Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Herrschaft geht im 18. Jahrhundert noch von den Herrschaftshäusern und politischen Parteiungen aus, sowie von mächtigen Adeligen, die hinter den Parteiungen stehen. Kriege werden im 18. Jahrhundert dementsprechend wahrgenommen: Regenten wollen sie, und lassen "ihr" Geld in sie fließen. Militärische Niederlagen werden im 18. Jahrhundert nicht als nationale Demütigungen empfunden, sondern als Teil einer von Regenten gestalteten Machtpolitik. Hier entwickelt sich im 19. Jahrhundert eine ganz neue Wahrnehmung.
Sie ist vor allem eine Folge der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege , die von einem ganz neuen Heer getragen werden - einem aus Staatsbürgern zusammengesetzten. Insbesondere Deutschland hat dem französischen Nationalismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts wenig entgegenzustellen. Das Heilige Römische Reich ist in Einzelstaaten zersplittert, die von Napoleon gegeneinander ausgespielt werden. Der Reichsverband wird aufgelöst. Deutschlands Intellektuelle fordern in der Reaktion auf die Bedrohung einen Nationalstaat, der erst noch gegründet werden muss, der jedoch auf diesem Weg mit einem ganz neuen Bewusstsein von Staatsbürgerlichkeit ausgestattet wird.

Im 19. Jahrhundert war Europa das Zentrum des Industriekapitalismus, der nach und nach sämtliche Weltregionen seinem Einfluss unterwarf. Zwischen 1850 und dem Ersten Weltkrieg versechsfachte sich die industrielle Produktion, das Welthandelsvolumen versiebenfachte sich. Nicht von ungefähr gilt die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts als klassische Phase des Imperialismus. Als Deutsche Einigungskriege bezeichnet man die Kriege, die zwischen 1864 und 1871 zur Entstehung des „kleindeutschen Nationalstaates” geführt haben.

Durch den Deutsch-Dänischen Krieg der deutschen Großmächte Preußen und Österreich zusammen gegen Dänemark im Jahre 1864 wurde bereits die Nordgrenze des werdenden Nationalstaates festgelegt. Die gemeinsame Verwaltung Schleswig-Holsteins durch Preußen und Österreich nach dem Krieg führte durch gegenseitige Provokationen zu starken Spannungen. Dies führte 1866 zum Preußisch-Österreichischen Krieg, der die nationale Frage entschied und eine kleindeutsche Lösung entstehen ließ, d. h. ein deutsches Reich ohne die deutschen Gebiete Österreichs. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/1871, an dem Preußen zusammen mit den süddeutschen Staaten beteiligt war, führte schließlich zur Niederlage Frankreichs und zur Ausrufung des Deutschen Kaiserreiches am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles.

Nationale Euphorien, wie sie in der Befreiung Griechenlands von den Türken in den 1820ern und im Einigungsprozess Italiens Mitte des 19. Jahrhunderts aufkommen, bleiben ohne Parallele im 18. Jahrhundert - weder die englische Glorious Revolution von 1688 noch die Französische Revolution waren von vergleichbaren nationalen Sentimenten der Vereinigung begleitet. Europas Intellektuelle wie der Romantiker Lord Byron , der bei einem militärischen Kommando in Griechenland stirbt, entwickeln eine romantische Identifikation mit den neuen nationalen Bewegungen, die vom Volk getragen werden müssen, um zu funktionieren. Authentischer als Politik des 18. Jahrhunderts, echter, den Wurzeln näher, erscheint der neue Nationalismus.

Der Nationalstaat wurde als neue politische Institution aufgebaut. Er forderte neue Themen, neue Bildungssysteme, neue wirtschaftliche Strukturen, eine neue Vorstellung seitens derer, die in ihm lebten: die Bereitschaft, sich als Bürger zu sehen und sich dementsprechend zu organisieren.

Das 19. Jahrhundert legte hier Grundsteine für Entwicklungen, die im 20. neue Ausprägungen und globale Dimensionen gewinnen sollten. Der Faschismus und der Nationalsozialismus des 20. Jahrhunderts werden sich als national-völkische Bewegungen manifestieren. Hochtechnisierte und hochgerüstete Staaten werden sich hier in romantischen Rückbesinnungen auf völkische Ursprünge definieren und Konflikte globaler Dimensionen austragen, die die Welt neu ordnen werden.


Quellen:

1. Wikipedia: Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Nationalstaat aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung (de)). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. [Stand 27.03.2012]

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