Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Als Zeitgeschichte wird im deutschen Sprachraum jener Abschnitt der neuesten Geschichte bezeichnet, dessen Auswirkungen noch spürbar in die Gegenwart hineinreichen. Im engeren Sinn zählt man diejenige Geschichte zur Zeitgeschichte, über die von heute noch lebenden Zeitzeugen berichtet werden kann. Es handelt sich also nicht um eine abgeschlossene Epoche, sondern um ein sich ständig veränderndes Kontinuum.
Mit Beginn des 21. Jahrhunderts wird damit die Epoche seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschrieben, da die lebenden Zeitzeugen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg verstorben sind bzw. zunehmend versterben. Die Epoche seit 1945 ist für die meisten Europäer, Asiaten und Amerikaner eine Friedenszeit, die durch keinen großen Krieg geprägt ist.

Deutschland

Die Verhältnisse in Deutschland nach Kriegsende werden auf den Konferenzen von Jalta und Potsdam. In Potsdam werden die Demilitarisierung, die Denazifizierung und Demokratisierung Deutschlands vereinbart. Deutschland wird in vier Besatzungszonen eingeteilt, Berlin wird Vier-Sektorenstadt. Analog verfährt man mit Österreich und Wien. Die Ostgebiete östlich von Oder und Neiße fallen nach dem Text bis zum Abschluss eines Friedensvertrags unter polnische und sowjetische Verwaltung. Die Deutschen sollen aus Polen, aus Ungarn und der Tschechoslowakei umgesiedelt werden.
1945/46 findet der Nürnberger Prozess zur Verurteilung der Hauptkriegsverbrecher statt, weitere Kriegsverbrecherprozesse folgen.

1946 wurde aus der US-amerikanischen und britischen Zone die Bi-Zone, unter Einschluss der französischen Zone entstand die Trizone. Die westlichen Besatzungszonen kamen ab 1947 in den Genuss des Marshall-Plans. Auf der Londoner Sechs-Mächte-Konferenz wurde nach Austritt der Sowjetunion aus dem Alliierten Kontrollrat die Errichtung eines westdeutschen Teilstaates geplant. Im Juni 1948 erfolgte in den westlichen Besatzungszonen die Währungsreform - Einführung der D-Mark. Das hatte die Berliner Blockade von Juni 1948 - Mai 1949 und die Währungsreform Ost zur Folge. Am 23. Mai 1949 wird das Grundgesetz der der Bundesrepublik Deutschland verabschiedet. Im August 1949 finden dann die ersten Wahlen zum Bundestag statt. Bundeskanzler wird Konrad Adenauer von der CDU. Provisorische Hauptstadt wurde Bonn.
Während in den Westzonen die Entwicklung in Richtung Parlamentarische Demokratie verlief, verlief sie in der Sowjetischen Besatzungszone in Richtung Kommunismus.
Wegen der Zerstörungen in der Sowjetunion durch die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg sind die Demontagen in der Sowjetische Besatzungszone besonders intensiv. Es gibt auch Reparationsentnahmen aus der laufenden Produktion. Schon 1945 wird eine Bodenreform durchgeführt. Grundbesitz über 100 ha wird zu Gunsten von etwa 200.000 Landarbeitern und Vertriebenen und etwa 125.000 landarmen Bauern enteignet und in Parzellen zu 5 - 25 ha aufgeteilt. Dies bedeutet das Ende des Großgrundbesitzes. Am 30. Juni 1946 wird ein Volksentscheid in Sachsen durchgeführt. Im Ergebnis stimmt eine Dreiviertel-Mehrheit für die Enteignung der Großindustrie. Diese werden in Volkseigene Betriebe verwandelt. Nach der Enteignungswelle sind nur mehr Mittel- und Kleinbetriebe sowie sowjetische Aktiengesellschaften übrig, die Eigentum des NS-Staates, der NSDAP und der Wehrmacht übernommen haben. Der private Sektor umfasst 1946 nur noch 40 Prozent der Bruttoproduktion.
Der Weg zur Staatsgründung der DDR führt über den im Dezember 1947 gewählten Deutschen Volkskongress und den von diesem gewählten Deutschen Volksrat, der sich zu einer vorläufigen Deutschen Volkskammer erklärt, die die Verfassung der DDR am 7. Oktober 1949 in Kraft setzt. Am 15. Oktober finden Wahlen statt, bei denen sich die Blockparteien aber vorher auf ihre Sitzanteile geeinigt hatten (SED 25%, CDU und LDP je 15%, andere weniger): Der Wähler konnte nur die gemeinsame Liste wählen.

