Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Zwischen 1939-1945 wurden in Europa mehr als sechs Millionen Menschen ermordet, die von dem deutschen nationalsozialistischen Regime für einer jüdischen „Rasse" angehörig gehalten wurden. Der Begriff „Holocaust" hat sich als Bezeichnung für dieses Ereignis in den letzten Jahrzehnten durchgesetzt - auch in Deutschland.

Als Holocaust bezeichnet man heute vor allem den als Shoa bezeichneten Völkermord an etwa sechs Millionen Juden in der Zeit des Nationalsozialismus, sowie die systematische und massenhafte Ermordung mehrerer nichtjüdischer Gruppen:

  • von Roma, Sinti und Jenischen und weiteren sogenannten Zigeunern, siehe Porajmos
  • von Behinderten, siehe Aktion T4 und Geschichte der Euthanasie
  • von Zeugen Jehovas, siehe Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
  • von Homosexuellen, siehe Rosa Winkel
  • von polnischen Intellektuellen
  • von russischen Kriegsgefangenen und anderen, überwiegend slawischen Volksangehörigen

Der Holocaust unterscheidet sich aufgrund seiner Ausrottungsziele und systematischen Durchführung wesentlich von der Verfolgung politischer Gegner des NS-Regimes: Während diese nicht zwangsläufig ermordet wurden, waren vom Kleinkind bis zum Greis alle Juden und viele der Menschen, die zu einer der genannten Gruppen gehörten, schon aufgrund ihrer bloßen Existenz zur Ermordung vorgesehen. Nichts, was sie selbst hätten tun oder unterlassen können, nur Glück oder Zufall, konnte ihr Leben retten, wenn sie in die Hände des nationalsozialistischen Machtapparats fielen.

Die Entwicklung zum Holocaust begann 1933 mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung der Juden in Deutschland und mündete in der Vernichtung aller europäischen Juden, derer das nationalsozialistische Regime habhaft werden konnte.

Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 sah die Entlassung aller jüdischen Beamten vor. Auf einen Eingriff des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg hin wurden davon nur die Juden ausgenommen, die schon vor 1914 im Staatsdienst gewesen waren, im Weltkrieg gekämpft oder dabei Angehörige verloren hatten („Frontkämpferprivileg“). Von nun an wurden Juden auch aus allen Ehrenämtern entfernt; sie erhielten nur noch begrenzten Zugang zu Schulen und Universitäten; jüdische Steuerberater verloren ihre Zulassung.

Im September 1935 zementierten die Nürnberger Gesetze die rassistische Diskriminierung: Das „Reichsbürgergesetz“ beließ Juden zwar die deutsche Staatsbürgerschaft, wertete diese aber ab, indem nur „Arier“ die „Reichsbürgerschaft“ mit dem Privileg des Wahlrechts und voller Bewegungsfreiheit erhielten. Das „Blutschutzgesetz“ verbot die Eheschließung und selbst außereheliche Sexualität zwischen Juden und „Ariern“. Dabei war zunächst unklar, wer als Jude zu gelten habe: Die „Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz“ definierte dann „Volljuden“ als Personen mit mindestens drei, „jüdische Mischlinge“ mit bis zu zwei jüdischen Großelternteilen. Auch wer zur jüdischen Glaubensgemeinschaft gehörte, galt als „Volljude“; wer nach dem Gesetzeserlass in diese eintrat, mit einem jüdischen Bürger verheiratet war oder aus einer „Mischehe“ gezeugt wurde, galt rechtlich als „Volljude“ (sog. Geltungsjude). Der angeblich biologische Rassebegriff ließ sich also juristisch nur durch Rückgriff auf nichtbiologische Merkmale wie die Religionszugehörigkeit fassen.

Die „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ verbot ihnen unter anderem Einzelhandel, Versandgeschäfte, Bestellkontore, Führung von Handwerksbetrieben, Warenangebot auf Messen, Märkten oder Ausstellungen, Betriebsleitung und Tätigkeit als leitende Angestellte. Hinzu kamen vielfältige Alltagsdiskriminierungen, etwa Parkbänke mit Schildern „Nur für Deutsche“, „Entjudung“ (Umbenennung) von Straßennamen, Uniformverbot, generelle Einstufung in die höchste Steuerklasse, Verbot der Benutzung von Schlaf- und Speisewagen der Reichsbahn, Streichung von Wohngeld. Hauseigentümer durften freiwerdende Wohnungen nicht mehr an „Volljuden“ vermieten, ihnen wurden „Sonderwohnbezirke“ zugeteilt. Damit begann ihre Ghettoisierung. Am 4. Juli 1939 wurden zudem alle jüdischen Vereine, Organisationen und Stiftungen zwangsweise in einer „Reichsvereinigung“ zusammengeschlossen.

