Verwilderung. Wie schon früher die russische Kaiserin Katharina II. ausländische Kolonisten ins Land gerufen hatte (Manifest vom 22. Juli 1763), um sie an der Wolga anzusiedeln und die verwilderten Steppen zu kultivieren, so war es jetzt Alexander I., der in seinem Manifest vom 20. Februar 1804 den deutschen Einwanderern weitgehende Vorrechte zugestand. In seinem Aufruf vom 29. November 1813 sicherte er den Kolonisten folgende Privilegien zu:

  • zehn Jahre lang frei von allen Abgaben und Grundsteuern
  • jeder Familie werden 60 Desjatinen = ca. 66 ha Land zugeteilt
  • unbefristete Befreiung vom Militärdienst
  • Religionsfreiheit u. a.

(aus: Immanuel Wagner, Geschichte der Gründung der Kolonie Sarata)

Die deutschen Siedler kamen vorwiegend aus Württemberg. Die napoleonischen Kriege hatten zu unerträglich hohen Abgaben geführt. Unter den französischen Besatzungstruppen hatte die schwäbische Bevölkerung schwer zu leiden. Dazu kamen Dürrezeiten, die zur Verarmung und zu Hungersnöten beigetragen hatten.
Entscheidend bestärkten auch religiöse Beweggründe den Auswanderungswunsch: große Unzufriedenheit der Pietisten mit der Entwicklung in der Kirche.

BessarabienIn den Jahren von 1814 bis 1842 wanderten rund 9 000 Menschen nach Bessarabien ein und gründeten 25 Mutterkolonien. Durch Binnenwanderung entstanden daraus 150 deutsche Gemeinden mit einem Landbesitz von über 300 000 ha fruchtbaren Bodens.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs fordert Russland Bessarabien, das 1918 an Rumänien abgetreten werden musste, wieder zurück. Mit dem "Hitler-Stalin-Pakt" vom 23. August 1939 ist das Schicksal der Bessarabiendeutschen, die Umsiedlung ins "Großdeutsche Reich" vorgezeichnet. Eine akzeptable Alternative zur Umsiedlung war nicht gegeben.
Innerhalb eines Monats verlassen die Bessarabiendeutschen in Lastwagen, per Bahn oder Pferdetreck auf vorher festgelegten Routen durch die Grenzorte Galatz, Reni und Kilia ihre Heimat.
Die Umsiedler werden in Galatz wie auch in Reni und Kilia auf Donaudampfer eingeschifft.
Nach drei bzw. sechs Tagen legen die großen Schiffe im Hafen von Prahovo und die kleineren, die das Eiserne Tor passieren können, in Semlin an. Hier werden die Bessarabiendeutschen in den Durchgangslagern in Großzelten untergebracht und von Donauschwaben aus dem jugoslawischen Banat betreut.
Von den Donauhäfen Prahovo und Semlin geht es mit dem Zug in die etwa 250 Lager im Süden des Deutschen Reiches, wobei die Dorfgemeinschaften mit der Einweisung in verschiedene Lager zwangsläufig auseinander gerissen werden.
Die Behinderten wurden in staatliche Einrichtungen verbracht und fielen dort den Tötungsaktionen zum Opfer. Nach drei- bis sechswöchiger Quarantänezeit in den Lagern der Volksdeutschen Mittelstelle erfolgt für alle Anderen der erste Kontakt mit den politischen Gegebenheiten des Deutschen Reiches. Später haben die Umsiedler die Möglichkeit zu arbeiten und so dem bedrückenden Lagerleben für einige Stunden zu entfliehen.
In den Lagern werden die Bessarabiendeutschen der "Durchschleusung" (Einteilung in A- oder O-Tauglichkeit nach "rassischen" und politischen Gesichtspunkten) unterzogen. Nach der Einbürgerung werden sie je nach Eingruppierung im Altreich oder als Hoffnungsträger der Nationalsozialisten mit "Naturalrestitution" (die polnischen und jüdischen Bewohner werden dazu auf rabiate Weise enteignet) in den neubesetzten Ostgebieten (Westpreußen, Wartheland) angesiedelt.
(siehe dazu z.B. Dirk Jachomowski, Die Umsiedlung der Bessarabien-, Bukowina- und Dobrudschadeutschen, 1984, R. Oldenbourg Verlag München)
1941-1944 von rumänischen Truppen besetzt, fiel das Gebiet 1944 an die UdSSR. Der größte Teil bildete die Moldauische SSR, die seit 1990 als Republik Moldova unabhängig ist, der Süden entlang der Donau und am Schwarzen Meer fiel an die Ukraine.

So wie die übrige deutsche Bevölkerung im Osten des Reiches hatten zu Beginn der zweiten Januarhälfte 1945 mit dem Herannahen der Front auch die Umsiedler aus Bessarabien den Evakuierungsbefehl (treffender wäre der Begriff Fluchterlaubnis) erhalten. Überall brachen die Trecks auf und zogen durch Eis und Schnee in Richtung Westen. Es war eine Evakuierung der Zivilbevölkerung vor der herannahenden Front; es war gleichzeitig eine Flucht der Zivilbevölkerung vor dem, was die Zurückbleibenden in der folgenden Zeit erwartete: eine Welle von Mord, Plünderung und Vergewaltigung, Deportation zur Zwangsarbeit nach Sibirien... Die meisten bessarabiendeutschen Umsiedler gelangten 1945 auf ihrer Flucht nach Deutschland - ein kleinerer Teil wurde nach Sibirien verschleppt oder wieder nach Rumänien zurückgeführt.
(Textauszug aus Dirk Jachomowski, Die Umsiedlung der Bessarabien-, Bukowina- und Dobrudschadeutschen)

Weitaus die meisten Bessarabiendeutschen finden in den westlichen Besatzungszonen ein neues Zuhause, wo sie am Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Deutschlands mitwirken. Der Neubeginn bedeutete für die meisten Bessarabiendeutschen eine gewaltige Umstellung: vom Bauern zum Industriearbeiter. Das war ungeheuer schwer, gelang aber den meisten doch.


Quellen:

1.Wikipedia: Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Bessarabien aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung (de)). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. [Stand 26.04.2012]

2. Bessarabiendeutscher Verein e.V.: URL: http://www.bessarabien.de [Stand: 26.04.2012]

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