Fast 40 Jahre lang entwickelten sich die beiden deutschen Staaten in unterschiedliche Richtungen.
Wirtschaftlich erstarrte die DDR in den 1980er Jahren immer mehr. Ausufernde Sozialleistungen überstiegen das wirtschaftliche Vermögen, der Staat stand vor dem Bankrott. Die bürokratische Lähmung und Perspektivlosigkeit kontrastierte mit dem Aufbruch in der Sowjetunion unter Michail Gorbatschow, neben dem Honecker wie eine Mumie wirkte.
Dem Mauerfall voraus ging der Zusammenbruch des SED- Regimes. Als Ungarn die Grenze öffnete, flohen viele DDR- Bürger über Österreich in die BRD. Dies war der erste Schritt. Im Mai 1989 fälschte das DDR- Regime die Kommunalwahlen, was Oppositionsgruppen auf den Plan rief und Empörung auslöste. Der Ruf "Wir sind das Volk" und der Massenprotest taten ihre Wirkung. Am 17. Oktober wurde dann vom Politbüro der SED Erich Honecker einstimmig gestürzt. Am 9. November 1989 wurde kurz nach den Feiern zum 40. Jahrestag der DDR die Berliner Mauer geöffnet. Am 03.10.1990 wurden beide deutsche Staaten wieder eins.

Global

Seit den Entdeckungen wuchs die Welt immer mehr zusammen. Heute hat dieser Prozess ein noch nie gekanntes Ausmaß erreicht. Mit Flugzeugen ist man in wenigen Stunden an jedem noch so entfernten Punkt der Welt, im Zeitalter des Massentourismus können sich dies Massen von Menschen leisten. In den hintersten Ecken der Welt stehen Radioapparate, Fernseher und Computer, die jede Nachricht in Bruchteilen von Sekunden über die ganze Welt verteilen und überall Begehrlichkeiten wecken. Weltweit wurden Märkte für Waren, Dienstleistungen und Geld geöffnet. Zunehmend ist eine intensive internationale wirtschaftliche Verflechtung zu erkennen.

Seit den 1960er Jahren fand eine durch den wirtschaftlichen Aufschwung geförderte europäische Binnenwanderung von Süden nach Norden statt, die auch auf die Türkei und Nordafrika übergriff. Was als zeitlich befristeter Aufenthalt gedacht war, entwickelte sich zur Einwanderung, unterstützt durch illegale Migration und, zumindest zeitweise, Asylanten.
Wer auf der Welt daheim keine Chance mehr sieht, wandert in die Wohlstandszentren der Welt aus, nach Nordamerika, Europa oder Australien und Neuseeland. Eine riesige Migrationswelle rollt weltweit. An den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla in Nordafrika und an den Küsten des Mittelmeers stürmen arme Afrikaner unter Lebensgefahr das Gebiet der EU, der Einsatz von Kriegsschiffen und elektronischem Gerät bremst den Vorgang, vermag ihn aber nicht grundsätzlich zu verhindern. Die USA bauten einen streng überwachten Zaun an der Grenze zu Mexiko, aber nichts vermag die Einwanderer aufzuhalten.
Heute leben allein ca. 15 Mio. Muslime in Europa, davon überwiegend wenig Qualifizierte, deren Beschäftigung im Industriezeitalter möglich war, heute aber zunehmend schwierig wird. Europa hat ein ausgeprägtes Integrationsproblem.

Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus öffnet sich Osteuropa. Aus der Konkursmasse der Sowjetunion bildet sich die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten.
Die EU erhält 2004 zehn neue Mitglieder, darunter 7 aus dem Territorium bzw. dem ehemaligen Satellitengürtel der SU, weitere stehen vor einem Beitritt. Auch die NATO breitete sich nach Osten aus. Mit dieser Öffnung Osteuropas erschließen sich nicht nur neue Absatzmärkte für die alte EU, es wandern wegen des eklatanten Lohngefälles auch Kapital, Arbeitsplätze und zunehmend auch Forschungsstätten nach Osteuropa ab.
Russland muss sich mit der neuen Situation der territorialen Verkleinerung, der Orientierung der westlich gelegenen Nachfolgestaaten nach Westeuropa bzw. der südlich gelegenen zur islamischen Welt und dem Verlust der Supermachtstellung arrangieren. An den südlichen Grenzen Russlands, ja auf russischem Territorium selbst, hat Russland mit nationalistischen und islamistischen Kräften zu kämpfen.
Auf dem Balkan kam es in den 1990er Jahren zu einer Reihe von Kriegen, in deren Verlauf Jugoslawien zerfiel. Dabei kam es im Gefolge rabiater ethnischer Nationalismen zu so genannten "ethnischen Säuberungen", die in Völkermord gipfelten.


Quellen:

1. Currlin, Wolfgang: "Geschichtszentrum". URL: www.wcurrlin.de [Stand: 27.03.2012]

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