Am 9. September 1941 ordnete die Polizei an, dass alle Juden künftig einen gelben Stern in Form eines Davidssterns gut sichtbar an der äußeren Kleidung zu tragen hätten. Im Januar 1942 wurden alle ihre Kleidungsstücke aus Wolle und Pelz beschlagnahmt. Ab März des Jahres mussten auch die Wohnungen der im Reich verbliebenen Juden mit einem „Judenstern“ gekennzeichnet werden. Sie durften öffentliche Verkehrsmittel nur noch in Ausnahmefällen benutzen. Auch Juden im Alter von über 65 Jahren, die bis dahin verschont worden waren, mussten nun die Deportationszüge besteigen. Ab 19. Oktober erhielten die verbliebenen Juden wichtige Nahrungsmittel wie Fleisch, Weizenprodukte, Milch, Kunsthonig, Kakaopulver nicht mehr. Lebensmittelsendungen ins Ausland wurden von ihren Rationen abgezogen, Sonderzuteilungen für Kranke gestrichen.

Im Februar 1943 waren alle Beschäftigungsverhältnisse zwischen Deutschen und „Volljuden“ bzw. „Geltungsjuden“ aufzulösen. Im April wurde allen jüdischen Deutschen, „jüdischen Mischlingen“ und „Zigeunern“ die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. I

m 20. Januar 1942 fand unter der Leitung des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD, Reinhard Heydrich, die später so genannte Wannseekonferenz bei Berlin statt. Auf ihr besprachen hochrangige Ministerialbeamte der Reichsregierung die organisatorische Kooperation bei der „Endlösung der Judenfrage“. Nach dem Konferenzprotokoll waren 11 Millionen Menschen zur Vernichtung vorgesehen.

Zum Vernichtungsprogramm der Nazis gehörte auch die Ermordung von drei Mio. russischen Kriegsgefangenen und fast drei Mio. nichtjüdischen Polen durch Massenexekutionen, Kriegshandlungen oder Nahrungsentzug. Mehr als zwei Millionen Osteuropäer, v.a. Polen und Russen starben bei der ihnen auferlegten Zwangsarbeit. Die Nationalsozialisten folgten dabei dem Grundsatz „Vernichtung durch Arbeit“: Das Sterben der Zwangsarbeiter durch Hunger, Kälte, Überforderung und willkürliche Morde wurde bewusst in Kauf genommen und herbeigeführt. Solange die Betroffenen arbeitsfähig waren, diente ihre Zwangsarbeit wiederum der Fortsetzung des Krieges und damit weiterer Vernichtung.

Auch die Einrichtung der Arbeitslager und die Verschleppung der Kriegsgefangenen war keine zufällige, sondern gezielt herbeigeführte Folge des Russlandfeldzugs. Im Generalplan Ost hatte man ein weitreichendes Programm dazu ausgearbeitet. Danach sollten vor allem als „rassisch minderwertig“ bezeichnete Slawen allmählich durch Massenmord und Verbannung nach Sibirien ausgerottet werden.

Ein lange verdrängtes Teilkapitel des Holocaust war auch die systematische Internierung und Ermordung der Sinti, Roma und weiterer Gruppen, die man Zigeuner nannte und dazu zählte. Auch dies beruhte auf rassistischen Denkmustern und zielte auf möglichst weitgehende Ausmerzung.

Neben parteipolitischen Gegnern wurden auch andere missliebige Gruppen, etwa sogenannte Asoziale, Gewerkschaftler, Zeugen Jehovas, andere oppositionelle Christen, unangepasste Jugendliche wie Swing-Liebhaber, Edelweißpiraten oder Mitglieder der bündischen Jugend sowie Homosexuelle in den KZs interniert und teilweise ermordet. Der Grad ihrer Verfolgung unterschied sich aber deutlich von dem auf völlige Ausrottung zielenden Genozid an Juden, der Versklavung und Massenvernichtung der Slawen und massenhaften Internierung und Tötung der „Zigeuner“.


Quellen:

1. Wikipedia: Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Holocaust aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung (de)). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. [Stand 27.03.2012]

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