Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Im Speziellen wird als Humanismus das fortschrittliche, sich vom Mittelalter abwendende geistige Klima des 14. bis 16. Jahrhunderts bezeichnet. Im Allgemeinen unterscheidet man heute zwischen der Renaissance als dem umfassenden kulturellen und sozialen Wandel zwischen Mittelalter und Neuzeit, und dem Humanismus als der Bildungsbewegung, die ihm zugrunde liegt.
Die Wurzeln liegen in der Sehnsucht des mittelalterlichen Menschen nach geistiger Erneuerung und innerer Wiedergeburt; auslösende äußere Faktoren: Fall Konstantinopels, Zustrom griechischer Gelehrter nach Italien (1453), Entdeckung Amerikas (1492), Reformation (1517).

Von Italien aus fasste der Humanismus in Deutschland im 14. Jahrhundert am Hof Karls IV. Fuß. Im Norden dann besonders durch die Reformkonzilien von Konstanz (1414/18) und Basel (1431/49). Nach der Verlegung der Reichskanzlei nach Wien machte der dorthin 1443 berufene Enea Silvio Piccolomini (als Papst Pius II.) Schule; hier blühten durch Regiomontanus (1450/67) auch die Naturwissenschaften. Humanistenkreise bildeten sich in Nürnberg (W.Pirckheimer u.a.), Augsburg (K.Peutinger u.a.), Heidelberg (um Philipp den Aufrichtigen und H.v.Dalberg) und Straßburg (J.Wimpfeling, Geiler von Kaisersberg, S.Brant). Der Erzhumanist Conrad Celtis verbreitete den Humanismus über ganz Deutschland. Die Hochstimmung der Blütezeit zeigt sich in den Epistolae obscurorum virorum mit ihrer Satire auf das Mönchslatein der Scholastik. Den Gipfel erreichte Erasmus von Rotterdam; Ulrich von Hutten bezeugt bereits die Krise des Humanismus in der Reformationszeit. Besonders in Deutschland und Frankreich beeinflusste der Humanismus die Bewegung der Vorreformation und der Reformation. Einige Reformatoren (Zwingli, Melanchthon, Bucer, Calvin) sind durch den Humanismus z.T. stark beeinflusst worden. Zu einem eigentlichen Bündnis zwischen Humanismus und Reformation kam es jedoch nicht. - Die Bewegung des Humanismus ergriff nahezu alle bedeutenden Länder Europas: Frankreich (Jean de Montreuil, G.Budaeus), Spanien (J.L.Vives), England (Th.Morus), die Niederlande (J.Lipsius, D.Heinsius), Ungarn (Musenhof des Königs Matthias u.a.) und Polen (Gregor von Sanok, J.Kochanowski). - Erbe des Humanismus in der Pflege antiken Geistesgutes wurde besonders die klassische Philologie. Die abendländische Dichtung sah lange Zeit die antike Poetik als maßgebend an.

Im 14. und 15. Jahrhundert entstanden in den italienischen Städten zunehmend private Schulen. Es wurde dort Philosophie, Rhetorik, Geschichte, Poesie und das klassische Latein unterrichtet. Altgriechisch, Hebräisch galten als Humanistisch. Die Vertreter des Humanismus kamen fast ausschließlich aus den bevorrechteten Ständen der Stadtgesellschaft. Die neuen Fächer vergrößerten den Abstand zum gemeinen Volk noch mehr. Fürsten, Könige und Päpste umgaben sich gerne mit berühmten Humanisten und Künstlern.

Zentren waren vor allem die Städte Augsburg, Nürnberg, Bamberg, Ulm, Schlettstadt, Erfurt und die Universitäten Prag (Hof Karls IV.), Wien, Heidelberg, Straßburg, Basel, Tübingen.


Quellen:

1. Wikipedia: Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Humanismus aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung (de)). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. [Stand 27.03.2012]

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