Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Als "Zeitalter des Imperialismus" versteht man die in der Zeit von 1880 bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 stattfindende territoriale Ausdehnung europäischer Groß- und Mittelmächte sowie der USA und Japan. Seine Triebfedern waren zunächst vornehmlich wirtschaftlicher und strategischer, in seinem Verlauf zunehmend nationalpsychologischer Natur. Der in dieser Zeit stattfindende formelle Kolonialismus vor allem in Afrika stellt dabei nur einen Teil des Imperialismus dar, der ebenso durch informelle wirtschaftliche Durchdringung (etwa in China und dem Osmanischen Reich) und das wachsende Konkurrenzempfinden zwischen den imperialistischen Mächten gekennzeichnet war.

Die Zunahme des europäischen Imperialismus unter der Führung Großbritanniens erfolgte im Zuge der industriellen Revolution. Der sich ergebende Fortschritt in der Schwerindustrie spielte auch in der Schifffahrt eine zunehmend größere Rolle. Die Dampfschifffahrt ermöglichte neue Dimensionen. Kohle, Stahl und Eisen wurden zu einem wichtigen Machtindikator. Großbritannien versuchte sich durch die Industrialisierung vom Agrar- zum Industriestaat zu verändern. Die Zunahme der Massenproduktion erforderte neue Absatzmärkte, so dass man hoffte diese in den Kolonien zu finden. In den Kolonien befanden sich auch viele ungenutzte Agrarflächen, die gigantische Gewinnspannen ermöglichten.
Die französischen imperialistischen Bestrebungen ergaben sich vor allem in Konkurrenz zum englischen Erzfeind. Das Erreichen eines Weltmachtstatus hatte oberste Priorität. So entstand vor allem auch eine Konkurrenz in den Kolonien.

BismarckDeutschland beteiligte sich am Imperialismus vor allem aus nationalem Prestigedenken heraus.
Als sich Deutschland nach Bismarcks Sturz in den 1890er Jahren für Kolonien zu interessieren begann, war die Erde bereits weitgehend zwischen anderen Kolonialstaaten aufgeteilt. Die von Deutschland erworbenen Kolonien waren wirtschaftlich uninteressant, da sie weder über größere Bodenschätze noch über agrarische Nutzflächen verfügten.
1905 kam es zur ersten Marokkokrise, weil Deutschland französischen Bestrebungen, Marokko dem französischen Kolonialreich beizufügen, unter Berufung auf internationale Verträge entgegentrat. 1911 kam es nach dem Einmarsch französischer Truppen in die marokkanischen Städte Rabat und Fez und der Entsendung des deutschen Kanonenbootes "Panther" (Panthersprung nach Agadir) zur zweiten Marokkokrise.
Deutschland erhielt als Kompensation Teile des französischen Äquatorialafrikas zur Abrundung seiner kamerunschen Besitzungen, sah sich aber außenpolitisch isoliert. Die Generalstäbe von Frankreich und England arbeiteten noch im selben Jahr einen gemeinsamen Aufmarschplan für den Kriegsfall gegen Deutschland aus, der dann auch 3 Jahre später zum Einsatz kam.

Der russische Imperialismus unterschied sich in seiner Form deutlich von den Imperialismen der anderen Staaten. Er war ein reiner Binnenimperialismus und bezog sich nur auf die Territorialvergrößerung in Sibirien bis hin zur Insel Sachalin. Im Süden stießen Russlands Truppen in die zum größten Teil noch unkartographierten Gebiete des Kaukasus, Nordpersiens, Afghanistans, Samarkands, Taschkents und in die Nordmongolei vor.
Eine der wichtigsten Triebfedern dieser Ausdehnung war das russische Bestreben, einen eisfreien Hafen zu erlangen, um so im Konzert der Mächte eine zu dieser Zeit so wichtige, ganzjährig verfügbare Flotte stationieren zu können.
Hinzu kam die Vorstellung, mit einer Südausdehnung auch in eine gewisse Verhandlungsposition gegenüber Großbritannien zu kommen. Mit Druck auf die Peripherie wurde der zentrale Nerv des britischen Königreichs bedroht: Die Seewege nach Indien und die Kronkolonie selbst. So erhofften sich die Zaren ein Einlenken Großbritanniens in der Meerengenfrage.
Gerade diese Verlagerung der großmächtigen Konfliktfelder in den Osten Asiens legte die Grundlage für eine spätere Eskalation in Zentraleuropa, die ohne die Geschehnisse am Rand der Interessensspähren überhaupt nicht verständlich erscheint: Der 1. Weltkrieg.

Nachdem Japan im Jahre 1854 durch die USA gewaltsam zur Aufgabe seiner Isolation gezwungen worden war, sah sich der feudalistisch organisierte Staat einer übermächtigen Umwelt gegenüber. In einer beispiellosen Entwicklung gelang es, radikale Reformen durchzusetzen und in atemberaubender Geschwindigkeit den technischen Rückstand zu den industrialisierten Staaten aufzuholen. Schon 30 Jahre später war aus Japan eine zu beachtende Territorialmacht geworden, die nicht nur 1894/95 China in einem Krieg besiegen konnte, sondern nach einem gleichberechtigten Bündnis mit Großbritannien 1902 sogar schaffte, die gesamte russische Flotte im russisch-japanischen Krieg 1905 zu zerstören und so die Ambitionen des Zarenstaats in Asien zu stoppen.
Japan verstand das imperiale Spiel der Geheimdiplomatie zu seinen Gunsten zu nutzen, so dass es seine Ambitionen in Korea und Nordchina schon im Vorfeld zum Ersten Weltkrieg bedienen konnte und dadurch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die einzige imperialistische Macht im ostasiatischen Raum blieb.

Mit dem Sieg im Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 treten auch die USA in den Kreis der imperialistischen Weltmächte ein. Der Erwerb der Philippinen und Puerto Ricos sowie die Besetzung Kubas sind ein erster Schritt um mit den europäischen Imperien in Konkurrenz zu treten. Trotz starker antiimperialistischer und isolationistischer Bewegungen in der US-Politik bauen die USA in der Folge ihren Einfluss in der Weltpolitik bis hin zum Eintritt in den 1. Weltkrieg weiter aus.


Quellen:

1. Wikipedia: Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Imperialismus aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung (de)). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. [Stand 27.03.2012]

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