Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Der Bergriff "Kalter Krieg" bezeichnet den Systemkonflikt, den die Westmächte unter Führung der USA und der Ostblock unter Führung der Sowjetunion von 1945 bis 1990 mit allen verfügbaren Mitteln, aber unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges austrugen. Dabei wurden jahrzehntelang auf beiden Seiten ökonomische, politische, propagandistische und militärische Anstrengungen unternommen, den Einfluss des anderen Lagers weltweit zurückzudrängen und möglichst auszuschalten.
Der Konkurrenzkampf beider Systeme zeigte sich vor allem an ihrem Wettrüsten, erstreckte sich aber auch auf die sonstige Entwicklung in Wirtschaft, Wissenschaft, Technologie - z.B. die der Raumfahrtprogramme beider Supermächte -, Kultur und Sport.

Nach der Niederlage Hitlerdeutschlands und Japans zerbrach die Kriegskoalition zwischen USA und Großbritannien einerseits und der Sowjetunion andererseits. Zu groß war der Gegensatz zwischen dem System der parlamentarischen Demokratie und dem kommunistischen System, zu gegensätzlich die Macht- und Sicherheitsinteressen, zu übermächtig war die Sowjetunion bzw. der kommunistische Einfluss in Europa und Asien.

Der Kalte Krieg war die Hochphase eines fundamentalen Systemgegensatzes, der auch als Ost-West-Konflikt bezeichnet wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg, der den Gegensatz zwischen kapitalistischer und kommunistischer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung im Zeichen der Anti-Hitler-Koalition überdeckt hatte, bildeten sich zwei feindliche Machtblöcke und die jeweils zugehörigen Militärbündnisse. Diese Bündnissysteme standen sich hochgerüstet gegenüber und prägten jahrzehntelang eine vielfach als bipolare Welt bezeichnete historische Situation.

Die Supermächte vermieden zwar den einen Krieg mit Waffeneinsatz gegeneinander, trieben aber ein beispielloses Wettrüsten voran, vor allem auf dem Gebiet der Atomwaffen. Die Drohung des Atomkriegs, den beide Seiten einkalkulierten, beschwor erstmals in der Menschheitsgeschichte die Gefahr der Selbstauslöschung herauf. Der Interessenkonflikt drohte mehrmals militärisch zu eskalieren: in der Berlin-Blockade 1948, während des Korea-Kriegs 1950 und besonders in der Kuba-Krise 1962. Dort konnte der direkte Krieg zwischen den Supermächten, der zum Einsatz von Atomwaffen geführt hätte, nur äußerst knapp vermieden werden.

Ein besonders augenfälliges Produkt des Kalten Krieges war die Spaltung Deutschlands und Europas entlang des "Eisernen Vorhangs" durch Grenzanlagen mit Stacheldrahtzäunen, Wachtürmen und Selbstschussanlagen. Zum wichtigsten Symbol und Mahnmal des Ost-West-Konflikts wurde die 1961 errichtete Berliner Mauer.

Die mit Unterstützung ihrer jeweiligen Besatzungsmächte 1949 gegründeten beiden deutschen Staaten standen bis zur Auflösung der Blöcke in einem besonders prekären Verhältnis zueinander. Die Bundesrepublik Deutschland erkannte die Deutsche Demokratische Republik bis zur neuen Ostpolitik unter Bundeskanzler Willy Brandt nicht als eigenständigen Staat an und unterhielt auch nach dem Grundlagenvertrag 1972 in Ostberlin offiziell nicht eine Botschaft, sondern eine "Ständige Vertretung". Demgegenüber wurde Ostberlin auf Betreiben der DDR-Staatsführung im gesamten öffentlichen Leben als "Hauptstadt der DDR" bezeichnet, obwohl der Viermächte-Status von ganz Berlin dies nicht zuließ.

Eine bedeutende Rolle im Kalten Krieg spielten Spionage und verdeckte Operationen. Nachrichtendienste wie die CIA der USA, der sowjetische KGB, der Bundesnachrichtendienst der BRD, das Ministerium für Staatssicherheit der DDR u.a.m. beschafften für ihre Regierungen wichtige Informationen, verbreiteten Desinformation und Propaganda, führten Sabotage und sogar Morde an missliebigen Personen aus. Man weiß heute, dass Ostblockstaaten wie die DDR terroristische und separatistische Gruppen in Westeuropa logistisch und finanziell unterstützten. Die CIA und andere westliche Geheimdienste bauten mit Gladio eine geheime Organisation auf, die in Westeuropa ebenfalls illegale und terroristische Aktionen durchführte. Die CIA bildete außerdem Todesschwadronen in Lateinamerika aus und unterstützte über befreundete Dienste die afghanischen Warlords.

Erst 1985 mit dem Führungswechsel im Kreml eröffneten sich ernsthafte Chancen zu militärischer Abrüstung und politischer Annäherung der Blöcke. Michail Gorbatschows Verzicht auf die Breschnew-Doktrin zog ab 1989 die Selbstbestimmung der Völker Mittelosteuropas, den Zerfall des Ostblocks und 1991 die Auflösung der Sowjetunion nach sich. Damit endete die durch den Kalten Krieg begründete bipolare Weltaufteilung.

Die Epoche des Kalten Krieges wird vor allem unter US-amerikanischen Historikern kontrovers bewertet. Die traditionelle Sicht sah die Hauptverantwortung für seinen Verlauf in einem ideologisch begründeten Expansionsdrang der Sowjetunion. Die sogenannte revisionistische Auffassung machte die Politik beider Staaten gleichermaßen verantwortlich oder betonte das von ökonomischen und hegemonialen Interessen bestimmte Vorgehen der USA als treibende Kraft in dem Systemkonflikt.

Die technologische Entwicklung ist während des Kalten Krieges auf vielfältige Weise vorangetrieben worden. Durch Rüstungswettlauf und Systemgegensatz haben vor allem Nuklear-, Raumfahrt- und Raketentechnik fortlaufend Innovationsschübe erhalten. Aber auch in Biologie und Chemie sind durch die Entwicklung von B und C-Waffen neue Forschungsfelder entstanden. Nicht zuletzt für die heutige Elektronik, für die Computertechnik und für den gegenwärtigen Flugzeugbau hat der Kalte Krieg die Weichen gestellt.


Quellen:

1. Currlin, Wolfgang: "Lernumgebung Kalter Krieg und Entspannung". URL: http://www.wcurrlin.de/pages/5.htm [Stand: 27.03.2012]

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