Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.
Richard von Weizsäcker

Die Reformation ist die durch Luther ausgelöste kirchlich-religiöse Bewegung im Christentum des 16. Jahrhunderts, die die abendländische Kircheneinheit sprengte und neue kirchliche Gemeinschaften und eine neue religiöse Haltung (Protestantismus) entstehen ließ.

Im Verlauf der Reformation kam es zur Abspaltung von der römisch-katholischen Kirche und zur Entstehung der reformierten, lutherischen und anglikanischen Kirchen sowie einiger Freikirche. Die gemeinsame Grundlage sehen die ersten beiden Strömungen in der Rückbesinnung auf die Bibel und der Abkehr von bestimmten Auswüchsen der katholischen Kirche.
Eine Trennung von der Römisch-Katholischen Kirche war zunächst nicht die Absicht der Reformatoren. Die re-Formation ("Wieder-Formierung") sollte die ursprüngliche christliche Lehre in der katholischen Kirche wiederherstellen.

Voraussetzungen der Reformation waren die Krise des Papsttums im 14. und 15. Jahrhundert, die Überspannung des päpstlichen Herrschaftsanspruchs, die weltliche Haltung der Renaissance-Päpste, das in vielen kirchlichen Misständen begründete kirchliche Reformverlangen sowie ein Heilsbedürfnis, das durch die offizielle Kirche nicht befriedigt werden konnte.
Die Reformation entstand nicht an einem Ort durch einen Menschen - es gab verschiedene Zentren und verschiedene Reformatoren, die von unterschiedlichen Voraussetzungen her kamen und in unterschiedlichen politischen Verhältnissen arbeiteten.

Zwar war die Autorität der Katholischen Kirche und des Papsttums trotz der beißenden Angriffe des Humanismus auf Unbildung und Lebensführung des Klerus noch ungebrochen, sie wurde jedoch in dem Augenblick ernsthaft gefährdet, als dem Gläubigen ein direkter Weg zum Heil gewiesen und die Bibel als alleinige Autorität in Glaubensfragen proklamiert wurde.

Die weite Wirkung der Reformation ergab sich aus Uneinigkeiten zwischen den aufstrebenden Städten und der Kirche sowie dem Erstarken des Landes- Fürstentums das seinen Einfluß auf die Kirche zu steigern suchte.
Verschiedene Steuern, Gebühren und Abgaben flossen in die päpstlichen Kassen. Diese wurden von vielen Fürsten als zu hoch empfunden. Die Praxis des Ablasshandels stand zunehmend in der Kritik.

Die Auseinandersetzung mit den bestehenden Strukturen hatte dabei zunächst den Charakter eines wissenschaftlichen Disputes der Theologischen Fakultäten; die Disputationen der mittelalterlichen Universitäten trugen wesentlich zur Differenzierung, Festigung und Ausbreitung der reformatorischen Gedanken bei. Schnell wurden auch die Möglichkeiten des Buchdruckes genutzt. Viele Reformatoren veröffentlichten Streitschriften in hoher Auflage.

In der Kirche herrschten erhebliche Missstände – viele abwertend Pfaffen genannte Geistliche führten ein allzu ausschweifendes Leben und profitierten von Stiftungen und Erbschaften der reichen Bevölkerung sowie Abgaben und Spenden der Armen. In Rom gelangte man durch Vetternwirtschaft und Bestechung zu Amt und Würden; die Päpste taten sich als Kriegs- und Bauherren sowie als Förderer der schönen Künste hervor.

Die Reformation begann mit Luthers Veröffentlichung der 95 Thesen gegen den Ablasshandel in Wittenberg am 31. Oktober 1517. Sie breitete sich rasch aus und ergriff große Teile des deutschen Volkes.
Die Bewertung des Ereignisses der Reformation hingegen fiel zwiespältig aus. Die Reformatoren sahen ihr Ziel zunächst in einer Reform, also einer Erneuerung der Kirchenverfassung. Eine Spaltung lag ihnen grundsätzlich fern. Eine Abspaltung per Bann durch die römische Kirche in Gestalt der Bannandrohungsbulle, sowie der Bannbulle waren sie keineswegs bereit zu akzeptieren.
Auf dem Wormser Reichstag, verweigerte Luther 1521 dem Kaiser gegenüber wie vorher der Kurie den Widerruf und bereitete der Reformation ein scheinbares Ende.. Das Wormser Edikt, Acht und Bann gegen Luther konnten den Lauf der Reformation nicht hemmen.

Auf dem Reichstag zu Speyer protestierten am 19. April 1529 die Fürsten und Städte, die sich zur Reformation bekannten, gegen die Majorisierung in Glaubensdingen. Auf dem Augsburger Reichstag legten sie 1530 die Augsburgische Konfession vor. Da Karl V. die Reformation ablehnte, ihr aber aus außenpolitischen Gründen nicht entgegentreten konnte, kam es zur religiösen Spaltung der Nation.

Die Protestanten schlossen sich 1531 im - Schmalkaldischen Bund zusammen. In den Ländern wurde die Reformation jetzt durch Kirchen- und Schulvisitationen durchgeführt.
Evangelische Landeskirchen entstanden, der Landesherr trat als Notbischof an die Spitze der Kirche seines Landes.

Um 1540 schien die Reformation in ganz Deutschland zu siegen. Nachdem schon 1525 der Ordensstaat Preußen in ein weltliches Herzogtum umgewandelt worden war, standen jetzt auch andere geistliche Fürsten vor der Säkularisierung. Auch in Österreich drang die Reformation ein, nur Bayern verschloß sich ihr. Karl V. konnte jedoch im Schmalkaldischen Krieg die protestantischen Stände in der Schlacht bei Mühlberg 1547 niederwerfen, den Kurfürsten von Sachsen und den Landgrafen von Hessen gefangen nehmen.

Das vom Augsburger Reichstag 1548 beschlossene Interim sollte einen Ausgleich in der Glaubensfrage vorbereiten, doch widersetzte sich ihm das Volk. Gleichzeitig erhoben sich die Fürsten gegen die Steigerung der kaiserlichen Macht und erzwangen 1555 den Augsburger Religionsfrieden. In ihm wurde die Augsburgische Konfession reichsrechtlich anerkannt; der Landesherr erhielt das Recht der freien Religionswahl, die geistlichen Fürsten. wurden in ihrem Besitzstand gesichert. Damit war die religiöse Spaltung Deutschlands rechtlich anerkannt, das Reich mußte sich auf seine weltlichen Aufgaben zurückziehen.

Die Katholische Kirche akzeptierte die Absichten der Reformation nicht. Anfangs weigerte sie sich, den positiv geladenen Ausdruck "Reformation" überhaupt anzuerkennen und zu benutzen. Sie bekämpfte hingegen sowohl das Ereignis der Reformation als eine schwerwiegende Abspaltung, als auch die Epoche danach: Die "Zeit der Spaltung" galt ihr als vorübergehende, zu überwindende. In der Zeit der Gegenreformation und im Dreißigjährigen Krieg sah sie auch die protestantischen Kirchen als abgespaltene Kirchen an, die es auch mit Mitteln der Gewalt- wieder heimzuholen galt. Diesen Prozeß nennt man auch Rekatholisierung. Sie war eine wesentliche Bewegung in diesem mit Konfessionalisierung bezeichneten Zeitalter.


Quellen:

1. Wikipedia: Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Reformation aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung (de)). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. [Stand 27.03.2012]

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